Wettingen Montagvormittag: Gemächlich spazieren zwei Mönche vom Klosterhof in Richtung Neuenhof. Echte Mönche? Wenn ja, dann sind es vermutlich Zisterzienser aus der Territorialabtei Wettingen-Mehrerau, die hier zu Besuch weilen.

Wenn sie aber nicht echt sind, was tun sie dann hier? Fragen über Fragen – die Antworten liegen auf der Klosterstrasse. Vier Leichen liegen da, drei unter blutbeschmiertem weissen Leinen, die Vierte wird gerade von der Rechtsmedizinerin einem Augenschein unterzogen.

Ein Planzer-Lastwagen steht am Rand, bis zu den Vordersitzen darunter festgeklemmt das Wrack eines Cabriolets. Die Wettinger Feuerwehrmänner Markus Spörri, Daniel Garbani und ihr Chef Paul Meier sind, Funken sprühend, mit Trennschneidern bei der Arbeit. Die Drei sind echt; die vier Leichen Gott sei Dank nicht.

Zwei richtige Polizisten am Set

Dennoch fährt ein Leichenwagen heran: Es gibt Arbeit für den Bestatter, auf dass Anfang nächsten Jahres wieder Spannung «made im Aargau» die Stimmung in helvetischen Stuben anheizt.

Wieder pflastern Leichen den Weg von Mike Müller alias Bestatter Luc Conrad. Der anthrazitfarbene Anzug sitzt dem 51-Jährigen wie angegossen, der Ausdruck des aus Grenchen stammenden Schauspielers ist seriös, aber keine Leichenbittermiene.

Auch neben dem Set – Kaffeebecher und Zigarette in Händen – wirkt Müller konzentriert. Mineralwasser steht allen frei zur Verfügung; zum Znüni gibt’s frische Sandwiches.

Von der Maskenbildnerin übel zugerichtet, liegt Urs Pfister regungslos auf der Strasse. Der Winterthurer ist von Serien-Beginn an als Statist beim «Bestatter» dabei, spielt bereits zum zweiten Mal eine zwar stumme, aber dennoch eine Hauptrolle, nämlich eine Leiche.

Die Fernseh-Karriere des Aarauers Daniel Leitner hingegen ist erst eine Woche alt. Nachdem seine Frau, Angelica Cavegn Leitner, als zuständige Stadträtin die Bewilligung für «Bestatter»-Dreharbeiten im Aarauer Pflegeheim Herosé erteilt hatte, heuerten Tochter Aline und er als Statisten an.

In jener Folge war Daniel – auf dem Set sind alle per Du – ein Trauernder, jetzt ist er zum Kriminaltechniker in weissem Overall avanciert.

Fünf uniformierte Aargauer Polizisten und eine Polizistin sind vor Ort. Echte «Kantönler» sind allerdings nur Ivan Boutellier und Adrian Fischer von der Mepo Schafisheim.

Sie spielen keine Rolle, haben bloss das Polizeifahrzeug mit der Nummer AG 4 an den Drehort gebracht und blicken fasziniert in das Gewusel von Tontechnikern, Kameraleuten, Assistenten, Beleuchtern, Maskenbildnerinnen und Statisten.

Sie lauschen dem von Regisseur Chris Niemeyer immer wieder kehrenden Kommando «ready and action», worauf Manuel aus luftiger Höhe noch einmal und noch einmal filmt, wie Mike Müller als Luc Conrad aus seinem Leichenwagen steigt, die Wettinger Feuerwehrmannen Funken sprühen lassen, Urs Pfister blutüberströmt den Atem anhält und zwei Mönche entsetzt auf die vier Leichen mitten auf der Klosterstrasse herunterblicken.