Der Einwohnerrat wird die Abrechnungen in seiner heutigen Sitzung zwar absegnen, erfreut über diese ist er aber nicht. In beiden Fällen wurden die bewilligten Kredite überschritten.

Für Ärger sorgt insbesondere der Umbau im Rathaus. Er war für knapp 1,4 Millionen Franken bewilligt, zu Buche schlägt er nun mit 1,7 Millionen Franken und damit einer Kostenüberschreitung von «satten» und «bedenklichen» 23,2 Prozent, kommentieren CVP und SVP in ihren Fraktionsberichten. Für einmal sind sich Linke und Bürgerliche einig: Die Kostenkontrolle war «lasch» und «mangelhaft», so FDP und SP.

«Die Kosten sind aus dem Ruder gelaufen», bringt Andreas Benz von der CVP den Parteientenor auf den Punkt. Die CVP sei enttäuscht, sagt er. «Offenbar hat man nicht gemerkt, dass man nicht mehr im Budget liegt.» Für die Einwohnerräte seien solche Kreditabrechnungen insbesondere ärgerlich, weil man nichts mehr tun könne, wenn die Rechnung zur Genehmigung auf dem Tisch liege.

Die Finanzkommission (Fiko) hat die Abrechnungen in ihrer Sitzung eingehend diskutiert. Fiko-Präsident Christian Wassmer erklärt: «Die Verantwortlichen sind bis kurz vor Fertigstellung des Umbaus Gemeindebüro und des Baus des Kindergartens Langäcker davon ausgegangen, dass die bewilligten Kredite eingehalten werden.»

Dabei seien die Kosten der Arbeiten und Regie-rapporte zuwenig kontrolliert worden. So sei man quasi blindlings ins Verderben gelaufen. «Zwar lag die Kostenkontrolle in beiden Fällen beim Architekten, der dafür bezahlt wurde. Doch letztlich ist die Bauverwaltung und der zuständige Gemeinderat in der Pflicht, die Kosten gemäss bewilligtem Kredit nicht zu überschreiten», sagt Wassmer.

Alain Burger, Fraktionspräsident SP/Wettigrüen, kritisiert zwar die überschrittenen Kredite, relativiert aber: «Wir stellen das Controlling nicht generell infrage.» Denn die Kredite würden oft unter- statt überschritten. Die 23,2 Prozent beim Rathaus seien aber doch sehr happig: «Gerade in Zeiten, in denen die Ressourcen knapper werden, muss man deshalb aus Fehlern lernen.»

Die SVP fordert, dass zusätzliche Wünsche und Bestellungen kritischer geprüft werden. «Man kann doch nicht einfach nach Gutdünken bauen», sagt Fraktionspräsident Daniel Frautschi. «Projektleiter sollten wissen, dass Nachträge oder zusätzliche Wünsche seitens des Kunden an die jeweilige Firma weitergeleitet werden müssen, damit diese anschliessend eine Nachtragsofferte unterbreiten kann. So ist der Ablauf transparent und nachvollziehbar.» Die Partei werde eine solche Vorgehensweise nicht mehr tolerieren. Die CVP verlangt «wenn möglich» künftig eine konsequente Einhaltung der gesprochenen Kredite.

Zweite Kontrolle prüfenswert

Gemeinderat und Bauvorsteher Daniel Huser (SVP), kann die Kritik verstehen. «Auch der Gemeinderat wurde von den Mehrkosten der beiden Projekte überrascht.» Die Kosten seien im Fall des Rathauses gemäss Finanzkontrolle des Architekten selbst drei Monate vor Eröffnung im Kreditrahmen gewesen. «Während der Bauarbeiten stellten wir zwar fest, dass die Bausubstanz in schlechterem Zustand ist, als angenommen.» Zudem habe der vom Einwohnerrat vorgeschlagene, kundenfreundlichere Schalterbereich einen Rattenschwanz von Anpassungen nach sich gezogen: «Wir gingen aber davon aus, dass der Kredit nicht überschritten wird, zumal vom Architekten keine derartige Rückmeldung kam». Die Kostenüberschreitung von 23,2 Prozent habe sich erst bei Erhalt der Rechnungen abgezeichnet. Huser nimmt den Architekten, der auch für die Kostenkontrolle zuständig war, in Schutz. «Wir haben mit ihm sehr gute Erfahrungen gemacht und konnten uns immer auf ihn verlassen.» Insbesondere der Fall «Rathaus» zeige aber, «dass bei solchen Projekten der Einsatz eines zweiten Finanzkontrolleurs prüfenswert ist.» Dies sei aber eine Frage der personellen Ressourcen.