Es war ein überraschendes Bild, das die Passanten in der Badener Bahnhofunterführung am Mittwochnachmittag zu sehen bekamen: Der bekannte Strassenmusiker Frank Powers sitzt am Boden zwischen den Aufgängen zu Gleis 1 und 2/3, bewacht von zwei Sicherheitskräften der Securitas. Weil Powers in den vergangenen Wochen immer wieder von den Securitas aus der SBB-Unterführung weggewiesen wurde, hat er am Mittwochnachmittag eine kleine Protestaktion an seinem Stammplatz durchgeführt.

Frank Powers – «Mars» - Live in Basel

Frank Powers – «Mars» - Live in Basel

Statt live zu singen, liess er seine Musik aus einer kleinen Box erklingen und wollte auf diese Weise Geld sammeln. Vor ihm lag ein A4-Blatt am Boden, mit den Zeilen: «Meine Band Frank Powers hat ein Album aufgenommen. Die Produktion kostete uns 35'000 Franken. Es wurde mir verboten, hier live zu spielen, alors ...». Erneut wiesen ihn zwei Securitas weg, doch weil er nicht gehorchte, hat er nun eine Anzeige kassiert. Erst als die Stadtpolizei kam, die von der Securitas gerufen worden war, packte Powers seine Sachen und ging.

Musizieren und Betteln verboten

Eigentlich wüsste Strassenmusiker Frank Powers es ja ganz genau: Das Bahnhofsreglement verbietet es, auf SBB-Areal zu musizieren oder zu betteln. Wer aber regelmässig die Unterführung in Baden durchquert, trifft mehrmals pro Woche verschiedenste Strassenmusiker an. Darunter eben auch Frank Powers alias Dino Brandao, der inzwischen quasi zur «Voice of Baden» geworden ist. Der Singer und Songwriter spielt aber nicht nur auf der Strasse, sondern tritt mit seinem Quintett mittlerweile schweizweit fast jede Woche auf. 2015 ist er sogar neben den internationalen Musikgrössen am Singer-Songwriter-Festival Zermatt Unplugged und am Gurtenfestival aufgetreten.

Frank Powers: Der Strassenmusiker von Baden

Frank Powers: Der Strassenmusiker von Baden

Frank Powers kommt zwar aus Brugg, spielt aber immer in der Bahnhofsunterführung in Baden. 

«Mir ist klar, dass man in der Unterführung nicht musizieren dürfte», sagte er noch vor Ort. Aber die allermeisten Leute hätten eigentlich Freude an der Musik und er sei auf das Geld angewiesen, unter anderem für weitere Albumproduktionen. «Es müsste doch möglich sein, im Bahnhofsareal einen Platz von zwei, drei Quadratmetern zu definieren, wo Strassenmusiker und -Künstler auftreten dürfen.»

Auf städtischem Grund sei das nämlich eher mühsam. Laut Reglement darf hier ein Musiker einmal im Monat für einen halben Tag musizieren. Die Bewilligung kostet zwischen 10 und 15 Franken, wobei pro Halbtag maximal eine Bewilligung ausgestellt wird.

Frank Powers singt den Bluessong "I Wanna" in der Unterführung

Frank Powers singt den Bluessong "I Wanna" in der Unterführung



«Mit meiner Aktion wollte ich niemanden verärgern, sondern darauf aufmerksam machen, dass Strassenmusiker auf ihren Verdienst angewiesen sind und die meisten von ihnen den Leuten eine Freude machen wollen», erklärte er, noch während er den Passanten Wassermelonen-Stücke anbot. Dass er dabei eine Anzeige kassiert habe, sei schade aber er akzeptiere das. In Baden wird man Powers wohl nur noch auf der Bühne hören. «Für die Strassenmusik suche ich mir ein neues Städtchen und verabschiede mich aus der Unterführung mit einem ‹Danke 1000› an all die unterstützenden Badener.»

Anzeige trotz erfreulicher Sache

Reto Schärli, Mediensprecher der SBB bestätigt auf Anfrage: «Die Sicherheitsleute haben den Strassenmusiker verzeigt, weil er ihren Anordnungen nicht folgte, das Musizieren in der Bahnhofunterführung zu unterlassen.» Die Verzeigung gehe an die zuständigen Behörden, die über das weitere Verfahren entscheiden.

Frank Powers singt "a flock of good folk" mit seiner Ukulele

Frank Powers singt "a flock of good folk" mit seiner Ukulele

Für viele Passanten sei Strassenmusik eine erfreuliche Sache: «Und dieser Musiker kommt in Baden offenbar sehr gut an.» Genau das könne aber zum Problem werden, sagt Schärli: «Auch aus Sicherheitsgründen müssen Reisende die Unterführungen ungehindert passieren können. Wenn sich nun um einen Strassenmusiker eine Menschentraube bildet, wird der Durchgang erschwert.» Die SBB behandelten alle gleich. Die Bahnhofregeln würden von den Sicherheitsleuten grundsätzlich mit Augenmass umgesetzt. Aber wenn sich jemand weigere, sei eine Verzeigung wie in diesem Fall möglich.

Doch warum hören Passanten so oft Musiker in der Bahnhofunterführung spielen, wenn es doch verboten ist? «Die Mitarbeiter der Securitas sind natürlich nicht ständig am selben Platz präsent», sagt Schärli. Daher könne ein Strassenmusiker auch mal unbehelligt bleiben.