Würenlos
Bereits die sechste Generation der Meiers wirtet im «Rössli»

Sie hat die neuen Ideen und er die Erfahrung: Die 27-jährige Stephanie Meier steht im Würenloser «Rössli» neu zusammen mit ihrem 68-jährigen Vater Peter Meier in der Küche.

Fabienne Eichelberger
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5. und 6. Generation an einem Tisch: Lucia und Peter Meier mit Tochter Stephanie (rechts).

5. und 6. Generation an einem Tisch: Lucia und Peter Meier mit Tochter Stephanie (rechts).

Alex Spichale

Tradition mit einer Prise Moderne - so lautet das Motto des Landgasthofs Rössli in Würenlos. Seit 150 Jahren führt die Wirte-Dynastie Meier das geschichtsträchtige Restaurant, das auf die bürgerliche Küche spezialisiert ist. Für die Prise Moderne sorgt nun Stephanie Meier, die 27-jährige Tochter von Lucia (59) und Peter Meier (68). Mit ihr steht die sechste Generation der Familie Meier in der Küche. Die Gaststätte wurde vor 720 Jahren erstmals erwähnt.

«Rössli» wurde erstmals vor 720 Jahren erwähnt

Seit jeher nahm das «Rössli» im Dorf eine Sonderstellung ein, schrieb der inzwischen verstorbene Hans Ehrsam 1990 in den Würenloser Blättern. Der Gasthof Rössli soll 1293 als «hospite de Wirkollos» mit einem Wirt namens Konrad erstmals in einer Urkunde erwähnt worden sein. Um 1360 erscheint in einem habsburgischen Lehensverzeichnis eine «Tavern von Wurchenlos».

Im damaligen Tavernenrecht war festgehalten, dass der Wirt jederzeit Schlafstellen, Speis und Trank sowie eine Pferdeunterkunft bereitzuhalten habe. Dafür erhielt er das Recht, Brot und Fleisch zu verkaufen. Von 1559 bis 1774 blieben die Tavernenrechte im Besitz eines Zweiges der katholischen Familie Ernst. Die heutige, äussere Ansicht des «Rösslis» geht weitgehend darauf zurück.

Ab Ende des 16. Jahrhunderts wurden die Gemeindeversammlungen im «Rössli «abgehalten. 1774 erwarb ein «auswärtiger» Martin Daubenmayer das Wirtshaus Rössli.

Nach zahlreichen Wechseln ging es 1857 bei einer Versteigerung für 13'461 Franken an die Gemeinde über. Kurz danach erstand Balthasar Weber von Spreitenbach die Taverne. 1863 erwarb Rudolf Meier, alt Gemeindeammann aus Regensdorf, die Liegenschaft für 38 500 Franken von Heinrich Markwalder und begründete damit die Meier-Dynastie auf dem «Rössli». (dm)

«Ich bringe neuen Schwung ins Restaurant», sagt Stephanie Meier. Seit sie im «Rössli» arbeitet, hat die Absolventin der Hotelfachschule verschiedene neue Menüs kreiert und die Karte sowie den Internet-Auftritt des Gasthofs optisch aufgefrischt. Zudem hat die Familie Meier die Gaststube mit rund 20 Plätzen umgestaltet: Die weissen Tischtücher wurden ersetzt, dafür verleihen rustikale Holztische dem Raum eine heimelige Atmosphäre. Schieferplatten dienen als Unterlage für die Teller. Das Angebot in der Gaststube ist kleiner und günstiger als im Restaurant. «Mit der Gaststube wollen wir auch das junge Publikum ansprechen», sagt Lucia Meier, die sich um die Betreuung der Gäste kümmert. Die Leute sollen sich wohlfühlen und sich nicht vom Image des Gourmet-Tempels abschrecken lassen - «zu uns kann man nämlich auch gerne in Jeans kommen», sagt Stephanie Meier.

Obwohl das «Rössli» nun einen moderneren Anstrich erhalten hat, setzt man auch in Zukunft auf Bewährtes und rennt nicht jedem Trend hinterher. «Bei uns hat die Qualität erste Priorität», sagt Stephanie Meier. «Schickimicki» passe nicht in ihre Philosophie, ergänzt Peter Meier, der das «Rössli» 1986 von seinem Vater übernommen hat und nun seine Erfahrung und das Fachwissen an die Tochter weitergibt.

Im Gegensatz zu Peter Meier war es für Stephanie nicht selbstverständlich, dass sie einst im «Rössli» arbeiten wird. «Vor allem wollte ich nie in der Küche stehen - ich sah mich eher im Event- oder Personalbereich.» Während der ältere Bruder Philippe in der Kindheit mit Abwaschen sein Sackgeld aufgebessert hat, war Stephanie immer gerne bei den Gästen. «Schon als sie ganz klein war, hat sie im Service mitgeholfen und den Gästen etwa das Brotkörbchen gebracht», erinnert sich Lucia Meier.

Jetzt habe sie aber die Leidenschaft fürs Kochen so richtig gepackt. Und auch die Zusammenarbeit von Vater und Tochter funktioniert: «Im Stress verstehen wir uns auch ohne Worte», sagt Peter Meier. Und auch Stephanie findet, dass sie und ihr Vater sich in der Küche gut ergänzen: «Ich habe neue Ideen und mein Vater die Erfahrung.»
Von einer Übernahme möchte Stephanie nicht sprechen: «Das wäre noch viel zu früh.» Im Moment mache es einfach Spass, das «Rössli» als Zwei-Generationen-Betrieb zu führen.