Heute gibt es in vielen Geschäften grosszügige Rabatte. Warenhäuser und Einkaufszentren kurbeln mit dem Black Friday ihr Weihnachtsgeschäft an. In Zeiten des rasant wachsenden Onlinehandels soll das auch Kunden zurück in die Läden locken. Der Aktionstag – in Amerika Tradition am Freitag nach Thanksgiving – stösst aber nicht nur auf Gegenliebe. Wenn man sich bei den kleineren Geschäften in der Badener Innenstadt umhört, spürt man erhebliche Zweifel am Erfolgsmodell Black Friday.

Eine gute Alternative bieten

Entschieden zur Wehr gegen die «Rabattschlacht» setzt sich die Villa Paul am Theaterplatz. Mimi Frey und Doris Rickenbacher verkaufen in ihrem kleinen Kaufhaus biologische und fair produzierte Produkte. In einem Brief an die Kunden schreiben sie: «Es gibt wunderbare Dinge, die wir von den Amerikanern übernehmen können. Zum Beispiel Hamburger.» Aber es gebe auch Dinge, von denen man lieber die Finger lasse – zum Beispiel vom Black Friday. «Wir haben das ganze Jahr über faire Preise und setzen uns für eine nachhaltige Produktion ein. Der Black Friday torpediert genau diesen Gedanken. Das passt nicht in unsere Wertewelt», sagt Mimi Frey auf Nachfrage.

Frey und Rickenbacher sagen aber auch, sie wollen nicht einfach kritisieren, sondern eine gute Alternative bieten. Die beiden haben deshalb beschlossen, den «White Friday» ins Leben zu rufen. Die Kundinnen und Kunden bezahlen heute im Laden am Theaterplatz und auch in der temporären Filiale der Villa Paul an der Bahnhofstrasse den vollen Preis für alles, was sie kaufen oder konsumieren.

Dafür spendet die Villa Paul zehn Prozent vom Tagesumsatz an die gemeinnützige Organisation Fashion Revolution. Diese setzt sich für mehr Transparenz in der Modeindustrie und einen bewussteren Konsum ein. Die Resonanz auf den «White Friday» ist laut Frey sehr gross – und durchweg positiv. Die Inhaber des Spielzeuggeschäfts Miracoolix an der Mellingerstrasse waren so überzeugt von der Idee, dass sie mitziehen und heute fünf Prozent des Umsatzes an den Badener Verein «RestEssBar» spenden, der sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt.

Stammkunden als Werbeträger

Einen ganz anderen Weg geht die Buchhandlung Librium am Theaterplatz. Seit Montag und noch bis Ende Januar hängen in der Stadt und in der Region Baden Plakate im Weltformat, auf denen Stammkunden Werbung für «ihre» Buchhandlung machen. «Das Librium ist meine Muckibude», heisst es auf einer der Affichen.

«Wir wollen mit den Plakaten zeigen, dass der Gang in die Buchhandlung genauso eine alltägliche Sache ist, wie in die Apotheke, in die Metzg oder zum Schuhmacher zu gehen für den Einkauf», sagt Mitinhaberin Susanne Jäggi. Von Rabattaktionen wie dem Black Friday hält sie nicht viel. «Für mich ist es unverständlich, warum man den Leuten in der umsatzstärksten Zeit des Jahres Waren fast nachwirft. Als Kundin frage ich mich dann eher, warum ich an anderen Tagen viel mehr für ein Produkt zahle.» Sie setze lieber auf Qualität und gute Beratung an allen Tagen des Jahres. Das Librium stehe wirtschaftlich auf guten Beinen. Der Buchhandel insgesamt hat es zurzeit aber nicht einfach, grosse Konkurrenten wie Amazon breiten sich immer mehr aus. Die Plakatkampagne soll nicht zuletzt zeigen, was für eine Bereicherung ein gutes Buch sein kann – oder auch schon allein das Stöbern in einer gut sortierten Buchhandlung.

Susanne Jäggi fügt an: «Seit Ende Juli verzeichnen wir und auch andere Geschäfte in der Umgebung steigende Kundenfrequenzen.» Ob das mit dem Abschluss der Bauarbeiten am Schulhausplatz zu tun hat, könne sie nicht mit Sicherheit sagen. Für den Badener Detailhandel ist das aber auf jeden Fall eine sehr erfreuliche Nachricht – ganz unabhängig von allen Rabattschlachten.

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