Bezirksgericht Baden
Ein 36-jähriger Schweizer verbreitet wiederholt Kinderpornografie: Ins Gefängnis muss er nicht

Im Mai wird ein Mann vom Bezirksgericht Zürich wegen Beschaffen und Teilen von harter Pornografie verurteilt. Nur drei Monate später steht er wegen derselben Tat erneut vor Gericht, diesmal in Baden. Eine sexuelle Neigung zu Minderjährigen streitet er ab.

Zara Zatti
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Im Nachrichtendienst KIK verschaffte sich der Angeklagte kinderpornografische Dateien und schickte diese weiter. Symbolbild.

Im Nachrichtendienst KIK verschaffte sich der Angeklagte kinderpornografische Dateien und schickte diese weiter. Symbolbild.

Martin Ruetschi / KEYSTONE

Der Mann zupft während der Befragung hektisch an der Maske in seiner Hand, manchmal lacht er nervös. Der 36-Jährige steht wegen des Verbreitens sogenannter harter Pornografie vor Gericht. Es ist nicht das erste Mal, dass er sich deswegen strafbar macht.

Im August 2020 teilte der Angeklagte im Nachrichtendienst KIK unter einem Pseudonym ein Bild und ein Video mit kinderpornografischen Inhalten mit anderen Benutzern. Die Dateien beschaffte er sich vorher aus dem Chat.

Beim verbotenen Material handelt es sich um ein Bild, das eine sexuelle Handlung zwischen einem Erwachsenen und einem etwa zehnjährigen Mädchen zeigt. Das einminütige Video zeigt ein zirka zwölfjähriges Mädchen bei einer sexuellen Handlung.

Der Angeklagte schiebt die Tat auf den Kokainkonsum

Die Staatsanwaltschaft Baden beschuldigte den Angeklagten, neben dem Bild und dem Video eine weitere «nicht bestimmbare Anzahl» von kinderpornografischen Darstellungen geteilt zu haben. Auch klagte sie ihn wegen Übertretungen gegen das Betäubungsmittelgesetz an. Dies, weil er zum damaligen Zeitpunkt mehrmals in der Woche Kokain konsumierte und täglich gekifft hatte. Heute sei er clean, beteuerte der 36-Jährige vor Gericht.

Der Angeklagte gestand ein, das Video und das Bild im Chat geteilt zu haben. Auch habe er gewusst, dass es sich um verbotene Pornografie handelt. Gerichtspräsidentin Gabriella Fehr stellte die entscheidende Frage: «Wieso haben Sie es denn gemacht?» Er begründete seine Tat mit seinem damaligen Drogenkonsum. Die Frage, ob er eine Neigung für minderjährige Mädchen habe, bestritt er bestimmt.

Bereits im Mai 2020, also nur knapp drei Monate vor der erneuten Straftat, wurde er vom Bezirksgericht Zürich schon einmal verurteilt. Auch damals wegen zahlreicher kinderpornografischer Dateien in besagtem Nachrichtendienst. Das Gericht verurteilte ihn bedingt zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 60 Franken.

Weil der Beschuldigte noch in der Probezeit in gleicher Sache wieder straffällig wurde, beantragte die Staatsanwaltschaft Baden, dass der Mann die bedingte Geldstrafe von damals jetzt begleichen muss. Für die neue Straftat forderte die Staatsanwaltschaft eine unbedingte Gefängnisstrafe von acht Monaten und eine Busse von 300 Franken.

Schon wieder muss er nicht ins Gefängnis

Schon einmal – im Jahr 2019 – entging der Beschuldigte dem Gefängnis. Damals wurde er vom Obergericht Zürich zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Die Tat steht in keinem Zusammenhang zu kinderpornografischen Dateien.

Der Beschuldigte gelobte an der Verhandlung in Baden Besserung. Das Gericht müsse nicht damit rechnen, dass er wieder harte Pornografie konsumiere: «Ich überlege mir, eine Therapie zu machen.» Das Bezirksgericht Baden verurteilte den Schweizer wegen des Videos und des Bildes, weitere Dateien konnten ihm nicht nachgewiesen werden.

Erneut kam der Angeklagte um einen Gefängnisaufenthalt herum. Das Gericht verurteilte ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten bei einer Probezeit von vier Jahren. Hinzu kommt eine Busse von 1000 Franken. Die bedingte Geldstrafe vom Bezirksgericht Zürich muss er nun doch noch bezahlen. Ein lebenslanges Tätigkeitsverbot mit Minderjährigen wurde schon im Mai vom Bezirksgericht Zürich ausgesprochen.

Gerichtspräsidentin Fehr begründete das Urteil so: «Durch den Widerruf des Zürcher Urteils merken sie jetzt einmal, dass ihr Verhalten Konsequenzen hat und sie nicht immer mit einer bedingten Strafe davonkommen.» Ausserdem hätte das Gericht gesehen, dass er sich in der Zwischenzeit bemühe.

Fehr räumte aber auch Zweifel ein: «Wir haben noch ein wenig Bedenken, dass Sie bei erneuten Problemen in die Drogen zurückfallen könnten.» Sie warnte ihn:

«Über Ihnen schwebt ein Damoklesschwert.»

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