Mägenwil
Bergungsteam richtet 40-Tönner wieder auf: «Mit Hauruckmethoden geht das nicht»

Ein Video zeigt, wie Pannenhelfer einen umgekippten Lastwagen in einem Kreisel wieder auf die Räder bringen - und löst zahlreiche Reaktionen aus. Nun erzählt der Chef des Bergungsteams, wie das Kunststück gelang.

Philipp Zimmermann
Drucken
Teilen

Ein mit Zement beladener Lastwagen kippte am Freitagnachmittag im Kreisel bei der Autobahnausführ Mägenwil auf die Seite (wir berichteten). Ein Video von der Bergungsaktion ging am Samstag auf der Facebook-Seite der Aargauer Zeitung viral, wurde hunderte Mal gelikt und geteilt. Es zeigt, wie der 40-Tönner in weniger als einer Minute wieder auf die Räder gestellt wird.

Dafür verantwortlich war der Abschleppdienst der J. Senn AG mit Hauptsitz in Döttingen AG. Wie Inhaber Josef Senn erzählt, brauchte das allerdings viel Vorbereitungsarbeit, Material und Erfahrung. «Mit Hauruckmethoden geht das nicht.»

Senn ist seit Jahren im Geschäft. «Wir haben jedes Jahr mehrere solcher Einsätze.» Bei einem solchen Einsatz werde der Lastwagentank normalerweise geleert, weil das Wiederaufrichten des Fahrzeugs mit weniger Gewicht leichter ist. In diesem Fall war das nicht möglich: Der Lastwagen war beim Unfall auf eine Leitplanke gefallen. Dabei riss der Tank auf, etwas Zement geriet aus dem Tank auf ein angrenzendes Bahnbord.

Wegen des grossen Gewichts verwendete das Bergungsteam gleich drei der blauen Abfangkissen, dank denen 40-Tönner "schön sanft wieder runterkommt", wie Senn das bezeichnet. Die Kissen verhindern, dass der Lastwagen beim Aufstellen auf die andere Seite kippt. Normalerweise würden zwei reichen.

Das Bergungsteam hat beim Aufstellen drei Fahrzeuge verwendet, darunter ein spezielles, sprich einen sogenannten Rotator, eine Art Mischung aus einem Kran und einem herkömmlichen Abschleppwagen, wie Senn ausführt. Der Rotator hat - wie ein Autokran - einen drehbaren Turm und kann ein Fahrzeug zugleich ziehen und hochheben.

Zweieinhalb Stunden dauerte die Bergungsaktion des fünfköpfigen Teams inklusive der Vorbereitungsarbeiten. "Wir waren vor drei bis vier Jahren die ersten in der Schweiz mit dieser Methode", erzählt Senn. Mittlerweile verwenden sie aber auch andere Abschleppdienste.

Dieser Lastwagen kippt am Freitagnachmittag im Kreisel bei der Autobahnausfahrt Mägenwil AG um.
7 Bilder
Verletzt wird niemand - der Chauffeur kann sich durch ein Dachfenster des Lastwagens retten.
Der Lastwagentank wird aufgerissen. Der Lastwagen hat Beton geladen. Dieser gelangt auf das angrenzende Bahnbord.
Der aufgebotene Pannendienst kann den Beton nicht entladen.
Deshalb muss der Lastwagen samt Ladung wieder aufgestellt werden.
Das dauert...
... zweieinhalb Stunden. Dann kann der Kreisel auch wieder freigegeben werden. Der Schaden dagegen ist enorm: Er liegt bei zirka 250'000 Franken.

Dieser Lastwagen kippt am Freitagnachmittag im Kreisel bei der Autobahnausfahrt Mägenwil AG um.

Peter Rippstein/TeleM1

Aktuelle Nachrichten