Es ist zehn Uhr abends am vergangenen Freitag. Die Bars und Restaurants in Baden sind gefüllt, auf den Strassen tummelt sich das Volk trotz leichtem Nieselregen.

Peter Lieberherr und Patric Nussli von der Stadtpolizei Baden haben ihre Nachtschicht vor vier Stunden begonnen. Sie sind auf Patrouille und durchqueren mit einem Streifenwagen die Stadt.

Die Reaktionen der Passanten sind unterschiedlich, doch alle werfen sie einen Blick. Manche schauen betont cool drein, andere winken den Polizisten zu.

Wieder andere können aus ihrer Abneigung keinen Hehl machen und starren grimmig ins Innere des Wagens. Unbemerkt bleiben die Polizisten nie, doch das ist auch ihr Ziel. «Wir wollen Präsenz markieren», erklärt Lieberherr.

Ein Auftrag führt die Polizisten zum Badener Winterzauber beim unteren Bahnhofsplatz. Ein Gast ist wegen seines Alkoholkonsums negativ aufgefallen.

Der sichtlich angetrunkene Mann lässt sich wegführen, die Polizisten müssen ihn auf der Treppe stützen. Patric Nussli nimmt sich etwas abseits des Mannes an. «Ich möchte, dass Sie jetzt nach Hause gehen», sagt er freundlich, aber bestimmt.

Peter Lieberherr ist derweil nicht untätig. «Wenn wir irgendwo auftauchen, gibt es immer Leute, die innert kürzester Zeit weg sind», sagt er und zeigt auf den Platz vor der Kirche.

Tatsächlich standen hier vor ein paar Minuten noch mehrere Gruppen mit jungen Leuten. Andere Personen fühlen sich dagegen von der Polizei geradezu angezogen, und das nicht im Guten.

Eine Gruppe Männer pöbelt die Polizisten an, eine Bierdose fliegt in Richtung Polizeiauto. «Wir haben einander ständig im Blickfeld», sagt Lieberherr und meint dabei seinen Patrouillenpartner.

Lieberherr bleibt in Bewegung, scannt mit seinen Augen die Umgebung. Schliesslich kann der Mann zum Gehen überredet werden, die Polizisten machen sich wieder auf den Weg.

Mit Blaulicht unterwegs

Dreizehneinhalb Stunden dauert ein Nachtdienst der Stadtpolizei Baden. Lieberherr und Nussli haben gelernt, mit dieser langen Schicht umzugehen. «Ich esse vor der Nachtschicht jeweils nur etwas Kleines, sonst wird der Körper müde», sagt Lieberherr.

Sie versuchen, regelmässig Pausen zu machen, trinken Kaffee und essen Früchte. Von Energy Drinks lassen sie die Finger. Auf dem Posten gibt es einen Schlafraum, wo sich die Polizisten in ruhigen Minuten hinlegen können.

«Doch das ist kein richtiger Schlaf», sagt Lieberherr. Wenn er die Kollegen für einen Einsatz wecken müsse, seien alle sofort hellwach.

Ein Funkspruch: «Schlägerei auf dem Theaterplatz.» Peter Lieberherr fährt auf dem schnellsten Weg in die Innenstadt, die Schaufensterscheiben reflektieren das Blaulicht. Auf dem Theaterplatz drängt sich eine Gruppe Jugendlicher im Scheinwerferlicht zweier Polizeiautos zusammen.

Lieberherr und Nussli kommen dazu. Doch die Situation ist bereits entschärft, die Schlägerei wurde vor dem Eintreffen der Polizisten an einen anderen Schauplatz verlegt, übrig geblieben sind nur zufällig Anwesende. Bei solchen Ereignissen helfen alle verfügbaren Patrouillen einander.

Tätliche Übergriffe gegen Polizisten sind keine Seltenheit. «Die Menschen haben viel weniger Respekt vor der Polizei als früher», sagt Lieberherr. Ein grosses Problem sei der Alkohol, mit gestiegenem Pegel werden die Leute unberechenbar.

Die Polizisten sind froh um alle, die nach dem Ausgang ohne grosses Aufsehen den Heimweg antreten. Das beste Wetter aus Polizistensicht ist kalt mit Schneefall. «Wenn es frisch geschneit hat und alles weiss ist, sind einfach alle zufrieden. Dann ist es ruhig», so Lieberherr.

Wie alle Badener Stadtpolizisten arbeiten auch Lieberherr und Nussli im Viertagesrhythmus. Auf zwei Tagdienste folgen zwei Nachtdienste, dann ein Ruhetag sowie drei Freitage. Ein guter Ablauf, finden beide. «Mit dieser Regelmässigkeit kommt auch das Sozialleben nicht zu kurz», sagt Nussli.

Für seine Tochter ist es jeweils das Grösste, wenn der Vater ihr nach dem Nachtdienst ein frisches Weggli mitbringt. Aber anstrengend sei es schon, betont Lieberherr. «Am Ruhetag plane ich nichts. Dieser Tag gehört allein mir, damit ich mich ausreichend erholen kann».

Es ist bereits nach drei Uhr. Die Polizisten heben die Köpfe, als von einer Terrasse der Partylärm bis auf die Strasse zu hören ist. Im Lift geht es in den obersten Stock.

Eine Frau im Skelettkostüm öffnet die Wohnungstür und entschuldigt sich überschwänglich. «Wir feiern eine Horrorparty», sagt sie und zeigt auf ihre Aufmachung. «Wenn Sie nicht leiser sind, wird es vor allem zum Horror für die Nachbarn», meint Nussli.

Die Polizisten verabschieden sich. «Bis zum nächsten Mal», ruft ihnen die Frau hinterher. Lieberherr und Nussli hoffen, dass es nicht zu einem nächsten Mal kommt.