Die Beziehung zwischen Baden und Wettingen ist abgekühlt. Gleich mehrmals zeigte Wettingen zuletzt die kalte Schulter, wenn es um Fragen der Zusammenarbeit mit dem Nachbarn ging. Mehrere Badener Kulturbetriebe, die jahrelang einen Förderbeitrag erhielten, werden von Wettingen nicht mehr unterstützt.

Und eine Einladung des Vereins Traktandum 1, der sich für die vertiefte Zusammenarbeit der Nachbarn einsetzt, liess der Wettinger Gemeindeammann unbeantwortet. Kriselt die Beziehung zwischen den Nachbarn, oder handelt es sich um gewöhnliche Alltagsprobleme?

Nationalrätin Yvonne Feri (SP), langjährige Wettinger Gemeinderätin, sagt über die Beziehung der beiden Nachbargemeinden: «In all meinen Jahren in der Lokalpolitik, sei es als Einwohnerrätin oder als Gemeinderätin, war das Konkurrenzdenken zwischen Baden und Wettingen stets spürbar und präsent. Es wird wohl noch sehr lange gehen, bis nur schon über eine Fusion offen gesprochen werden wird.»

Sie glaube aber nicht, dass sich die Beziehung der Nachbarn unter dem neuen Gemeindeammann Roland Kuster (CVP) verändert habe. «Ich glaube, sein Vorgänger Markus Dieth konnte die Differenzen zwischen Baden und Wettingen besser kaschieren, mit seiner zugänglichen und offenen Art. Roland Kuster ist deutlicher in seinen Signalen. In ihrer Politik unterscheiden sich die beiden nur wenig, sind sie ja auch in der gleichen Partei.»

Zwar sei beim Krippenpool eine Zusammenarbeit zwischen Baden, Wettingen, Ennetbaden und Obersiggenthal zustande gekommen, die sehr gut funktioniere, sagt Feri. «Ansonsten aber gibt es viele Beispiele, bei denen leider viel zu wenig kooperiert wird.» So sei Wettingen im Verwaltungsrat des Regionalen Pflegezentrums nicht mehr vertreten.

«Der Stadtrat Baden entschied, dass keine Behördenmitglieder mehr Einsitz haben dürfen – mit Ausnahme der eigenen SP-Stadträtin Regula Dell’Anno. Als weiteres Beispiel von verpasster Kooperation nennt Feri die Spitex, bei der Baden und Ennetbaden zusammenarbeiten; mit Wettingen konnten die angedachten Ideen aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt werden.

«Die Beziehung ist nicht gut»

Zu den Kürzungen bei der Unterstützung für Badener Kulturinstitutionen sagt Feri: «Wettingen strahlt damit das Signal aus, dass die Badener Kultur einen zu kleinen Stellenwert hat.» Im Prinzip liege es auf der Hand: Baden könnte für Kultur, Wettingen für Sport zuständig sein. «Aber solange es nicht zur Fusion oder engem Zusammengehen kommt, müssen beide Gemeinden in beiden Bereichen investieren, auf Kosten der gegenseitigen Unterstützung, wie sich nun zeigt.»

Jetzt, da sie nicht mehr im Wettinger Gemeinderat sei, stehe sie öffentlich dazu: «Die Ideen von Traktandum 1 für eine verstärkte Zusammenarbeit von Baden und Wettingen bis hin zu einer Fusion finde ich sehr interessant», sagt Yvonne Feri. SP-Einwohnerrat Alain Burger, der einst in einem Vorstoss verlangte, Wettingen solle sich an der Diskussion um eine Regionalstadt Baden-Wettingen beteiligen, sagt: «Im Moment ist die Beziehung von Wettingen und Baden nicht gut. Beide schauen nur noch für sich. In Wettingen ist der Regionalgedanke sehr weit weg.»

Dass Gelder zugunsten Badener Kulturinstitutionen gekürzt wurden, sei schlicht enttäuschend. Alleingänge wie nun im Bereich der Kultur seien eine Folge der Sparpolitik. «Als Erstes werden die Kosten ausserhalb der Gemeindegrenzen gespart.» Burger stört die fehlende Solidarität bei den Kulturbeiträgen vor allem auch, weil Wettingen beispielsweise beim Bau des Sportzentrums Tägerhard auf die Unterstützung der umliegenden Gemeinden zähle.

Kleingeistige Konsequenzen?

Aus Sicht von Badens Stadtrat und Kulturvorsteher Erich Obrist (parteilos, ehemals SP), der einst den Verein Traktandum 1 präsidierte, funktioniert die Zusammenarbeit der Nachbarn in vielen Bereichen sehr gut, so bei der Regionalen Jugendarbeit, beim Krippenpool oder beim Kulturweg an der Limmat. «In der Kulturförderung allerdings gab es bisher keine Zusammenarbeit.» Die regionale Kulturförderung sei ein Thema, das er mit dem neuen Wettinger Kulturvorsteher Philippe Rey (parteilos) besprechen werde. «In diesem Zusammenhang werde ich mich nun erkundigen, welches die Gründe für die Kürzungen waren, welches die Strategie Wettingens ist.»

Die Beiträge, welche gestrichen wurden, seien für einzelne Badener Institutionen und Kulturbetriebe nicht leicht zu verkraften, sagt Erich Obrist. «Baden ist sich seiner Aufgabe bewusst, als Zentrumsstadt auch im Kulturbereich besondere Leistungen erbringen zu müssen. Allerdings ist die Geduld und Grosszügigkeit auf Badener Seite nicht unendlich gross.»

Als kleingeistige Konsequenz könnten, je nach Herkunft der Besucher, verschiedene Tarife für Eintritte in kulturelle Veranstaltungen und Institutionen erhoben werden. «Das kann es aber nicht sein und ich hoffe, dass es nie so weit kommen wird», sagt Stadtrat Erich Obrist.