Bezirksgericht

BMW-Raser mit 118 km/h beim Badener Tor gefilmt – nun wurde er verurteilt

Der Tatort: Am Badener Tor fuhr der Verurteilte 65 km/h zu schnell.

Der Tatort: Am Badener Tor fuhr der Verurteilte 65 km/h zu schnell.

Das Bezirksgericht Baden verurteilt einen 24-Jährigen zu 14 Monaten bedingter Freiheitsstrafe. Er war innerorts auf der Mellingerstrasse viel zu schnell unterwegs.

Es war eine aussergewöhnlich kurze Gerichtsverhandlung. Am Mittwochmorgen, kurz vor 8 Uhr, kam der 24-jährige Beschuldigte mit seinem Verteidiger ins Bezirksgericht im Badener Falken. Angeklagt war er wegen «qualifizierter Verletzung der Verkehrsregeln». Er war im September 2017 von der Polizei gefilmt worden, wie er mit seinem BMW 530 auf der Mellingerstrasse beim Badener Tor mit 118 Stundenkilometern stadteinwärts fuhr – statt der erlaubten 50 km/h. Abzüglich der Toleranz waren das 65 km/h zu viel.

Der junge Mann lächelte vor der Verhandlung am Mittwoch. Vermutlich weil er wusste, was auf ihn zukommt. Der Türke aus dem Bezirk Kulm war dunkel gekleidet, trug schwarze Lackschuhe und halblanges, dunkles Haar. Seine fast vollständig tätowierten Hände waren geschmückt mit dicken Silberringen und einer silbernen Uhr. Der Angeklagte sah zwar aus wie ein «böser Bube», trat aber vor dem Gericht ausgesucht höflich auf.

Auf den ersten Blick war es ein ungleiches Kräfteverhältnis im Gerichtssaal: auf der einen Seite der Beschuldigte mit seinem Anwalt, auf der anderen Seite fünf Richterinnen und Richter und die Gerichtsschreiberin. Die Staatsanwältin fehlte bei der Verhandlung, denn sie hatte sich im Vorfeld mit dem Beschuldigten auf ein abgekürztes Verfahren geeinigt. Das bedeutet, dass in der Regel die Strafanträge der Staatsanwaltschaft eins zu eins zu einem Urteil erhoben werden. Aufgrund des «Raserartikels» im Strafgesetzbuch muss bei Strafanträgen über sechs Monaten Freiheitsstrafe ein Einzelrichter entscheiden, bei Anträgen über einem Jahr das fünfköpfige Gericht.

Schon zweifach vorbestraft

Neben der massiven Geschwindigkeitsübertretung auf seinem Arbeitsweg – er arbeitet in Baden und verdient laut eigener Aussage monatlich rund 2500 Franken netto – wurde dem Angeklagten zusätzlich mehrfache Verletzung der Verkehrsregeln vorgeworfen, weil er sowohl bei der gefilmten Fahrt mit seinem BMW als auch ein andermal mit einem Audi A6 vor dem Badener Tor über die ausgezogene Linie und eine Sperrfläche fuhr, um zu überholen. Im Vorverfahren begründete er das damit, dass er pünktlich bei der Arbeit habe erscheinen müssen. Den Fahrausweis ist er seit dem Vorfall im September los. Seither fährt er mit dem öffentlichen Verkehr zur Arbeit. Der Beschuldigte war schon zweifach vorbestraft, allerdings nicht einschlägig, sondern wegen Drogendelikten. Auf die Frage von Richter Werner Kummer, wie er es heute mit den Drogen halte, sagte er: «Ich habe seither probiert, mein Leben auf die Reihe zu bekommen.»

Nach einer kurzen Beratung sagte Gerichtspräsident Daniel Peyer, das Gericht habe sich dazu durchgerungen, die Anklageschrift zum Urteil zu erheben. Es verurteilte den Angeklagten damit zu 14 Monaten Freiheitsstrafe bedingt (bei einer Probezeit von vier Jahren) und zu einer Busse von 2000 Franken. Nach nur einer halben Stunde war die Verhandlung vorbei. Peyer gab dem Verurteilten einen Rat: «Sie sind jetzt ein vorbestrafter Raser. Falls sie den Fahrausweis wieder bekommen, hören Sie auf damit.» Auch wenn der junge Mann von sich behaupte, er sei ein sicherer Fahrer, könne man bei so hohen Geschwindigkeiten nie einschätzen, was passiert. «Nehmen Sie sich das zu Herzen, damit wir Sie nicht mehr vor Gericht sehen.»

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