Bezirksgericht Baden
Physiotherapeut auf Anklagebank: Fälschte er Dokumente für seine Zulassung in der Schweiz?

Ein Kosovare, der aus Deutschland in die Schweiz kam, soll mehrere Dokumente und Unterschriften gefälscht haben, damit seine Physiotherapie-Ausbildung auch in der Schweiz gültig wird. Vor dem Bezirksgericht Baden gingen die Aussagen auseinander.

Luca Giannini
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Der Physiotherapeut stand vor dem Vorwurf, für seine Zulassung in der Schweiz geschummelt zu haben. (Symbolbild)

Der Physiotherapeut stand vor dem Vorwurf, für seine Zulassung in der Schweiz geschummelt zu haben. (Symbolbild)

Christin Klose / dpa Themendienst

Ein knapp 30-jähriger Kosovare aus der Region wollte 2019 seine Physiotherapie-Ausbildung aus Deutschland beim Schweizerischen Roten Kreuz anerkennen lassen. Dazu wählte er die Möglichkeit aus, während sechs Monate einen sogenannten Anpassungslehrgang in seinem Betrieb und eine schulische Zusatzausbildung zu absolvieren.

Diesen Lehrgang begleitet ein Physiotherapeut, der einen Bachelor und ein Arbeitspensum von mindestens 60 Prozent hat. Der Beschuldigte fragte daraufhin einen Arbeitskollegen an, ob er ihn in diesem Lehrgang betreuen würde. Der aber lehnte ab, weil er bei weitem kein 60-Prozent-Pensum hatte.

Nun sahen sich die beiden und ihr damaliger Arbeitgeber, Besitzer eines Fitness- und Physiotherapiestudios in der Region, vor Einzelrichter Daniel Peyer am Badener Bezirksgericht wieder. Was war geschehen? Laut Staatsanwaltschaft hatte der Beschuldigte dem Roten Kreuz eine Arbeitsbestätigung für seinen Kollegen angefertigt, wonach dieser ein 60-Prozent-Pensum habe.

Dieses Dokument soll er im Namen des Arbeitgebers unterzeichnet haben. Einige Zeit später soll er auf einem Qualifikationsbogen des Roten Kreuzes seine eigene Leistung während des angeblich absolvierten Lehrgangs beurteilt und die Unterschrift seines Kollegen gefälscht haben.

Selbstsicheres Auftreten

Davon wollte der Beschuldigte, der sehr selbstsicher auftrat, nichts wissen. Er habe beide Unterschriften von seinem Chef beziehungsweise seinem betreuenden Kollegen erhalten und nicht gefälscht. Die Anerkennung durch das Rote Kreuz wäre sogar ein Vorteil für das Unternehmen gewesen, weil er so die damals vakante Stelle des leitenden Therapeuten hätte übernehmen können.

Dem widersprach sein ehemaliger Arbeitgeber deutlich. Es sei nie ein Thema gewesen, dass der Beschuldigte diesen Posten übernehmen würde. Dieser erklärte dann aber auch, dass er weder mit Ja noch mit Nein auf die Frage antworten könne, ob die Unterschrift auf der Arbeitsbestätigung von ihm stamme. Ähnlich äusserte sich auch der Kollege, fügte aber hinzu, dass er den Qualifikationsbogen bei der Einvernahme zum ersten Mal gesehen habe.

Verteidigerin spricht von einem «Rachefeldzug»

In ihrem Plädoyer wies die Anwältin des Beschuldigten darauf hin, dass der Arbeitgeber das Rote Kreuz auf die angeblichen Ungereimtheiten hingewiesen hat. Dies sei zu der Zeit geschehen, in der ihr Mandant seine Arbeitsstelle gekündigt habe. Dies habe zu Streit geführt, die Meldung beim Roten Kreuz sei als «Rachefeldzug» zu interpretieren.

Zudem habe ihr Mandant bei den Einvernahmen und auch vor Gericht identische Aussagen gemacht. Sowohl beim Arbeitgeber als auch beim Kollegen könne man dies nicht sagen: «Ihre Aussagen sind weder glaubwürdig noch konsistent.» Weiter erläuterte die Anwältin, dass sie erstaunt sei, dass gerade hier keine Schriftanalysen durchgeführt worden seien. Daher forderte sie einen Freispruch.

Schuldig in einem der Anklagepunkte

Einzelrichter Peyer sprach den Beschuldigten von den meisten Vorwürfen frei. Zu einem Teilschuldspruch kam es dennoch, weil der Mann den Qualifikationsbogen eingesandt hatte, auf dem vermerkt war, dass der betreuende Kollege ein 60-Prozent-Pensum habe. Damit habe der Beschuldigte eine eventualvorsätzliche Urkundenfälschung begangen.

Peyer verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 140 Franken, bedingt auf zwei Jahre, sowie zu einer Busse von 300 Franken. Der Freispruch in den anderen Punkten kam zu Stande, weil man, so Peyer, nicht mehr feststellen könne, wer welche Unterschrift gegeben habe. Und ohne endgültigen Beweis gibt es bekanntlich keine Verurteilung.

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