Kurt Meier* hat in zwei Jahren 385 000 Franken verprasst. Kein Problem eigentlich - wäre es sein eigenes Geld gewesen. Weil es nun aber einer Kindergärtnerin gehörte, stand er gestern vor dem Bezirksgericht Baden.

Dort sass der 51-Jährige im kurzärmligen weissen Hemd, die Haare sorgfältig nach hinten gekämmt und beteuerte, dass er immer vorgehabt habe der Kindergärtnerin das Geld zurückzugeben.

Dass das Geld nun weg ist, sei ihm furchtbar unangenehm. Das Gericht glaubte ihm nicht. 20 Monate Freiheitsstrafe kassierte Meier. Zehn davon muss er hinter Gittern absitzen.

Angefangen hat alles vor acht Jahren. Damals arbeitete Meier als Makler bei einer grossen Versicherung. Damals hätten einige seiner Kollegen damit begonnen, Geld für andere anzulegen.

Schnelles Geld ohne grossen Aufwand, das wollte Meier auch. Die Kindergärtnerin lernte er als Kundin der Versicherung kennen. Erschlichen hat er sich damit ihr Vertrauen und mit einem selbst zusammengeschusterten Treuhandvertrag ihre Ersparnisse.

Die Kindergärtnerin ahnte nicht, dass ihr Geld in schlechte Hände geraten war. Sie war nicht das einzige gutgläubige Opfer. Aber die Einzige, die Anzeige erstattete.

Gefängnis als Warnwirkung

Der Staatsanwalt sagte in seinem Plädoyer: Meier habe die Kindergärtnerin eingelullt, ihr den Speck durch den Mund gezogen, sie glauben gemacht, dass sie durch die Anlage eine gute Rendite erhalte. Er habe es ausgenutzt, dass die Frau keine Ahnung von Geldanlagen hatte.

Meier selber hatte zwar auch keine Ahnung davon, Geld gewinnbringend anzulegen. Das zu tun, hatte er allerdings auch nicht wirklich vor.

Das Geld, das die Kindergärtnerin Meier überwies, landete direkt auf seinem Privatkonto. Von diesem Konto wurde bezahlt, was bezahlt werden musste: Einkäufe beim Metzger und im Coop, Stromrechnungen, Krankenkassenbeiträge, Schulden.

Mit dem Ersparten der Kindergärtnerin bestritt Meier seinen Lebensunterhalt. Ganz zu Beginn kaufte er zwar Aktien, verkaufte diese aber nach kurzer Zeit wieder. Den Rest investierte er nach eigenen Angaben in seine eigenen Liegenschaften - der Innenausbau einer Wohnung stand an.

«Dafür habe ich das Geld gebraucht.» Er sei sich immer sicher gewesen, dass er durch den Verkauf der Immobilien alles zurückzahlen könne.

Doch statt bergauf gings mit dem Betrüger bergab: Er war in mehrere Strafverfahren verwickelt und erkrankte schwer. Seine Immobilien wurden mittlerweile zwangsversteigert. Auch sein Aston Martin wurde letzten Herbst abgeholt.

«Den Führerausweis musste ich Anfang Jahr auch noch abgeben», sagt Meier vor Gericht kleinlaut. Wie er seine Zukunft sehe, wollte Gerichtspräsidentin Fehr wissen. «Nicht so gut.» Er sei bankrott, lebe vom Geld seiner Frau. «Gott sei Dank habe ich eine so gute Frau.»

Der Staatsanwalt sagte über Meier: «Er hat der Frau in übler Manier das Geld abgeknöpft.» Zu diesem Entschluss kam auch das Gericht. «Wir zweifeln nicht daran, dass Sie das Geld für private Zwecke ausgegeben haben.»

Die Gefängnisstrafe soll eine Warnwirkung haben, damit Meier sich künftig ans Gesetz halten könnte, erklärte Fehr. *Name geändert*