Baden
Bodenmann giftelt am EWR-Gipfel in Baden gegen den Aargau

Drei politische Schwergewichte trafen sich in der Aula der Berufsfachschule Baden zu einem unterhaltsamen Schlagabtausch: Christoph Blocher (SVP), Peter Bodenmann (SP) und Franz Steinegger (FDP) . Bodenmann liess dabei kein gutes Haar am Aargau.

Irena Jurinak
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20 Jahre nach dem Nein zum EWR: Blocher, Steinegger und Bodenmann debattieren über die Folgen
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Christoph Blocher (SVP), Peter Bodenmann (SP) und Franz Steinegger (FDP) mit Moderator Patrik Müller, Chefredaktor «Der Sonntag».
Bodemann errinnerte die Aargauer daran, dass sie mal Untertanen waren.
Volles Haus: Die Zuhörer kamen in Scharen und bereuten das Kommen nicht.
Franz Steinegger, ehemaliger Präsident der FDP Schweiz.
SVP-Chefstratege Christoph Blocher in seiner liebsten Pose.
Christoph Blocher gab sich kämpferisch wie immer.
Die Aula der Berufsfachschule Baden war bestens gefüllt. Vor allem Männer kamen.

20 Jahre nach dem Nein zum EWR: Blocher, Steinegger und Bodenmann debattieren über die Folgen

Alex Spichale

Die drei politischen Streihähne diskutierten unter der Leitung von Patrik Müller, Chefredaktor des «Sonntags» über die Folgen des EWR-Neins vor 20 Jahren und die Zukunft der Schweiz in der EU.

Das Podium über eine der wohl wichtigsten Abstimmungen der letzten Jahrzehnte fand in einer geschichtsträchtigen Lokalität statt: Die Aula der Berufsfachschule Baden im Martinsbergquartier liegt im ehemaligen Wohlfahrtshaus der ABB. Unter Edwin Somm hatte sich das Unternehmen im Abstimmungskampf vor 20 Jahren für einen Beitritt der Schweiz zum EWR stark gemacht, wie Gesprächsleiter Patrik Müller einleitend erklärte.

«Märli-Onkel Blocher»

Mit Christoph Blocher (SVP), Peter Bodenmann (SP) und Franz Steinegger diskutierten am Mittwochabend auf Einladung des «Sonntag» in der fast bis auf den letzten Platz besetzten Aula drei zentrale politische Akteure des damaligen Abstimmungskampfes über die Folgen des Volksneins zum EWR und die Zukunft der Schweiz in der EU.

Gespannt lauschten die Zuhörer der Diskussion der alten Kontrahenten, die sich mit gezielten Seitenhieben - «Märli-Onkel Blocher» und «Blocher-Birchermüesli» - einen unterhaltsamen Schlagabtausch lieferten. Auch wenn der Walliser Peter Bodenmann zu Beginn noch etwas leise sprach und erst nach einem Zuruf aus dem Publikum auch bis in die hinteren Ränge zu verstehen war.

Nicht zum letzten Mal gehört - und auch nicht zum ersten Mal

Zuweilen kam das Gefühl auf, man höre die Argumente beider Seiten nicht zum ersten - und wohl auch nicht zum letzten Mal. So ging ein zustimmendes Gemurmel durch die Zuhörer als Franz Steinegger darauf hinwies, es sei müssig über einen EU-Beitritt zu diskutieren, da dieser in der Bevölkerung sowieso keinen Rückhalt habe. Die drei Politiker debattierten so gesittet und spielten einander die Bälle zu, dass Patrik Müller kaum in das Gespräch eingreifen musste. Allerdings hätte manch einer Peter Bodenmann gerne ein Ricola angeboten, als dieser laut ins Mikrofon hustete, ausgerechnet als Christoph Blocher über Griechenland und den Euro als Fehlkonstruktion sprach.

Wie emotional das Thema EWR- und EU-Beitritt immer noch ist, war schliesslich in der Fragerunde zu spüren. Die Zuhörer wollten wissen, wie man sich gegen den Druck auf die Schweiz wehren könne, warum man etwas ändern solle, was gut funktioniere und ob die EU als Vorbild tauge, da sie als grosses Gebilde zum Scheitern verurteilt sei, wie einst die Sowjetunion.

Der Aargau - ein Untertanenland

Doch auch die ewige Kritik an der EU wurde thematisiert. Schliesslich sei diese eine Kopie der Schweiz. Worauf Franz Steinegger sich gegen ein EU-Bashing aussprach und Peter Bodenmann anhand eines lokalen Beispiels erklärte, dass man die Schweiz nicht idealisieren dürfe - der Aargau sei schliesslich einst Untertanenland gewesen und erst von Napoleon befreit worden.

Der Walliser schonte die Aargauer auch sonst nicht, erklärte er doch, wäre man 1992 dem EWR beigetreten, hätte man weiterhin über deutsches Hoheitsgebiet fliegen können. Nun würden die Aargauer jeden Morgen und jeden Abend an das Volksnein erinnert. Für genug Gesprächsstoff am anschliessenden Apéro war damit auf alle Fälle gesorgt.

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