Frühmorgens weht noch ein angenehmes Lüftchen auf der Terrasse zu Hause bei der Familie Frunz in Nussbaumen. «In diesem Haus bin ich in einer Grossfamilie aufgewachsen. Im Erdgeschoss befanden sich die Garagen. Seit dem Umbau sind unten Büros und oben Wohnungen», erzählt Eugen Frunz. Mit seiner Entsorgungsfirma musste er leider aus Platzgründen nach Gebenstorf ausweichen.

Der Bogen zur Politik beim Morgenkaffee ist somit geschlagen. Raumplanung und Energie waren die Spezialgebiete von Frunz während seiner gut 18 Jahre im Grossrat. «Ich staune über diejenigen Grossratsmitglieder, die das Gefühl haben, in jedem Sachgebiet mitreden zu können», so Frunz. Er selber schlug nie grosse Töne an. «In den Kommissionen konnte ich manchmal hart im Nehmen sein», fügt er schmunzelnd an. Bei Grossratskollegen geniesst Frunz einiges Ansehen. Geschätzt wurde seine offene Art, Sachpolitik zu betreiben. «Personenangriffe finde ich unnötig», sagt Frunz. So unnötig er es selber erachtete, an jedem Promi-Apéro den Kopf zu zeigen.

Bestgewählter Aargauer Grossrat

Eugen Frunz war bei den letzten Wahlen der bestgewählte Grossrat im Kanton Aargau, noch vor dem Wettinger Gemeindeammann Markus Dieth. «Als SVP-Grossrat im grössten Bezirk des Kantons ist das kein Kunststück», relativiert er seinen Erfolg, für den er aber auch einen Grund vermutet: «Ich habe als Volksvertreter
immer gut den Leuten in der Bevölkerung zugehört. Wer das nicht macht, weiss nicht, was er als Politiker tun soll.» Frunz sorgt sich heute allerdings um die Qualität in der Politik: «Gerade im Grossen Rat hat es zwar viele, gut ausgebildete junge Leute. Aber es mangelt ihnen an Wissen und Erfahrung, wie an der Basis politisiert wird.» Es brauche keine strammen Parteisoldaten, aber mehr «gesunden Menschenverstand».

Als Einwohnerrat und acht Jahre lang als Gemeinderat habe er bereits gewusst, wo dem Volk der Schuh drücke, und wie sich Entscheide auf kommunaler Ebene auswirken würden. Als Feuerwehrkommandant habe er gelernt, wie man eine Lage beurteilt und dann richtig entscheidet. Er habe in der Politik vor allem die Möglichkeit geschätzt, den Lebensraum mitgestalten zu können. Spannend sei es in den Kommissionen, wo die Grundlagenarbeit gemacht werde. «Eine vernünftige Entwicklung liegt mir am Herzen, auch als Unternehmer», sagt Frunz. «Die Raumentwicklung erfordert aber innovatives Denken. Arbeiten und Wohnen müssen wieder zusammengeführt werden», so sein Credo. «Es braucht gemischte Gewerbe-Wohn-Zonen gegen die Zersiedelung.

Frunz ist zwar kein Anhänger der blocherschen SVP-Politik. Doch auch er wünschte der Schweiz, dass sie sich in einem gesunden Mass entwickeln würde, sodass das Wachstum auch verarbeitet werden könne. Darum mache er ein grosses Fragezeichen hinter die Energiepolitik und den Atomausstieg beziehungsweise das Verbot einer Technologie durch den Bund. Auch die Mobilität sei mit der gegenwärtigen «Pflästerlipolitik» unlösbar: «Wenn wir nur reagieren statt proaktiv handeln, sind wir stets zu spät», kritisiert Frunz. Er selber forderte im Jahr 2009 den Lägerntunnel. Frunz: «Das wäre die Lösung. Es müsste das Ziel sein, die verschiedenen Talschaften zu verbinden, damit die Klus von Baden umfahren werden kann. Am Schulhausplatz allein lässt sich das Problem nicht lösen», ist Frunz überzeugt.

Der Lägerntunnel blieb sein einziger spektakulärer Vorstoss, auch wenn er sich in vielen Bereichen engagierte, so etwa für das neue Spielautomatengesetz. Viele Anliegen habe er im direkten Kontakt mit den kantonalen Verwaltungsstellen geklärt und erledigt, ohne persönliche Vorstösse zu generieren. Dann und wann sei er etwas frustriert von Aarau nach Hause gekommen, doch blicke er heute vorwiegend zufrieden auf seine politische Zeit zurück.

Sturz des Ammanns misslungen

Auch die Niederlage bei der Ammannwahl im Jahr 2009 steckte Frunz weg. «Damals lief einiges schief in der Gemeinde, und ich liess mich dazu drängen, gegen CVP-Ammann Max Läng zur Kampfwahl anzutreten», erzählt Frunz. Dass er sich damals «nur» als Gemeindeammann, aber nicht als Gemeinderat zur Verfügung stellen wollte, hätte man in einigen Kreisen offenbar nicht goutiert. Darin sieht er heute den Hauptgrund der Niederlage. Auch wenn Frunz dies nicht selber sagte: Die Quittung folgte postwendend, denn ein Jahr später verlor er den Entsorgungsauftrag in seiner Gemeinde an die auswärtige Konkurrenz.

Heute, eben 60 Jahre alt geworden, sieht Eugen Frunz alles gelassener. Nach der Politik wolle er auch im Geschäft bald kürzertreten. In der Garage steht eine Harley, die er – wie immer mit seiner Frau im Rücken – vermehrt ausfahren möchte. «Die Politik wird mich aber nie loslassen», meint er. Sein Sohn ist Einwohnerrat in Obersiggenthal. Somit bleibe ihm genügend Gelegenheit, um über Politik zu diskutieren. «Was in meiner Gemeinde passiert, liegt mir sowieso am Herzen.