Die Sonne lässt den winterlichen Tag angenehm warm erscheinen – ideales Wetter, um draussen zu sein: «Ich gehe heute mit Ida Würsch spazieren», erzählt Cili Meier.

Sie ist eine der 17 Besucher und Besucherinnen, die für den Besuchsdienst Kontakt einsamen oder kranken Menschen eine Stunde Zeit schenkt. «Wenn das Wetter ganz schlecht ist, bleiben wir im Haus und trinken zusammen Kaffee.»

Kaum hat die Besucherin die Klingel gedrückt, öffnet Würsch schon die Tür – die Jacke bereits angezogen. Der Rollator oder der «Cadillac», wie ihn Meier schmunzelnd nennt, ist griffbereit. «Ich erfreue mich guter Gesundheit, nur mit dem Laufen habe ich Mühe», erzählt Würsch.

Ihr Mann sei auf die Idee mit dem Besuchsdienst gekommen, erklärt die 77-Jährige: «So kann ich auch spazieren gehen, wenn er nicht da ist.» Sie fühle sich zu unsicher, um alleine rauszugehen.

Beim Spaziergang schlagen die beiden Frauen ein gemütliches Tempo ein und geniessen die Sonne. «Wenn das Wetter so schön ist, setzen wird uns ab und zu auf eine Bank», erzählt Meier. Unterdessen besucht sie Würsch vier Mal pro Woche. «Es ist eine richtige Freundschaft entstanden», bestätigen beide mit einem Lächeln.

Von einer schönen Freundschaft erzählt auch René Horlacher. Er besuchte einen demenzkranken älteren Herrn. Auf den Spaziergängen sassen sie oft auf einer Bank und diskutierten über die Namen der umliegenden Bergspitzen.

«Er verbrauchte jedes Mal eine Schachtel Zündhölzer, um seine Pfeife anzuzünden», sagt Horlacher über seinen Besuchten und lächelt.

«Es war berührend zu sehen, wie die Chemie zwischen den beiden gepasst hat», ergänzt Christine Fattorelli, die Leiterin des Besuchsdienstes. «Kaum war der Besuch zu Ende, freute er sich schon auf den nächsten Spaziergang.»

Nicht nur für Senioren

Nicht nur ältere Menschen können vom Angebot profitieren: Die jüngste besuchte Person ist unter vierzig. Er habe psychische Probleme und sei oft einsam.

«Das Alter spielt für uns keine Rolle – wir springen dort ein, wo Angehörige keine Zeit haben», erklärt Fattorelli. «Das ist eine Erscheinung der heutigen Zeit – die Menschen sind derart in das Berufsleben eingebunden, dass sie kaum Freizeit haben.»