Gut zwei Jahre ist es her, dass der Badener Stadtrat die Baubewilligung für den Aus- und Umbau des Kurtheaters erteilte. Doch bis die Bagger auffahren, wird es mindestens noch ein Jahr dauern. Erst zwei Anwohner, jetzt noch einer ist mit den Plänen der Theaterstiftung Baden Wettingen nicht einverstanden; er stört sich insbesondere an der geplanten Hinterbühne. Zuletzt hatte das Aargauer Verwaltungsgericht Anfang April die Beschwerde von Anwohner Lieni Fueter abgewiesen. Am Mittwoch lief die Frist für einen Weiterzug ans Bundesgericht ab.

Prompt teilte Fueter dem «Badener Tagblatt» gestern Morgen mit, er sei ans Bundesgericht gelangt. «Die widersprüchliche Argumentation des Verwaltungsgerichts im Zusammenhang mit der unbestrittenermassen zu hohen Gebäudehöhe hat mich bewogen, das Bundesgericht anzurufen.» So habe das Verwaltungsgericht zwar festgehalten, die geplante Höhe des Anbaus von 22,6 Metern sei «klar zu hoch», dann aber trotzdem erwogen, es gebe öffentliche Interessen, die für die Zulassung der Gebäudehöhe sprechen würden. «Das Gericht verstrickt sich aber noch bei weiteren Punkten in Widersprüche», so Fueter.

So seien die betrieblichen Optimierungen zwar von erheblichem öffentlichem Interesse, obwohl gleichzeitig festgehalten werde, die umstrittene Probebühne sei «nicht ultimativ betrieblich notwendig». Fueter betont, dass er sich nicht gegen eine nötige Erweiterung und Sanierung des Kurtheaters zur Wehr setze. «Es geht mir alleine darum, dass verbindlich festgehalten wird, ob die geplante Höhe für eine Probebühne von 22,60 Metern zulässig ist oder nicht und ob diese tatsächlich von so grossem öffentlichem Interesse ist, dass damit meine Liegenschaft abgestraft werden kann.» Er schätze seine Chance vor Bundesgericht zwar als klein ein, aber diese kleine Chance wolle er nutzen. «Mein Demokratieverständnis leidet arg unter dem Umstand, dass im vorliegenden Fall die Exekutive quasi als Gesetzgeber festlegt, welche Gebäudehöhe zulässig ist.»

Bundesgericht prüft nur Willkür

«Ich bin von Lieni Fueter persönlich am Dienstagabend vorinformiert worden», sagt Antonia Stutz, Präsidentin der Theaterstiftung Baden Wettingen. Fueter habe ihr gegenüber signalisiert, dass er bei einem Verzicht auf den Proberaum zu einem Kompromiss bereit wäre. «Die Theaterstiftung ist dem Beschwerdeführer im Vorentscheidverfahren aber so weit entgegengekommen, wie es aus betrieblicher Sicht möglich war. Mehr liegt nicht drin», so Stutz. Natürlich bedaure sie den Entscheid von Lieni Fueter. «Seine Liegenschaft ist durch den Schattenwurf vom Ausbau zwar betroffen. Aber nach unserer Auffassung ist dieser Schattenwurf nicht übermässig und geht nicht über das hinaus, was Anwohner im Innenstadtbereich hinnehmen müssen, wenn ein Nachbar baut.»

Stutz, die selber als Anwältin tätig ist, ist überzeugt, dass auch das Bundesgericht die Beschwerde abweisen wird. «Da der Entscheid des Verwaltungsgerichts einzig auf kommunales und kantonales Recht abstellt, wird sich eine allfällige Prüfung des Bundesgerichts darauf beschränken, ob das Verwaltungsgericht dieses Recht willkürlich angewendet hat oder nicht.» Nach ihrer Einschätzung sei dies klar nicht der Fall. Stutz geht davon aus, dass in rund sechs Monaten mit einem Entscheid aus Lausanne zu rechnen ist. Das bedeute wiederum, dass die Stiftung an ihrem aktuellen Fahrplan festhalten kann.

Dieser sieht vor, im Sommer 2017, spätestens aber im März 2018, mit den archäologischen Grabungen und den daran anschliessenden Um- und Erweiterungsarbeiten zu beginnen. Die Arbeiten inklusive archäologische Grabungen sollen rund 21 Monate dauern. Stutz: «Wir hoffen, unserem Publikum im Verlauf von 2019, spätestens aber Anfang 2020, das neue Kurtheater präsentieren zu können.» Um dieses Ziel zu erreichen, sollen in den nächsten Monaten das Projektteam raufgefahren und alle nötigen Vorarbeiten in Angriff genommen werden. Stutz: «Wir hoffen, dass wir in rund einem Jahr mit den Bauarbeiten beginnen können; jetzt heisst es volle Kraft voraus.»