Baden

Beleidigungen, Faustschläge, Schraubenzieherattacken: Gewalt gegen Chauffeure nimmt zu

Ein gewisses Restrisiko fährt bei Busfahrern mit. (Symbolbild)

Mehrere Gerichtsfälle betrafen Bus- und Taxifahrer. Wenn etwas passiere, dann ist meistens Alkohol im Spiel. Die Täter kommen laut dem Geschäftsführer der Badener Taxi AG oftmals zu gut davon. Wie gefährlich ist der Job der Chauffeure wirklich?

In den letzten Wochen wurden mehrere Fälle am Bezirksgericht Baden verhandelt, in denen Bus- und Taxichauffeure aus der Region Opfer von Angriffen wurden. Ein Mann soll am Ende einer durchzechten Nacht einem Taxifahrer die Faust ins Gesicht geschlagen haben, weil er nicht mit dem Fahrpreis einverstanden war. Ein anderer hat aus Frust über die Verspätung eines RVBW-Busses von Wettingen nach Baden dem Busfahrer einen Faustschlag verpasst.

Auch beim 25-jährigen Kevin (Name geändert), für den Sicherheitsverwahrung gefordert war, fand sich in der zehnseitigen Anklageschrift ein Angriff auf einen Bus-Chauffeur. Dieser hatte ihn auf frischer Tat ertappt, als er versuchte, mit einem Schraubenzieher die Buskasse aufzubrechen. Daraufhin bedrohte Kevin den Fahrer mit dem Schraubenzieher. Das Gericht stellte in diesem Fall ausdrücklich fest, dass Busfahrer als Beamte gelten, da sie im öffentlichen Dienst stehen. Deshalb galt der Überfall als Gewalt gegen einen Beamten, was Kevins Verteidiger versuchte, infrage zu stellen.

Die Frage stellt sich: Wie gefährlich leben die Menschen dieser Berufsgattung eigentlich? Müssen sie sich vermehrt fürchten? Marija Nikolova, Marketingleiterin der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen RVBW, ist froh, dass tätliche Übergriffe wie obenstehende Ausnahmen sind. Trotzdem: «Respektlosigkeiten und Beleidigungen gegenüber dem Fahrpersonal und auch gegenüber dem Kontrollpersonal nehmen jedoch zu.» Wer so viele Menschen pro Tag transportiere, trage ein gewisses Restrisiko: «Wir sind jedoch froh, dass es bei Einzelfällen bleibt», so Nikolova. 

Schulungen für Busfahrer

Das Fahrpersonal werde regelmässig geschult und zum Thema Gewaltprävention sensibilisiert. Diesen Frühling gab es ein Seminar unter dem Titel «Bewältigen von schwierigen und gefährlichen Situationen im Berufsalltag.» Hier wurden neben Theorieblöcken auch Trainings im Bus durchgeführt, in denen schwierige und gefährliche Situationen simuliert wurden. Sie sollen dem Fahrpersonal deeskalierende Handlungsweisen vermitteln.

Der betroffene Busfahrer, der anonym bleiben möchte, ist froh um die Schulungen, sagt aber dennoch: «Wenn ein Angriff so unverhofft kommt, ist man machtlos, auch wenn man Abwehrtechniken trainiert hat.» Vor Gericht sagte er aus, dass der Angeklagte eingestiegen sei – und ehe er sich versah, spürte er einen Schlag am Kopf.

Verbale Attacken

Der Busfahrer hat nach diesem Erlebnis zwar keine Angst, sei aber hin und wieder angespannt: «In manchen Situationen kommt mir der Vorfall wieder in den Sinn. Da ähnliche Erlebnisse in meiner Tätigkeit als Busfahrer aber bisher die Ausnahme waren, geht es.» Was ihm viel öfter begegne, seien verbale Angriffe, sagt er. Doch die versucht er zu ignorieren: «Mit den Jahren erhält man eine dickere Haut.»

Inzwischen haben die RVBW einen weiteren Aufkleber im Bus platziert. Dieser weist darauf hin, dass strafbare Handlungen gegen das Fahrpersonal durch die Polizei verfolgt werden. Der Mann, der den Busfahrer angegriffen hat, war bereits vorbestraft und muss nun für 60 Tage ins Gefängnis. Bei Kevin waren es andere, gravierendere Anklagepunkte, die zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren führten.

Der Mann hingegen, der wegen einer Tätlichkeit an einem Taxifahrer angeklagt war, wurde freigesprochen. Er muss keine Geldbusse bezahlen: In dubio pro reo. Im Zweifel für den Angeklagten. Alle Zeugen bestritten, dass es einen Faustschlag gegeben habe, auch wenn ein Arztzeugnis Schwellungen im Gesicht des Taxifahrers nachwies. Doch die Beweislage schien zu dünn, um den Angeklagten für den Angriff zu verurteilen.

«Meistens kommen die Täter zu gut davon», findet Roland Wunderli, Geschäftsführer der Badener Taxi AG. Er wünscht sich, man würde gegen gewaltbereite Personen, die im öffentlichen Dienst stehende Menschen angreifen, härter vorgehen. Zum Glück aber kämen Ausraster, die vor Gericht enden, bei seiner Firma nur selten vor. Wenn aber etwas passiere, dann sei zumeist Alkohol im Spiel.

Auch bei der Badener Taxi AG werden die Fahrer geschult: «Wichtig ist, dass sie ruhig bleiben, sich nicht provozieren lassen und sicher nicht zurückschlagen.» Ansonsten gehöre der Taxidienst zum Individualverkehr und würde zumeist von Einzelpersonen in Anspruch genommen. Wohingegen Busfahrer ganzen Gruppen ausgesetzt seien. «Ein Einzelner weiss sich besser zu benehmen», ist sich Wunderli sicher.

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