Bezirksgericht

Bissige Hunde: Hat die Halterin ihre Aufsichtspflicht verletzt?

Welcher Hund hat zugebissen? (Symbolbild)

Welcher Hund hat zugebissen? (Symbolbild)

War es tatsächlich Ricky, der andere Hunde gebissen haben soll, oder doch Susi? Die Aussagen zwischen der Angeklagten und der Kläger unterscheiden sich so stark, dass die Verhandlung vertagt wurde.

Hat Ricky (alle Hundenamen geändert) andere Hunde gebissen – oder war es doch Susi? Weil sie einen ihrer Hunde nicht sorgsam genug beaufsichtigt haben soll, stand gestern eine 53-jährige Schweizerin vor dem Bezirksgericht Baden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, mehrfach gegen das Tierschutzgesetz verstossen zu haben, weil Ricky zweimal beim Spazieren andere Hunde gebissen habe.

Gerichtspräsident Lukas Cotti, der heute zum Aargauer Oberrichter gewählt werden soll, sagte zu Beginn der Verhandlung, er sei kein Hundeexperte. Er liess sich die involvierten Tiere genau beschreiben. Die Angeklagte hat heute noch zwei Hunde: Ricky, ein Berner-Sennenhund-Mischling, und Pedro, ebenfalls ein Mischling. Weitere Hunde – auch die Pekinesen-Mischlingshündin Susi – habe sie zur Pflege gehabt.

An der Leine, wenn nötig

Cotti fragte die Angeklagte: «Haben Sie Ihre Hunde angeleint?», und: «Haben Sie sie im Griff?» Jawohl, sie würden gehorchen, sagte die Beschuldigte. Sie habe im Selbststudium eine Ausbildung zur Hundepsychologin gemacht. An die Leine nehme sie die Tiere nur, wenn sie einem anderen angeleinten Hund begegne; zudem im Wald oder am Waldrand während der gesetzlich vorgeschriebenen Zeit zwischen April und Juli.

Beim ersten Vorfall im Januar war sie mit ihrem Partner und ihren drei Hunden Ricky, Pedro und Susi sowie einem befreundeten Paar und deren Hund auf dem Sonntagsspaziergang am Waldrand, ganz in der Nähe ihrer Wohnung. Als ihnen ein Mann entgegenkam, seien die freilaufenden Hunde auf dessen Hund Trusty los, so die Anklage. Sein Herrchen merkte erst später, dass Trusty verletzt war, und brachte ihn zum Tierarzt. Er sagte später aus, Ricky habe Trusty ins Ohr gebissen.

Dass nur Susi angeleint war, gab die Frau gestern vor Gericht zu. Es könne aber nicht sein, dass Ricky zugebissen habe. Ricky sei «ein Tscholi» und habe Angst vor anderen Hunden. Ausserdem habe Ricky auf jedem Spaziergang einen Ball in der Schnauze und könne deshalb gar nicht beissen. Von Susi habe sie dagegen gewusst, dass sie beisse: «Susi hatten wir nicht im Griff, deswegen haben wir sie weggegeben.»

«Ein riesiges Tohuwabohu»

Beim zweiten Vorfall, neun Tage später, liefen alle drei Hunde der Angeklagten frei herum. Ricky habe dabei die Mischlingshündin Bianca in die Schulter gebissen, die zu einer Familie mit Kindern gehörte. Es habe «ein riesiges Tohuwabohu» gegeben zwischen den Hunden, sagte die Beschuldigte. Wieder soll Ricky der Täter gewesen sein. Auch das bestreitet die Angeklagte. Wenn, dann sei es Susi gewesen.

Herrchen und Frauchen von Trusty dagegen tauchten einige Zeit später vor der Haustüre der Angeklagten auf und wollten, dass sie die Tierarztrechnung zahle. Die Frau, die gar nicht dabeigewesen war, habe nicht mehr aufgehört herumzuschreien und habe das Haus fotografiert. Das Herrchen von Trusty habe die ganze Zeit nichts gesagt.

Nur nicht Ricky

Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Busse von 1000 Franken. Die Angeklagte, die gestern allein vor Gericht erschien, kämpfte mit der Fassung und bestritt vehement, dass Ricky jemals zugebissen habe. Wenn, dann müsse es Susi gewesen sein. Sie sagte, sie hätte die Tierarztrechnungen kommentarlos bezahlt, wenn es um Susi gegangen wäre. Sie vermutet, dass sich die Besitzer von Trusty und von Bianca kennen und sich abgesprochen haben. Sie forderte deshalb vom Gericht, dass das befreundete Ehepaar als Zeugen und auch die Hundebesitzer noch einmal befragt würden.

Gerichtspräsident Cotti sagte zur Beschuldigten, es sei auffällig, wenn es in neun Tagen zweimal so ein Tohuwabohu gebe mit ihren Hunden. Trotzdem willigte er ein, weil sich die Aussagen so stark widersprechen. Er vertagte die Verhandlung und sagte: «Die Hunde kann ich ja nicht befragen.»

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