Zählt man die Vandalenakte auf, die in letzter Zeit in der Region Baden verübt wurden, gibt es eine lange Liste: In Spreitenbach wurde am vergangenen Wochenende der Hofladen von Reto Lienberger kaputtgeschlagen. Er vermutet reine Zerstörungswut. Gestohlen wurde nichts, der Sachschaden an der Fassade beläuft sich aber auf rund 10'000 Franken.

In Würenlos haben Vandalen mitten in einem Wohnquartier einen parkierten Citroën komplett zerstört. An den Bahnhöfen in Wettingen und in Neuenhof waren in den vergangenen Wochen immer wieder Scheiben eingeschlagen worden, in Neuenhof wurde auch eine Bahnhofsuhr zerstört.

Daniele Pallecchi, zuständiger Mediensprecher der SBB, sagt dazu: «Die SBB machen keine lokalisierten Angaben zu Schäden. Aber national verzeichnen wir jährlich Vandalismusschäden an Gebäuden der SBB – also Sprayereien, zerstörte WCs oder eingeschlagene Scheiben – von mehreren Millionen Franken.»

«Konsequent anzeigen»

Es handle sich beim Vandalismus um eine gesellschaftliche Entwicklung, stellt Pallecchi fest: «Dabei beobachten wir teilweise unfassbare Zerstörungen. Wir bringen jede Sachbeschädigung konsequent zur Anzeige, denn Vandalismusschäden müssen indirekt über Billettpreise oder über die Steuern bezahlt werden.»

Die SBB stünden in engem Kontakt mit den lokalen Polizeien, da Sachbeschädigungen in einer Gemeinde sich meist nicht auf SBB-Gelände beschränken. Die zerstörten Scheiben würden so schnell wie möglich ersetzt, denn die Bahnhöfe seien auch Visitenkarten der SBB. Eine Videoüberwachung werde in der Regel aber erst nach mehrmaligen kostspieligen Zerstörungen ins Auge gefasst. «Professionelles, auch vandalensicheres Gerät kostet sehr schnell eine fünfstellige Summe», sagt Pallecchi.

Mehr Vandalismus bei wärmeren Temperaturen

Susanne Voser, Grossrätin und Gemeindeammann von Neuenhof (CVP), stellt fest, dass gerade jetzt häufiger Vandalenakte von Jugendlichen oder jungen Erwachsenen vorkommen. «Sobald es wieder wärmer wird, steigt die Anzahl Zerstörungen. Wir ärgern uns enorm über diesen Vandalismus», sagt Voser. In Neuenhof sei nicht nur der Bahnhof davon betroffen, sondern beispielsweise auch das Schulareal. In den Frühlingsferien wurden bei zwei Schulhäusern Scheiben eingeschlagen. «Die Gemeinde hat bei allen Fällen jeweils Strafanzeige eingereicht», sagt Voser.

Die Scheiben am Bahnhof seien schon mehrfach verstärkt worden. Zudem soll dort bald ein vandalensicheres WC eingebaut werden. Das Einzige, was helfe, sei, wenn man die Täter in flagranti erwische und dann Strafanzeige erstatte, sagt Susanne Voser. Sie appelliert deshalb an die Bevölkerung, Vandalismus sofort der Polizei zu melden: «Unsere Bitte an die Gesellschaft ist, die Augen offenzuhalten und sich rund um die Uhr bei der Polizei zu melden, wenn man etwas beobachtet.»

Die Zusammenarbeit mit der Regionalpolizei Wettingen-Limmattal funktioniere sehr gut. Die Gemeinden melden der Repol jeweils die Hotspots und stehen in engem Kontakt mit der Polizei. Voser appelliert nicht zuletzt auch an die Eltern, mit den Jugendlichen zu reden und darauf zu achten, ob etwas nicht in Ordnung ist. «Sobald Dinge angezündet werden, wie das auch schon vorgekommen ist, sind das keine Bubenstreiche mehr. Das ist blanke Kriminalität.»

«Nicht nur Jugendliche»

Der Würenloser Gemeindeammann Anton Möckel (parteilos) findet die Vandalenakte traurig und sieht darin eine Verrohung der Gesellschaft. In Würenlos sei auch das Gemeindehaus schon Ziel solcher Zerstörung geworden. «Wir haben das im Gemeinderat besprochen und ergreifen jetzt Massnahmen», sagt Möckel. Unter anderem bedeute das mehr Wachsamkeit.

Vandalen, die in Würenlos erwischt werden, sollen ebenfalls konsequent angezeigt werden. «Es hat schon seine Wirkung, wenn eine Strafanzeige erfolgt», sagt Möckel. Vielleicht sei man da in der Vergangenheit manchmal zu nachsichtig gewesen. Möckel sagt auch, man dürfe den Vandalismus nicht per se den Jugendlichen anlasten: «Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, gegen das wir uns zur Wehr setzen müssen.» Der Würenloser Gemeinderat tausche sich deswegen mit anderen Gemeinden und auch mit der Fachstelle Jugendarbeit der Region Baden aus.

Sandra Perego, Leiterin der Fachstelle Jugendarbeit, sieht es ähnlich: «Vandalismus ist kein spezifisches Jugendthema. Wie auch Littering betrifft es alle Altersgruppen.» Was dagegen helfen könne, sei eine Einbindung der Jugendlichen und der ganzen Gesellschaft in die Gestaltung des öffentlichen Raums: «Wenn man die Leute einbezieht, wird weniger kaputtgemacht.»