Baden
Blasen die Bürgerlichen in Baden zur Konterattacke?

Nach dem Wahlsieg von Geri Müller regiert in Baden eine rot-grüne Mehrheit.Die Gespräche zwischen CVP, FDP und SVP haben aber im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahlen des Stadtrats nicht aufgehört.

Roman Huber
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Der «neue» Stadtrat, von links: Ruth Müri (team), Reto Schmid (CVP), Daniela Berger (SP), Geri Müller (team), Stadtschreiber Heinz Kubli, Daniela Oehrli (SP), Roger Huber (FDP) und Markus Schneider (CVP); verdeckt Verwaltungsleiter Patrick Schärer.

Der «neue» Stadtrat, von links: Ruth Müri (team), Reto Schmid (CVP), Daniela Berger (SP), Geri Müller (team), Stadtschreiber Heinz Kubli, Daniela Oehrli (SP), Roger Huber (FDP) und Markus Schneider (CVP); verdeckt Verwaltungsleiter Patrick Schärer.

Seit dem 3. März dieses Jahres herrscht für die bürgerlichen Parteien Badens zumindest in der Stadtregierung eine verkehrte Welt. Der Wahlsieg von Geri Müller (team) beziehungsweise die hauchdünne Niederlage von Roger Huber bescherte der Stadt erstmals einen grünen Stadtammann. Dessen war aber noch nicht genug: Ruth Müri (team) schaffte es, den siebten Stadtratssitz dem freisinnigen Kandidaten Peter Courvoisier vor der Nase wegzuschnappen. Somit regiert in Baden eine rot-grüne Mehrheit mit einem grünen Stadtammann an der Spitze.

Die für die Bürgerlichen ungewohnte Konstellation hat schon am schicksalshaften Wahltag nach einer Konterattacke bei der Gesamterneuerungswahl im Herbst dieses Jahres gerochen. Seit einigen Wochen laufen nun schon die Gespräche zwischen den Parteispitzen. Das bestätigten die Parteipräsidenten. Man sei sich aber noch nicht schlüssig darüber geworden, was man im Herbst erreichen wolle, und vor allem mit welcher Taktik. Ob der Angriff nur auf die bürgerliche Mehrheit abzielen oder ob gleichzeitig der Sitz des Ammanns zurückgeholt werden soll, ist noch offen.

Kein Angriff auf Geri Müller

Soviel konnte Matthias Bernhard zumindest verraten: Die FDP wird nicht mit einem eigenen Kandidaten Geri Müller angreifen, liebäugelt aber mit ihrem verlorengegangenen Stadtratssitz. Ob sie allerdings einen CVP-Kandidaten beim Sturz von Geri Müller unterstützen würde, wollte Bernhard noch nicht andeuten.

So wie sich Bernhard und auch CVP-Präsident Matthias Gotter äusserten, könnte es durchaus zu einer geschlossenen bürgerlichen Allianz zumindest zwischen CVP und FDP kommen, indem die CVP der FDP bei der Rückeroberung des zweiten Stadtratssitzes behilflich ist, sofern die Freisinnigen im Gegenzug für einen CVP-Ammann-Kandidaten Steigbügelhalter spielen würden. Störend ist dabei einzig, dass die SVP noch mit einem eigenen Kandidaten ins Rennen um den Stadtrat einsteigen wird.

Ein neues Ränkespiel?

Die grosse Frage wird dabei lauten, ob die bürgerlichen Wähler beziehungsweise die Parteibasis dieses Spiel mitspielen würden, nachdem sie schon die Ränkespiele von CVP und FDP bei der Ersatzwahl Anfang Jahr nicht goutiert und an der Urne entsprechend die Quittung erteilt hatten.

Die ersten Nominationen auf der bürgerlichen Seite sind inzwischen bereits vorgenommen worden. Und sie sind keineswegs überraschend: Die CVP hat ihre Stadträte Markus Schneider und Reto Schmid zur Wiederwahl nominiert. Ebenso hat diese Woche die FDP ihren verbliebenen Stadtrat Roger Huber zur erneuten Wahl vorgeschlagen. Bei CVP und FDP sind bislang weder weitere Nominationen getroffen noch mögliche Namen genannt worden, weil die Gespräche noch im Gang sind.

Auch die SVP will mit einem Kandidaten antreten

Wie bereits vor den Ersatzwahlen im Januar und im März angekündigt, wird diesmal auch die SVP wieder mit einem Kandidaten für die Stadtratswahlen antreten. «Die vorstandsinterne Nomination hat schon stattgefunden. Die Nominationsversammlung der Partei ist lediglich eine Formsache», erklärt Parteipräsident Serge Demuth, der selber in die Hosen steigen wird. «Wir sind das unserer Wählerschaft schuldig», sagt Demuth.

Die Situationen bei der SP und beim team baden sind bereits geklärt und liegen auf der Hand: Ruth Müri und Geri Müller werden für das team baden wieder antreten, wenn auch die offizielle Nominationsversammlung noch nicht über die Bühne gegangen ist. Daniela Oehrli (SP) hatte ihren Verzicht auf eine weitere Kandidatur vor einigen Wochen schon bekannt gegeben. Doch bei der SP liess man nichts anbrennen: Schon kurz danach hielten die Sozialdemokraten ihre Nominationsversammlung ab und schufen im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahlen Klarheit: Sie werden nebst der verbleibenden bisherigen Stadträtin Daniela Berger die ehemalige Einwohnerratspräsidentin und erfahrene Politikerin Regula Dell’Anno-Doppler ins Rennen schicken.

Der bürgerliche Angriff auf die Wiederherstellung der Mehrheit im Stadtrat ist weniger eine Kampfansage gegen die neu gewählte Ruth Müri, sondern eher ein Angriff auf den frei werdenden SP-Sitz. FDP und CVP sind sich bewusst, dass sie sich an Dell’Anno, die in bürgerlichen Kreisen breit abgestützt ist, die Zähne ausbeissen könnten.

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