Enge Gassen, umsäumt von fensterlosen Blechbaracken. Das ist das Township Soweto in der Agglomeration der südafrikanischen Metropole Johannesburg. Fliessendes Wasser, sanitäre Anlagen oder Elektrizität sind nur selten vorhanden.

Genau hier setzt die Bergdietikerin Ladina Hostettler von der Initiative «Liter of Light Switzerland» an. Sie will das Leben der Township-Bewohner verbessern. Dies machen die Mitglieder – allesamt Studenten der Universität St. Gallen – mit einer ebenso innovativen wie simplen Idee.

Hilfe zur Selbsthilfe

Das Prinzip von «Liter of Light» könnte man vereinfacht als Hilfe zur Selbsthilfe bezeichnen. Das Grundproblem: In die Baracken dringt tagsüber nur wenig Licht, die Bewohner leben in Dunkelheit. Elektrische Glühbirnen können kaum installiert werden, weil der Strom entweder fehlt oder sehr kostspielig ist. Um diesem Problem Abhilfe zu schaffen, wurde die Plastikflaschen-Glühbirne entwickelt.

Dabei wird eine normale 1,5-Liter-PET-Flasche mit Wasser und Bleichmittel – dies verhindert die Algenbildung – gefüllt. Anschliessend bringt man sie in einem passenden Loch im Blechdach an, Klebstoff dichtet die Kanten ab. «Durch die Brechung des Lichtes im Wasser kann die Plastikflasche die Stärke einer 55-Watt-Glühbirne erreichen», erklärt Hostettler, die bereits einmal eine solche Lampe gebaut hat.

Doch die Aufgabe der Schweizer Studenten besteht nicht nur in der Installation dieser Vorrichtung. Vielmehr stehen sie in Kontakt mit regierungsunabhängigen Organisationen (NGOs), Botschaften und anderen Organisationen vor Ort, welche sich für die Methode der PET-Glühbirne interessieren könnten. Am Donnerstag flog Hostettler mit zwei Kommilitonen nach Südafrika. Dort werden sie gemeinsam mit der Organisation Corc, die sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Slumbewohnern einsetzt, erste Installationen anbringen sowie eine lokale Organisation zur Verbreitung des Glühbirnen-Prinzips gründen.

Mit ihrer Initiative rennen die 20 Mitglieder von «Liter of Light Switzerland» offene Türen ein. «Weil sich die Technik, die wir verbreiten wollen, gut mit anderen Förderungsprojekten verbinden lässt, sind viele lokale NGOs an einer Zusammenarbeit interessiert», erklärt die 22-jährige Hostettler.

Nach der Gründung einer Organisation vor Ort gilt es Mitglieder zu rekrutieren, welche die Township-Bewohner mit dem nötigen Know-how versorgen. Die Menschen in den Armutsvierteln sollen die Plastikflaschen dereinst selber bauen und installieren – alles, was sie dazu brauchen, finden sie in der Umgebung. «Nachdem wir das Land verlassen haben, soll alles selbstständig funktionieren. Die Technik soll sich auf andere Townships in der Region übertragen», so Hostettler.

(Quelle: Youtube/playwiththejunglegym)

Liter of Light

Durchführung kostet wenig Geld

Hostettler stiess im vergangenen Oktober zu «Liter of Light Switzerland». «Die Einfachheit und die grosse Wirkung der Idee faszinieren mich am meisten», so die Studentin der internationalen Beziehungen. Negative Reaktionen hört sie selten. Einzig von Leuten, die prinzipiell Gegner von Entwicklungshilfe seien, kämen manchmal kritische Töne. «Wenn man diesen aufzeigt, wie wenig Geld für die Durchführung eines Projekts notwendig ist und ihnen den Ansatz der Hilfe zur Selbsthilfe erklärt, verstummen diese Stimmen jedoch meistens», so Hostettler. Trotzdem sei man natürlich froh über jede Spende, fügt sie an. Sie muss es wissen, in der Organisation ist die Bergdietikerin für das Fundraising zuständig.

Doch was machen die Menschen in der Nacht, wenn die Sonne kein Licht durch die Flasche dringen lässt? Denn die Beleuchtung mit Kerzen berge ebenfalls grosse Gefahren für die dicht besiedelten Townships, gibt Hostettler zu bedenken. «Deshalb arbeiten wir zurzeit an einer Lösung für die Nacht. Handliche Sonnenkollektoren sollen Energie speichern.» Sie seien sehr einfach herzustellen. Das einzige Problem: die Materialien. In den betroffenen Regionen ist die Beschaffung dieser Ressourcen beschwerlich, so Hostettler.