Bezirksgericht Baden
Zehn Flaschen für 6000 Franken: Ein Weindieb macht in einem Lagerraum fette Beute

Ein 20-Jähriger wurde vom Bezirksgericht Baden nach dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» freigesprochen. Den teuren Wein habe nicht er gestohlen, sagte er.

Rosmarie Mehlin
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Ein Dieb klaute teure Weinflaschen aus einem Lagerraum. (Symbolbild)

Ein Dieb klaute teure Weinflaschen aus einem Lagerraum. (Symbolbild)

Pixabay

Wenige Tage vor seinem 20. Geburtstag sass Nevin (Name geändert), beschuldigt des mehrfachen Diebstahls, vor Einzelrichterin Angela Eckert. Ein adretter junger Mann in weissem Hemd, dunkelgrauem Gilet, blauer Hose und einem wie mit einem Lineal gezogenen Scheitel im dunklen Haar. Auffallend war auf den ersten Blick nicht die im Strafbefehl aufgeführte Beute von zehn Flaschen Wein, wohl aber deren Wert von knapp 6000 Franken.

Die önologische Schatzkammer, in welcher der Dieb fündig geworden war, ist eine Weinbörse respektive deren Lagerraum. Zu diesem hat Nevin, der im August seine Lehre als Logistiker abschliesst, Zugang. «Das haben alle, die in dem Gebäude arbeiten», erklärte er.

Entdeckt worden war der Diebstahl im Frühling letzten Jahres; begangen worden war er irgendwann zwischen Februar und April. «Ich habe mit der Sache nichts zu tun», versicherte Nevin vor Gericht. Folgerichtig hatte er gegen den Strafbefehl Einsprache erhoben. Nebst einer bedingten Geldstrafe und einem Eintrag ins Strafregister drohten dem Lehrling eine Busse und Kosten in Höhe von 1125 Franken.

Alles nur ein Missverständnis?

Dem Verdacht gegen ihn habe ein Missverständnis zugrunde gelegen: «Ich hatte einen Arbeitskollegen auf Serbokroatisch zu einem ‹pivo›, also einem Bier, einladen wollen, und er hat wohl ‹vino›, also Wein verstanden.»

Richterin Eckert hatte besagten Kollegen als Zeugen aufgeboten, doch der war der Verhandlung unentschuldigt ferngeblieben. So erfolgte nach kurzer Befragung von Nevin und kurzer Beratung der Richterin mit dem Gerichtsschreiber die Urteilseröffnung: Freispruch mangels Beweisen nach dem Grundsatz «in dubio pro reo». Die Schadenersatz-Forderungen von drei in verschiedenen Kantonen lebenden Geschädigten wurde auf den Zivilweg verwiesen.

Drei Liter für 16'500 Franken

Geweckt worden war die Neugier nach der Spannweite von Weinpreisen. Was den Shareholdern die Aktienbörsen, sind leidenschaftlichen (Hobby)-Önologen offensichtlich Auktionen, wie sie jeweils im Frühling in Zürich und im Herbst in Bad Ragaz durchgeführt werden.

Die Resultate der Auktion von vergangenem Monat lassen ebenso tief in die Leidenschaft von Sammlern blicken wie in deren Portemonnaies. Aber Hunderte von edlen Tropfen wurden in Einzelflaschen ebenso ersteigert wie zu mehreren in Holzkisten oder Kartons, Weine von weltberühmten und weniger bekannten Winzern, Weine aus dem letzten und aus diesem Jahrtausend.

Hier ein paar wenige Bespiele: Der älteste Wein, der erworben wurde, hatte Jahrgang 1914: Der Bordeaux Château Gruaud-Larose wechselte für 320 Franken den Besitzer. Eine Einzelflasche Mouton-Rothschild von anno 1918 war einem Liebhaber 1600 Franken wert. Ein weisser Bordeaux Château d'Yquem, Jahrgang 1929, erzielte 3150 Franken und war damit die teuerste 7-Deziliter-Einzelflasche.

Eine Original-Holzkiste mit 6 Flaschen Pétrus 1998, vom weltbekannten gleichnamigen Château, wurde für 18'300 Franken erworben. Eine Doppelmagnum – also drei Liter fassende – Flasche Grands Echézeaux, Jahrgang 1991, von der Domaine de la Romanée-Conti, dem berühmtesten Weingut im Burgund, wurde für 16'500 Franken ersteigert. Eine Flasche 1943-er Clos de Tart von Mommessin erzielte 1200 Franken.

Die Preise, die für italienische Rotweine bezahlt wurden, waren – na ja - etwas moderater: Ein Barolo Riserva 1997 erzielte 920 Franken, eine Flasche 1983-er Amarone 710 Franken. Mit 300 Franken war ein Campaccio von Terrabianca, Jahrgang 1991, geradezu ein Schnäppchen angesichts der Tatsache, dass er in einer Balthasar-Flasche steckte und somit 12 Liter umfasst.