Ennetbaden
«Biedermann und die Brandstifter» im Feuerwehrmagazin Ennetbaden

Das «Theater in Baden» hat sich erstmals ennet der Limmat eingenistet und spielt im Feuerwehrmagazin «Biedermann und die Brandstifter». Max Frisch nennt seine satirische Komödie ein «Lehrstück ohne Lehre».

Rosmarie Mehlin
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Die Schnitzelbank-Truppe «D’Füürwehr» begleitet und kommentiert das Geschehen rund um die Biedermanns. zvg/Felix Eidenbenz

Die Schnitzelbank-Truppe «D’Füürwehr» begleitet und kommentiert das Geschehen rund um die Biedermanns. zvg/Felix Eidenbenz

Felix Eidenbenz

Die Metamorphose, die das Feuerwehrmagazin Ennetbaden mitgemacht hat, ist faszinierend: Auf der einen Seite ist ein intim-stimmungsvoller und doch keineswegs beengender Theaterraum entstanden, auf der anderen eine hübsch dekorierte Bar mit Beiz, in der feurige Speisen aufgetischt werden, begleitet von frisch gezapftem Gebräu und – natürlich – Goldwändler.

Das «Theater in Baden» spielt erstmals ennet der Limmat eingenistet und gibt im Feuerwehrmagazin «Biedermann und die Brandstifter» – ein Stück, das für diesen Ort kaum passender sein könnte. Max Frisch nennt seine 1958 am Schauspielhaus Zürich uraufgeführte satirische Komödie ein

«Lehrstück ohne Lehre». Und tatsächlich wird darin Dummheit, weil sie sich partout nicht belehren lässt, zum Schicksal der Welt.

Als der obdachlose Ringer Schmitz (Ernst Wenger) ins saturierte Dasein des Wohlstandsbürgers und skrupellosen Geschäftsmanns Gottfried Biedermann (Francesco Fiordeponti) eindringt, versucht das Dienstmädchen (Christina Kraushaar) vergeblich, das drohende Unheil abzuwenden.

Denn bereits wüten an allen Ecken und Enden Brandstifter – Terroristen, Faschisten, Kommunisten – wofür auch immer sie stehen mögen: Biedermann setzt der Bedrohung nichts als Ausflüchte entgegen. Er steckt den Kopf in den Sand und seine Frau Babette (Barbara Gebhart) mit seiner von Angst und Anpassungswillen geprägten Haltung an.

So werden Schmitz und dessen sich später dazu gesellender Kumpel, der Kellner und Ex-Knasti Eisenring (Adrian Müller), von den Biedermanns bewirtet, beherbergt, antichambriert und, zu guter Letzt, gar mit Streichhölzern bestückt. Von einer Tribüne hinunter blickt das Publikum mitten hinein ins biedermannsche Esszimmer und in einen Schopf. Das Bühnenbild ist ebenso wunderbar gestaltet, wie die Kostüme, Masken, Requisiten schlicht als perfekt bezeichnet werden müssen.

Röbi Egloff hat das Stück nicht nur gekonnt gestrafft, er lässt mit seiner Inszenierung auch die räumlich begrenzten Verhältnisse gänzlich vergessen. Selbst ein Löschwagen von 1838 findet vorübergehend Platz und immer wieder tritt auch ein achtköpfiger Chor auf. Diesen Chor der Feuerwehrmänner, mit dem Frisch die griechische Tragödie parodiert, hat Egloff in eine Gruppe von Schnitzelbänklern verwandelt, bestückt mit schrägen Instrumenten:

Ein mitreissender Einfall, der von den Sängerinnen und Sängern packend umgesetzt wird. Die erfrischenden Verse, im Gegensatz zu den Dialogen auf Schweizerdeutsch, stammen aus der Feder des Badener Stadtpoeten Franz Doppler; deren Visualisierung von der begnadeten Zeichnerin Ursula Koller.

Auch die Akteure überzeugen voll. Sie sprechen klar verständlich und eine sehr schöne Hochsprache, agieren in Mimik und Gestik höchst präzise, sind wohl dosiert mal dramatisch, mal komödiantisch, machen so die Figuren packend, das Stück griffig. «Biedermann und die Brandstifter» im Feuerwehrmagazin ist ein höchst angenehmes Erlebnis – ein theatralischer Genuss, der sich vor und nach der Vorstellung noch mit kulinarischen Genüssen aus der Küche des Feuerwehrvereins Ennetbaden paaren lässt.

Weitere Vorstellungen bis um 22. September jeweils mittwochs bis sonntags. Mehr Informationen: www.theaterinbaden.ch