Baden

Bestatter in Zeiten von Corona: «Wir ziehen den Verstorbenen eine Schutzmaske an»

Sandro Güntert 2017 im Hygieneraum des Bestattungsinstituts. (Archivbild)

Sandro Güntert 2017 im Hygieneraum des Bestattungsinstituts. (Archivbild)

Ob das Coronavirus auch von Verstorbenen übertragen werden kann, ist nicht sicher. Sandro Güntert von den «Badener Bestattungen» erzählt von den speziellen Schutzmassnahmen und emotionalen Abschieden.

Herr Güntert, wie hat sich Ihre Arbeit als Bestatter wegen des Coronavirus verändert?

Sandro Güntert: Natürlich sind wir sehr behutsam und vorsichtig, wenn wir mit Verstorbenen zu tun haben, die an Covid-19 erkrankt waren. Für uns hat sich die Arbeit aber nicht markant verändert. Die Hygienemassnahmen waren schon vor Corona sehr hoch in unserem Bestattungshaus. Wir sind darauf bedacht, uns auf keinen Fall anzustecken. Dies, weil viele der Angehörigen, die wir täglich sehen, aufgrund ihres Alters der Risikogruppe angehören. Wir wollen sie auf keinen Fall in Gefahr bringen.

Kann das Coronavirus von verstorbenen Menschen überhaupt noch übertragen werden?

An dieser Frage scheiden sich die Geister, und die Erfahrungswerte sind einfach noch gering. Das Virus verbreitet sich bekanntlich via Tröpfchen, also etwa beim Husten oder Niesen. Und Verstorbene atmen nicht mehr. In unserem Berufsalltag kann es aber vorkommen, dass beim Einbetten der Verstorbenen eine Ausatmung passiert, also dass die restliche Luft aus der Lunge entweicht. Darum ziehen wir auch den Verstorbenen eine Schutzmaske an, bevor wir sie umbetten. Die grösste Gefahr, uns anzustecken, geht aber wohl von den Flächen aus, mit denen der Verstorbene in Kontakt war.

Mit wie vielen Coronafällen hatten Sie schon zu tun?

Mit ungefähr zehn.

Wie sieht Ihre Arbeit aus, wenn Sie zu einem Verstorbenen gerufen werden, der an Covid-19 litt?

Wir betreten den Raum, in dem er oder sie liegt, in Schutzanzug, mit Schutzbrille, Hygienemasken und ziehen zwei Paar Handschuhe an. An sich ist das nichts Ungewöhnliches und nicht anders, als wenn ein Verstorbener an einer Infektionskrankheit litt. Der zeitliche Aufwand ist bei infektiösen Verstorbenen aufgrund der Schutzmassnahmen aber höher als üblich.

Sandro Güntert: "Wir haben einen Extra-Aufbahrungsraum gestaltet, in dem sich die Familie hinter einer Plexiglasscheibe von ihrem Verstorbenen verabschieden kann." (Archivbild)

Sandro Güntert: "Wir haben einen Extra-Aufbahrungsraum gestaltet, in dem sich die Familie hinter einer Plexiglasscheibe von ihrem Verstorbenen verabschieden kann." (Archivbild)

    

Dürfen Angehörige die Verstorbenen noch einmal sehen?

In unserem Bestattungsinstitut schon, und ich finde das enorm wichtig. Natürlich möchten wir auch hier Angehörige keiner Gefahr aussetzen. Darum haben wir einen Extra-Aufbahrungsraum gestaltet, in dem sich die Familie hinter einer Plexiglasscheibe von ihrem Verstorbenen verabschieden kann. Dieser Raum wird nach jeder Aufbahrung gereinigt und desinfiziert. Die Dankbarkeit der Angehörigen, auf diese Weise doch noch Abschied nehmen zu können, ist teils enorm gross.

In diesem Zusammenhang habe ich emotionale Momente erlebt. Sie müssen sich vorstellen: In vielen Spitälern durften die Angehörigen keinen Abschied von den Erkrankten nehmen. Die Einsamkeit ist für beide Seiten belastend, für die Erkrankten und auch für Angehörige. Darum kommt es auch vermehrt zu längeren Gesprächen.

Der Bestatter als Seelsorger?

Das sind wir immer bis zu einem gewissen Grad, aber im Moment besonders. Und es tut gut, den Angehörigen auch auf diese Weise helfen zu können.

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