Raum Zürich

Beliebt und gettoisiert: Nicht allen Plattenbauten geht es gut

Luftbild: Übersicht von Süden über die Überbauung Webermühle, die Limmat und den Wettinger Bahnhof.zvg

Luftbild: Übersicht von Süden über die Überbauung Webermühle, die Limmat und den Wettinger Bahnhof.zvg

Die Plattenbausiedlungen in der Region entwickeln sich trotz Sanierungen ganz unterschiedlich.

Die Webermühle ist eine von rund einem Dutzend Plattenbausiedlungen, die in den 70er-Jahren im Raum Zürich in den Himmel geschossen sind. Sie wurden alle in den letzten Jahren saniert. Errichtet von der Ernst Göhner AG, hätte die Webermühle ursprünglich mit eigenem Schulhaus, Schwimmbad und Ladenlokalen ausgestattet werden sollen, fast wie eine kleine Stadt. Realisiert wurden hingegen nur ein kleiner Quartierladen und eine Kindergartenabteilung.

Zwiespältiger Ruf

Die Webermühle genoss in den letzten Jahren in der Region Baden einen zwiespältigen Ruf. Ganz anders die Plattenbausiedlung in Benglen bei Zürich. Die «Gartenstadt», wie die Siedlung auch genannt wird, sei beliebt und wirkte sehr gepflegt, berichtet Fabian Furter, Historiker und Co-Autor des Buches «Göhner Wohnen».

Im neulich erschienenen Buch werden die Göhner-Siedlungen im Raum Zürich – allesamt Plattenbauten – unter die Lupe genommen. Weniger beliebt sei die Grosssiedlung Sonnhalde in Adlikon bei Regensdorf. Sie befände sich in einem «schlechten Zustand», berichtet Furter. Eine «Gettoisierung» sei zudem in Genf zu beobachten, wo die Ausnutzungsziffer des Grundstückes äusserst hoch ist.

Standort ist entscheidend

Doch was macht es aus, ob eine Siedlung belebt und einladend wirkt? Woran entscheidet sich, ob die Menschen gerne dorthin ziehen oder eine Siedlung eher meiden? «Die Webermühle hat eine sehr hohe Ausnutzungsziffer», sagt Furter. Eine dichte Bebauung wirke sich tendenziell negativ aufs Quartier aus. «Zudem ist der Standort der Siedlung sehr entscheidend», fügt Furter hinzu.

In der beliebten Wohnsiedlung in Benglen gehört ein Grossteil der Wohnungen privaten Eigentümern. Dass sich der hohe Anteil an Stockwerkeigentümern positiv auf die Dynamik in einem Quartier auswirkt, ist naheliegend. Die Webermühle gehört als Ganzes einem Immobilienfonds der Credit Suisse und wird von der Wincasa verwaltet. Furter: «Schlussendlich ist es eine Summe von Aspekten, die eine Siedlung attraktiv und lebendig wirken lassen.»

Ob die Totalsanierung der Webermühle dazu ausreicht, ihre Attraktivität zu steigern, wird sich zeigen. Eine Neumieterin, die im März eingezogen ist, spüre vom «schlechten Ruf» der Webermühle nichts: «Es leben viele Ausländer hier, aber die sind alle total anständig. Im Sommer sitzen die Leute draussen, Lärm gibt es kaum, es sind keine komischen Leute unterwegs. Es ist ruhig, friedlich und ordentlich hier.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1