Baden

«Billette bitte»: RVBW-Kontrolleure erzählen von ihren Erlebnissen

Im Auftrag des Kunden unterwegs – die Kontrolleure (v. l.) Albert Meier, Zahir Nedjiposki, Damir Oluic. fse

Im Auftrag des Kunden unterwegs – die Kontrolleure (v. l.) Albert Meier, Zahir Nedjiposki, Damir Oluic. fse

In der Region Baden fahren rund 2 Prozent aller Fahrgäste ohne (gültiges) Billett Bus. Drei Männer kontrollieren die Fahrgäste. Nicht immer sind die Situationen einfach, wie sie der az sagen.

Es ist kurz nach 9 Uhr. «Die Zeit der Rentner und der Frauen mit kleinen Kindern», sagt Zahir Nedjiposki, Billett-Kontrolleur bei den regionalen Verkehrsbetrieben Baden-Wettingen (RVBW). Seit Anfang Jahr ist er als Kontrolleur tätig. In dieser kurzen Zeit hat er schon viel erlebt. Zusammen mit seinem Kollegen Albert Meier besteigt er in Baden Bahnhof Ost den Bus der Linie 2 Richtung Spreitenbach.

«Guten Morgen. Fahrausweiskontrolle, Billette bitte». Die Kontrollgänge um diese Zeit verlaufen relativ ruhig. Viele der Fahrgäste haben schon in ihren Taschen nach dem Billett zu wühlen begonnen, als sie die Kontrolleure an der Bushaltestelle erkannten. So konnten dann auch alle einen gültigen Fahrausweis vorweisen wie 98 Prozent aller Fahrgäste der RVBW.

«Wegen diesen 60 Rappen mache ich kein Büro auf»

«Es gibt Tage, da muss ich keinen Zuschlag ausstellen, weil alle ein Billett haben», sagt Nedjiposki. Durchschnittlich haben 2% aller Fahrgäste kein gültiges Billett. Je nach Strecke und Tageszeit ist das unterschiedlich.

Inzwischen ist es 9.30 Uhr. Nedjiposki ist daran, das Billett einer jungen Frau mit Kinderwagen zu kontrollieren. Und siehe da, sie besitzt ein falsches Billett. Auf einen Zuschlag von 80 Franken verzichtete der Kontrolleur jedoch. Die Frau musste lediglich ein zusätzliches Billett lösen. «Wegen dieser 60 Rappen mache ich kein Büro auf», sagt Nedjiposki. Ausserdem habe die Frau einen glaubhaften Eindruck auf ihn gemacht. «Wir sind schliesslich im Auftrag des Kunden unterwegs», sagt Nedjiposki.

Immer können die Kontrolleure aber nicht nachsichtig sein. «Vor ein paar Tagen bin ich einem jungen Mann begegnet, der kein Billett hatte. Er sagte, der Automat im Bus sei defekt und er hätte deshalb kein Billett lösen können. Er wurde laut und schlug wütend auf den Automaten ein», berichtet Nedjiposki. «Ich brachte ihn dazu, mit mir auszusteigen, um alles in Ruhe zu regeln.» Gerade in solchen Situationen ist Fingerspitzengefühl gefragt. Es sei wichtig, dass die Kontrolleure fair seien, sagt Meier. «Wir dürfen unsere Glaubhaftigkeit nicht verlieren.»

Nicht nur die Jungen

Am intensivsten seien laut den Kontrolleuren die Nachteinsätze in den Nachtbussen. «Besonders stark merken wir es Ende Monat. Der Lohn kommt und mehr Junge gehen in den Ausgang», sagt Nedjiposki. Nicht selten werden die Kontrolleure dann angepöbelt. «Ich bin froh, sind wir nie allein unterwegs», sagt Albert Meier. Normalerweise passiere aber nichts Schlimmes. «Es ist zwar mühsam, aber wenn wir die Ruhe bewahren, geht es», sagt Nedjiposki.

Es seien jedoch nicht nur die Jungen, sagt Meier. «Es gibt gestandene Herren in Krawatte, die strecken mir anstelle des Billetts dann gleich eine Hunderternote hin. Wenn ich nach dem Namen frage, heisst es: ‹Herr Niemand›.» Den «typischen Schwarzfahrer» gäbe es somit nicht.

«Als ich vor vier Jahren angefangen hatte, betrat ich den Bus und sagte mir: der, die und dieser hat kein Billett», gesteht Meier. Seine Erfahrung ist, dass Vorurteile nicht von Vorteil sind. «Heute gehe ich davon aus, dass jeder ein Billett hat.»

Präsenz markieren

Die Zahlen der RVBW zeigen, nicht jeder hat ein Billett. Jährlich nimmt der Busbetrieb zwischen 120000 und 160000 Franken aus den Kontrollen ein. 80 Franken kostet ein Zuschlag, wenn der Fahrgast keinen gültigen Fahrausweis zeigen kann.

Im Jahr 2010 mussten sogar 259 Fälle weiterverfolgt werden, weil der Zuschlag nach der Mahnung immer noch nicht bezahlt wurde. «Wir wollen den Fahrgast nicht schikanieren», hält René Rüegg, stellvertretender Direktor der RVBW fest.

Kontrollen seien aber nötig, um die ehrlichen Kunden zu motivieren. Ausserdem gelte: Je mehr Kontrollen gemacht werden, desto mehr Fahrgäste haben ein Billett. Deshalb sind die Kontrolleure der RVBW jährlich rund 5000 Stunden unterwegs. «Wir müssen Präsenz markieren», sagt Rüegg.

Unterdessen haben Meier und Nedjiposki noch ihren Kollegen Damir Oluic angetroffen. Zu dritt machen sie weiter mit den Kontrollgängen. «Grüezi mitenand. Fahrausweiskontrolle. Billette bitte», tönt es durch den Bus.

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