Baden
Bettler umgehen Verbot, indem sie sich als Künstler ausgeben

Seit die Polizei in Baden Bettler rigoros wegweist, lassen sich diese immer neue Maschen einfallen. Sie umgehen nun das Bettler-Verbot, indem sie sich als Künstler ausgeben.

Martin Rupf
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Bettler umgehen Verbot, indem sie sich als Künstler ausgeben

Bettler umgehen Verbot, indem sie sich als Künstler ausgeben

AZ

Gestern Nachmittag in der Innenstadt von Baden. Fast wähnt man sich an einem künstlerischen Strassenfest - wären da nicht die teils sehr schrägen Töne.

Alle paar Meter stehen Personen und liefern eine künstlerische Darbietung. Das Angebot reicht vom Handorgelspiel über einen Mini-Chor bis hin zur goldenen Statue. Bei genauerem Hinsehen wird schnell klar: Hier ist eine organisierte Gruppe am Werk. Immer wieder tauschen sich die Personen aus; ein Mann eilt von «Posten zu Posten». Auf Nachfrage sagt der Mann in Gold: «Nichts verstehen, wir alle eine Familie.»

Wegweisung zeigt wenig Wirkung

Für Max Romann, stellvertretender Polizeichef von Baden, ist das kein neues Phänomen. «Seit wir die Bettler konsequent weggewiesen und auch gebüsst haben, trifft man weniger kniende Bettler an.» Dafür liessen sich die Bettler immer neue Tricks einfallen. «Sie geben sich als Musikanten aus, doch die Musik ist meistens so schrecklich, dass sich sogar Geschäfte beschwert haben, so Romann.

«Aus diesem Grund werden den betroffenen Personen - oft handelt es sich um Menschen aus Rumänien oder Bulgarien - keine Bewilligungen fürs Musizieren erteilt.» Diese erlaubt es Artisten, während eines halben Tages in Baden aufzutreten, wobei sie alle 20 Minuten den Standort wechseln müssen.

Doch die Bettler geben sich noch nicht geschlagen. «Mit Unterschriftsbogen gehen sie auf Passantenjagd und sammeln zum Beispiel Unterschriften für ein Blindenheim in Rumänien», sagt Romann. Doch auch dies wäre bewilligungspflichtig. Erwischt die Polizei einen Bettler oder vermeintlichen Artisten, kann sie die Person zwar für 20 Tage aus der Stadt wegweisen. «Doch das bringt nicht sehr viel, weil dann einfach andere in die Lücke springen», so Romann.