Die Nachricht, dass das Kuratorium der Badener Künstlerin Stella Palino wegen künstlerischer Mängel dieses Jahr keine Werkbeiträge mehr auszahlen wird, schlug hohe Wellen. Vermutungen wurden geäussert, dass Palino womöglich nur deshalb keine Beiträge mehr erhalte, weil sie sich als Transgenderfrau geoutet habe. Walter Küng vom Kuratorium antwortete in der «Schweiz am Sonntag» vom 6. Juli: «Dass wir Palino als Kulturschaffende nicht ernst nehmen, weil sie sich als Transgenderfrau geoutet hat, ist absurd und trifft sicher nicht zu.»

Fakt ist: Stella Palino ist seit kurzem hochoffiziell eine Frau. Ein jahrelanger Prozess hat nun zum Abschluss auch seinen Amtsstempel erhalten. Das Bezirksgericht hat der Badener Künstlerfrau auf Papier bestätigt, dass ihre Papiere nun auf Stella Brunner lauten. Die Entwicklung hat ihren natürlichen Lauf genommen, auch wenn es Kritiker oder Spötter gerne anders sehen. Doch getragen von seinem nahen Umfeld ist Palino dort angelangt, wo er seinerzeit hinwollte.

Stella Brunner lautet der offizielle Name der Badener Künstlerfrau oder Transgenderfrau, wie es heute benannt wird. «Ich habe eben mit Freude diese Mitteilung vom Bezirksgericht erhalten», erklärt Stella Palino. Der Künstlername wird Stella Luna Palino lauten, der bürgerliche Name Stella Brunner. Damit hat ein langer Prozess seinen Abschluss gefunden.

Während vieler Jahre zuvor schlüpfte Stella immer wieder in Frauenrollen. Doch «sie» wurde immer noch als «er» wahrgenommen, dies, obschon es im Innern des damaligen Künstlers Marc Palino Brunner bereits anders ausgesehen hatte.

Alle, die sich damals in ihrem Umfeld aufhielten und sie kannten, wussten, dass es sich bei all diesen Stücken nicht um billige Travestie-Darstellung handelte. Anlässlich des Künstlerjubiläums «30 Jahre Palino» stellte die «Aargauer Zeitung» in einem Interview im März 2009 die Frage, ob es einen tieferen Grund habe, dass er oft in Frauenrollen schlüpfe. Die Antwort von damals: «Klar beschäftigt es meine Identität. Es gibt Zeiten, in denen ich das Gefühl habe, im falschen Geschlecht zu sein, also transidentisch. Manchmal wünschte ich mir Klärung, aber ich weiss, mich tragen beide Geschlechter durchs Leben, so muss ich mich mit beiden durchschlagen, beide leben lassen. Und das ist ja eigentlich ein ungeheures Glück, eine ungeheure Möglichkeit, eine ungeheure Schönheit, eine ungeheure Frechheit und gleichzeitig auch eine Selbstverständlichkeit.»

Palino ahnte damals möglicherweise noch nicht, dass diese Entwicklung fortdauern würde. Das Stück «Drama Queens», in dem Palino Frauenrollen aus Shakespeares Dramen interpretierte, liess letzte Zweifel daran weichen, dass die Mutation bereits stattgefunden hat. Stella Palino kandidierte bereits Ende 2012 unter ihrem Künstler-Frauennamen für das Amt des Stadtammanns. Jetzt hat sie die neuen Papiere erhalten. Was manchem suspekt vorgekommen ist und was viele als Show oder aufmerksamkeiterheischend empfunden oder beurteilt haben könnten, ist Realität und damit für alle geklärt.