Auf den ersten Blick ist es ein ganz normales Rockkonzert in einer Mehrzweckhalle in irgendeinem Dorf – wenn auch mit Coverbands mit sehr guten musikalischen Qualitäten. Doch das Benefizkonzert Rock am Berg, das Thomas Gehring zum zweiten Mal organisiert hat, ist kein üblicher Gutmenschenabend eines Rotaryklubs. Anstatt sich selber zu feiern – frei nach «Tu Gutes und sprich darüber» – will Gehring nichts über die Sponsoren verraten: «Ich habe einen grossen Teil des Konzertes privat finanziert, weil ich es in Remetschwil wieder mal rocken lassen und mich für eine gute Sache einsetzen wollte.»

Die Spenden des Konzertabends gehen an «Biker Against Child Abuse», kurz B.A.C.A. Diese ursprünglich amerikanische Biker-Gruppe gibt es noch nicht lange in der Schweiz. Sie nutzt ihren respekteinflössenden Auftritt für einen guten Zweck: B.A.C.A. kümmert sich um misshandelte Kinder in der Schweiz. Die Biker agieren als Götti für Kinder in Not, die Angst vor ihren Eltern haben. Wer nun glaubt, es handle sich um eine Rockergang, die nachts mit ihren Bikes vorbeifährt und einfach Angst und Schrecken verbreitet, täuscht sich: Indian, der Vizepräsident von B.A.C.A. Zürich, seinen richtigen Namen will er nicht preisgeben, sagt: «Unsere Mission ist offiziell mit den Behörden abgesprochen. Und unsere Mitglieder durchlaufen etwa 150 Stunden Schulung, bevor sie sich um ein bedrohtes Kind kümmern.»

Indian, etwa zwei Meter gross und sehr kräftig, spricht dabei nicht wie ein Rocker, sondern äusserst gesittet und sprachgewandt. «In unserem Club gibt es die unterschiedlichsten Leute. Wir sind Grafiker, Lehrer, Polizisten oder Hausabwarte.» Hauptziel einer Intervention ist, dass die Biker ihre eigene Kraft und ihr Selbstbewusstsein auf das bedrohte Kind übertragen. «Ein Kind hat immer zwei Ansprechpersonen, die 24 Stunden erreichbar sind und im Notfall sofort da sind.» Doch nebst diesen menschlichen Abgründen war es letztlich ein Rockkonzert, das die 400 Besucher in den Bann zog.

Tu Gutes und mach es einfach

Den Auftakt machte die Luzerner Band Krowski Rock. Sie erweckten Hits von AC/DC und anderen Rockurgesteinen aus den 1970er-Jahren wieder zum Leben. Nach dem über einstündigen Konzert rockten Hardstreet, eine Band aus der Region, sowie als Hauptact die dienstälteste Coverband der Schweiz, Whole Lotta DC. Allen gemeinsam war, dass sie nicht nur alte Rocksongs möglichst genau nachspielten, sondern diesen einen neuen musikalischen Touch verliehen; teilweise fast besser als das Original.

Für B.A.C.A. hat sich das Benefizkonzert gelohnt. Die Biker konnten nicht nur einen ansehnlichen Geldbetrag für ihre Sache sammeln, sondern sich auch einem breiten Publikum präsentieren. Ihr Auftritt auf der Bühne zwischen den Bands war aber bescheiden, sozusagen: «Tu Gutes und mach es einfach.»