Die beiden Brüder Cristiano und Rafael (Namen geändert) haben schon einiges angestellt: Der 22-jährige Cristiano wurde bereits wegen Kreditkartenbetrugs und Waffenbesitzes verurteilt, Rafael (25) unter anderem wegen Diebstahls, Hausfriedensbruchs und bewaffneten Raubüberfalls. Diese Woche mussten sie erneut vor dem Bezirksgericht in Baden antraben. Ihre Vergehen: Herstellung und Verkauf von Drogen als Bande, Drogenkonsum sowie Waffenbesitz. Rafael wurde zudem Körperverletzung und Diebstahl vorgeworfen.

Im Frühjahr 2012 mieteten die Brüder in der Wohnung von Freunden ein Zimmer, um eine Hanfplantage zu bauen. «Es hat sich einfach so ergeben – wir hatten den ganzen Tag nichts zu tun», sagte Cristiano vor Gericht. Kein Wunder: Er hatte soeben die Informatikmittelschule geschmissen, sein älterer Bruder hatte gar nie eine Ausbildung begonnen. Das Ganze flog auf, als Cristiano im November 2012 mit dem Mercedes seines Bruders in eine Polizeikontrolle geriet. Die Polizisten fanden Marihuana und das Amphetamin MDMA im Auto. Bei Hausdurchsuchungen entdeckten die Polizisten nicht nur die Plantage und Drogen: Die jungen Männer besassen auch Schusswaffen – der ältere Rafael gar eine Kalaschnikow.

Einsilbig und ruhig

Cristiano, gross gewachsen, in Jeans und grauer Kapuzenjacke, beantwortete die Fragen von Gerichtspräsidentin Gabriela Fehr einsilbig und mit ruhiger Stimme. Die meisten Vorwürfe gab er zu, betonte aber: «Selber konsumierte ich nie Drogen.» Und die Pistole, der Revolver und der Schlagring, die in seinem Zimmer gefunden wurden, hätte er lediglich aufbewahrt. «Für wen, will ich hier aber nicht näher erklären.» Sein Leben hat er unterdessen im Griff: Er lebt seit fast einem Jahr mit seiner Freundin zusammen und hat einen festen Job als Kundenberater.

Cristianos älterer Bruder Rafael – kahl geschoren, kleiner und kräftig gebaut – scheint aus einem anderen Holz geschnitzt zu sein: In seinen Antworten holte er lange aus und wenn er von seinen Drogengeschichten erzählte, lachte er. «Ich konsumierte schon vieles», gab er unumwunden zu: «MDMA, Kokain, LSD, Marihuana, und Ecstasy.» Um seinen Drogenkonsum zu finanzieren, sei er auch auf die Idee gekommen, selbst Marihuana anzubauen. Wieso er Waffen besass, wollte er nicht verraten.

In Zelle uriniert

In der Untersuchungshaft und dem vorgezogenen Strafvollzug fiel er oft negativ auf: Er urinierte in seine Gefängniszelle und bedrohte das Aufsichtspersonal. Dem Betriebsleiter schlug er sogar mit der Faust ins Gesicht. «Dafür habe ich mich aber mehrfach entschuldigt», sagte Rafael. Die Zusammenarbeit mit Psychiatern, die ihm eine dissoziale Persönlichkeitsstörung attestierten, verweigerte er mit der Begründung: «Der Staatsanwalt fordert eine stationäre Massnahme. Ich will aber nicht weggesperrt und mit Pädophilen und Vergewaltigern in einen Topf geworfen werden – da werde ich wütend.» Wenn es aber um seine Zukunft geht, scheint ihm das Gutachten gelegen zu kommen: «Ich kann IV beziehen. Wenn das nicht funktioniert, gehe ich zum Sozialamt.»

Das Bezirksgericht unter dem Vorsitz von Gabriela Fehr verzichtete im Urteil auf die stationäre Massnahme: Sie sei nicht erfolgsversprechend, da Rafael keine Bereitschaft zeige, zu kooperieren. Er wurde zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten sowie einer Busse von 300 Franken verurteilt. Vom Vorwurf des Diebstahls wurde er freigesprochen. Sein jüngerer Bruder Cristiano erhielt eine bedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten und eine Probezeit von vier Jahren.