Die Swisscom plant auf dem Hochhaus der Bau- und Siedlungsgenossenschaft (BSG) an der Moosstrasse in Niederrohrdorf eine Handyantenne, welche die 5G-Frequenz unterstützt. Damit würden in der Gemeinde künftig zwei Mobilfunkanlagen stehen. Bei der Egro Industrial Systems AG betreibt die Swisscom bereits eine Antenne.

Gegen das Bauvorhaben regt sich grosser Widerstand. So ging gegen das Baugesuch, das im Juni 2018 auflag, eine Sammeleinwendung von Anwohnern und Bewohnern der BSG ein.

Nun hat die «IG digitalisiertes Niederrohrdorf mit Weitblick» auf petitio.ch eine Petition lanciert. Mit Erfolg: In weniger als einer Woche hat das Anliegen «Nein! Zur 5G-Mobilfunkantenne auf dem Gnossi-Hochhaus in Niederrohrdorf» die erforderliche Anzahl von 100 Unterstützern erreicht.

Mit Menschenverstand und Weitblick

«Wir verstehen uns nicht als Technologie- und Digitalisierungsgegner, sondern möchten die digitale Transformation mit einer guten Portion Menschenverstand und dem nötigen Weitblick miterleben», sagt die IG auf Anfrage der AZ.

Mit der Petition sollen Einwohnerinnen und Einwohner, die «letzten Sommer keine Chance mehr für eine Einwendung hatten, eine Plattform erhalten, um dem Gemeinderat klar aufzuzeigen, dass erheblicher Widerstand aus sachlich objektiven Gründen gegen das Bauvorhaben vorhanden ist».

Die Petitionäre stören sich vor allem daran, dass «ein Feldversuch auf Kosten der Anwohner und deren Gesundheit durchgeführt werden soll», obwohl das Quartier um das Hochhaus bereits über beste Abdeckung durch 3G und 4G verfüge. «Dies belegen Messungen, die die IG an neuralgischen Punkten erheben liess, und aufgrund deren Erkenntnisse der Bedarf einer zusätzlichen Antenne inklusive 5G nicht nachvollziehbar ist.»

Gemäss IG würde einzig eine markant höherer Strahlenbelastung resultieren. Dies solle verhindert werden, zumal die vorgesehene 5G-Technologie bezüglich gesundheitlichen Folgen noch gar nicht erforscht sei. Ausserdem sei die geplante Anlage mit mehr als der doppelten Sendeleistung im Vergleich zur bestehenden Antenne unnötig überdimensioniert.

Die Petitionäre fordern den Gemeinderat auf, «dieses unsinnige Bauvorhaben abzulehnen» und stattdessen zusammen mit der Bevölkerung eine Vision für die Gemeinde zu erarbeiten. Dabei sollen Fragen wie «wie soll sich Niederrohrdorf künftig als Wohn-, Lebens- und Arbeitsort am Rohrdorferberg entwickeln?» beantwortet werden. Von dieser Vision abgeleitet, soll der Gemeinderat ein Konzept im Mitwirkungsverfahren für die digitale Transformation des Dorfes erstellen. «Wohnquartiere sollen vor Immissionen geschützt und dies in der Bauverordnung verankert werden.»

Nicht zuletzt fordert die IG in Bezug auf Mobilfunk-Projekte, dass der Gemeinderat eine transparente Kommunikation mit der Bevölkerung pflegt. So sollen Bauvorhaben wie das vorliegende bereits während der ersten Gespräche mit Mobilfunkanbietern publiziert werden und nicht erst mit dem Baugesuch. «Wir sind überzeugt, dass diese Vorgehensweise mit Weitblick nachhaltiger ist und unsere Gemeinde langfristig weiterbringt», so die IG.

«Es ist ein sehr emotionales Thema»

Gemeinderat Patrik Hitz, Ressortvorsteher Hochbau, hat die Petition zur Kenntnis genommen. Es sei der IG ihr gutes Recht, sich gegen das Vorhaben einzusetzen. Denn: «Ich bin mir bewusst, dass das Thema 5G-Antenne ein sehr emotionales ist.»

Wie der Gemeinderat zu den Plänen der Swisscom steht, dazu will sich Hitz nicht äussern. «Der Gemeinderat hat in dieser Antennen-Thematik einzig über das Baugesuch zu befinden, dieses aber noch nicht behandelt.»

Hitz betont, dass beim Entscheid die Grenzwerte für nichtionisierende Strahlung (NIS), die vom Bund vorgegeben werden, zum Tragen kommen werden. Wann der Gemeinderat das Baugesuch behandeln wird, steht noch nicht fest.