Die Gitarren, Bässe und Drumsticks werden zum 15. Mal gezückt: Vom 19. bis 26. Mai findet die Jubiläumsausgabe des Bluesfestival Baden statt. In den letzten Zügen der Vorbereitung steht Präsidentin Susanne Slavicek. Sie ist auch politisch aktiv: Für das Team Baden sitzt sie im Einwohnerrat.

Frau Slavicek, Sie und Ihr Team führen das Bluesfestival bereits zum 15. Mal durch. Was geht Ihnen bei dieser Zahl durch den Kopf?

Susanne Slavicek: Es macht mich stolz, dass es uns mit unseren Mitteln nun schon 14 Mal gelungen ist, eine solche Veranstaltung auf die Beine zu stellen, noch dazu immer sehr erfolgreich. Sie müssen wissen, der Hauptteil unserer Mitarbeiter arbeitet nebenamtlich bei uns und stellt seine Freizeit zur Verfügung. Deshalb ist es jedes Mal auch ein riesengrosser Kraftakt, im vergangenen Jahr kam mit der Badenfahrt eine weitere Belastung hinzu. Dort haben wir ebenfalls Vollgas gegeben und Spass gehabt, aber wir merken: Das steckt schon noch in den Knochen.

15 Jahre Bluesfestival bedeuten auch viel Routine. Gehen einem nach all diesen Jahren nicht langsam die kreativen Ideen aus?

Nein, ganz im Gegenteil. Wir sprühen vor Ideen und müssen uns zuweilen sogar ein wenig bremsen. Neues auszuprobieren heisst aber nicht, dass wir nicht auch auf Bewährtem aufbauen wollen. Das sieht man dem Festival auch dieses Mal an. Vieles, was in den letzten Jahren beliebt war, führen wir weiter. Ein Beispiel dafür sind die kostenlosen Walk-in-Konzerte in verschiedenen Badener Geschäften. Sie wurden vor einem Jahr so positiv aufgenommen, dass wir sie jetzt weiter ausbauen. Mit dem Blues-Tisch im Trudelkeller oder dem Blues-Camp setzen wir aber auch ganz neue Akzente.

Sie sprechen das Blues-Camp an, bei dem Jugendliche an die Blues-Musik herangeführt werden. Die «Blues-Kidz» treten seit vielen Jahren am Bluesfestival auf. Setzen Sie sich aktiv zum Ziel, junge Leute für diese Art von Musik zu begeistern?

Jugendförderung gehörte schon immer zu unseren Kernanliegen. Das beinhaltet längst nicht nur Blues, sondern damit ist im Allgemeinen der Zugang zur Musik gemeint. Die Erfahrungen mit den «Blues-Kidz» haben gezeigt, dass viele Kinder und Jugendliche nach dem Austritt eigene Bands gegründet haben und mit Freude weiter Musik spielen.

Die Freude an der Musik werden auch die zahlreichen nationalen und internationalen Künstler am Bluesfestival beweisen. Worauf achten Sie bei der Auswahl der Konzerte?

Auf den Mix kommt es an. Wir haben kein festes Kontingent von Schweizer Bands oder Bands aus dem Ausland. Zum einen wollen wir Stars der Blues-Szene präsentieren können, aber auch jenen eine Plattform geben, die erst am Anfang ihrer Karriere stehen. Wir können doch mit ein wenig Stolz behaupten, dass es uns immer wieder gelingt, Geheimtipps, aktuelle Stars und spezielle Künstler nach Baden zu holen.

Diese Vielfalt an Künstlern könnte jedoch bald infrage gestellt werden. Viele Gemeinden müssen sparen, im März hat die Gemeinde Wettingen entschieden, die Förderbeiträge für das Bluesfestival zu kürzen. Welche Konsequenzen hat dieser Entscheid für Sie?

Es ist für uns insofern problematisch, weil wir stets sehr budgettreu gearbeitet haben. Kurzfristig wird sich für uns wenig ändern, aber nächstes Jahr werden wir bei der Budgetierung eingeschränkt sein. Das bedeutet, dass wir bei der Künstlerauswahl immer weniger Experimentelles ausprobieren können. Stattdessen müssen wir auf Nummer sicher gehen und auf das setzen, was sich finanziell rentiert. Dabei bleiben die Farbtupfer und die Vielfältigkeit auf der Strecke. Ein Eröffnungsabend zu Ehren von Robert Johnson wie dieses Jahr wäre dann kaum mehr möglich. Diese Entwicklung betrifft ja nicht nur Wettingen, es wird in vielen Gemeinden in der Kultur gespart.

Der Spardruck beschäftigt auch andere Badener Kulturinstitutionen wie das Museum Langmatt oder das Kindermuseum. Welche Zukunft hat Kultur aus Ihrer Sicht in Baden?

Prognosen für die Zukunft abzuleiten, ist schwierig. Allerdings muss man die Frage stellen, ob Baden nach wie vor als Kulturstadt gelten kann, wenn in diesem Bereich weiterhin so stark gespart wird. Kulturveranstaltungen kosten ja nicht nur Geld, sondern generieren ganz im Gegenteil viel Umsatz durch Hotelübernachtungen oder Restaurantbesuche in der Stadt und der Region. Unsere Festivals bringen jedes Jahr Tausende von Gästen nach Baden, machen die Stadt weitherum bekannt und sorgen für positive Schlagzeilen. Daneben geht es auch um die Erhaltung von nicht wenigen Arbeitsplätzen. Die Kultur in der Stadt kann man mit einem schönen Haus vergleichen, das man pflegen und erhalten muss. Dort zu investieren, wo die eigenen Stärken liegen, haben andere Städte längst erkannt. Dasselbe würde ich mir auch für Baden und Wettingen wünschen.