Bezirksgericht Frauenfeld
Fall Isabella T. aus Turgi: Hauptangeklagter zu drei Jahren und acht Monaten inklusive zehnjährigem Landesverweis verurteilt

Der Mann, der die Aargauerin nach ihrem Tod in einen Teppich einrollte, wurde wegen Störung des Totenfriedens und Vergewaltigung in einem anderen Fall schuldig gesprochen.

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Der Hauptbeschuldigte J.B. betritt das Bezirksgericht Frauenfeld am ersten Prozesstag vor zwei Wochen.

Der Hauptbeschuldigte J.B. betritt das Bezirksgericht Frauenfeld am ersten Prozesstag vor zwei Wochen.

Bild: Kevin Roth
(10. Mai 2021)

Im Januar 2018 wurde die Leiche der 20-jährigen Isabella T. aus Turgi in einen Teppich eingerollt in einem Waldstück in Zezikon TG gefunden. Die Aargauerin war zuvor seit November 2017 vermisst worden. Die letzte Nacht vor ihrem Verschwinden hatte Isabella T. bei einem 40-jährigen Holländer verbracht. Dieser und zwei weitere Männer mussten sich vor dem Bezirksgericht Frauenfeld verantworten. An zwei Prozesstagen wurde der Fall verhandelt, der landesweit für Aufsehen und Betroffenheit gesorgt hatte.

Den drei Beschuldigten wurde unter anderem Störung des Totenfriedens vorgeworfen, weil sie die Leiche von Isabella T. in einen Teppich eingerollt und aus der Wohnung des Holländers in den Wald in Zezikon geschafft haben. Die Männer luden die tote Isabella T. in ihren Range Rover, fuhren zum Wald und legten sie an einem Bachbord ab. Die Leiche rollte das Bord hinunter und blieb vor dem Bachbett liegen. In der Zwischenzeit hatte der Hauptbeschuldigte Kleider, Handys und alle sonstigen Habseligkeiten von Isabella T. in einen Kehrichtsack gepackt und in einen Abfallcontainer geworfen.

In diesem Haus in Thundorf hat Isabela T. die letzten Stunden ihres Lebens verbracht. Hier lebte der Hauptbeschuldigte im Prozess.

In diesem Haus in Thundorf hat Isabela T. die letzten Stunden ihres Lebens verbracht. Hier lebte der Hauptbeschuldigte im Prozess.

Bild: Andrea Stalder

Den drei Beschuldigten wurden von der Staatsanwaltschaft auch Drogendelikte vorgeworfen, der 40-jährige Hauptangeklagte musste sich wegen einer Vergewaltigung in einem anderen Fall verantworten. Für den Holländer forderte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und vier Monaten sowie eine siebenjährige Landesverweisung. Für die beiden Mitbeschuldigten wurden lediglich bedingte Geldstrafen und Bussen beantragt.

Freiheitsstrafe kürzer, Landesverweis länger

Am Freitagabend verkündete das Bezirksgericht Frauenfeld das Urteil: Der holländische Hauptangeklagte wurde wegen Vergewaltigung in einem anderen Fall, Störung des Totenfriedens bei Isabella T. und weiteren Delikten schuldig gesprochen wird. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten. Demnach muss er weniger lang ins Gefängnis, als die Staatsanwaltschaft gefordert hatte.

Über den Antrag der Anklage hinaus ging das Gericht indes bei der Landesverweisung: Diese beträgt nun zehn statt sieben Jahre.
Ob es sich um ein Tötungsdelikt handelte und woran die 20-jährige Aargauerin gestorben ist, blieb indes unklar. Die Todesursache von Isabella T. konnte aufgrund der fortgeschrittenen Verwesung nicht zweifelsfrei festgestellt werden. Die Rechtsmedizin fand aber keine Hinweise auf Fremdeinwirkung. Die anfänglichen Vorwürfe der vorsätzlichen Tötung und der Unterlassung der Nothilfe musste die Staatsanwaltschaft fallen lassen.

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