Es war ein musikalisch sehr anspruchsvolles Programm, das sich das Blasorchester Gebenstorf (BOG) für das Jubiläumskonzert im Trafo ausgesucht hat: Stücke aus Gershwins Oper «Porgy and Bess», Bernsteins «West Side Story» oder eine Komposition des Mexikaners Arturo Màrquez.

Für dieses Konzert probte das Orchester, das mehrheitlich aus Amateurmusikern besteht, rund acht Wochen. «Für solch komplexe und vielschichtige Stücke ist dies sehr ambitioniert», erklärte Dirigent Karl Herzog gegenüber der az. «Die Leistung des Orchesters war dennoch grossartig», schwärmte Karl Herzog nach der Aufführung, «das zeigte sich vor allem darin, dass ich meine Dirigentenanweisungen weniger intensiv ausüben musste. In solchen Momenten spürt man einen Zauber, der vom Orchester ausgeht.»

Der Zauber, von dem Karl Herzog spricht, hat vor 20 Jahren begonnen, als der damals 30-jährige Dirigent die musikalische Leitung der Musikgesellschaft Gebenstorf übernahm. Der 1958 gegründete Musikverein litt in den 1990er-Jahren unter starkem Mitgliederschwund. Unter Karl Herzog ist aus der ehemaligen Dorfmusik ein Projektorchester entstanden, das den Vergleich mit einem Profi-Orchester nicht scheuen muss. Statt eines fixen Probeabends setzte man auf musikalische Projekte. Diese Neuorientierung zeigte Erfolg: Heute hat das BOG wieder ein Jugendorchester und unterhält eine eigene Musikschule.

Kubanische Rhythmen

Die 60 Musikerinnen und Musiker sowie die beiden Solisten Corinne Angela Sutter und Toni Jörg wussten das Publikum im Trafo zu begeistern: Mit bekannten Melodien aus der «West Side Story» oder Gershwins «Summertime» hat das BOG dem Dirigentenjubiläum die richtige Essenz verliehen. Beim Schlussstück von Arturo Màrquez, das eine Mischung aus kubanischen Rhythmen und spanischen Tanzformen war, zeigte sich das Orchester mit all seinen musikalischen Facetten: Die Melodie wird im Verlaufe des Stückes von unterschiedlichen Instrumenten solistisch intoniert. Danach folgte eine Zugabe, die gemäss Dirigent Karl Herzog nur wenige Minuten geprobt worden war. Auch dies beweist: Das Blasorchester Gebenstorf ist längst keine Dorfkapelle mehr.