Ein öffentliches, kosenloses Thermalbad für jedermann: Geht es nach der Gruppe Bagni Popolari könnte eine solche Idee dereinst in Baden umgesetzt werden. «Wir betrachten das Thermalwasser als einen von der Natur gespendeten Reichtum. Uns interessiert, wie man in Baden authentisch und unter freiem Himmel baden kann», sagt Marc Angst von «Bagni Popolari».

Die Gruppe war es denn auch, welche diesen Herbst am Animationsfestival Fantoche während dreier Tage auf dem Kurplatz ein solches Bad erstellte – das «Bagno Popolare», das auf riesige Resonanz stiess.

Kritik an «Schachtdeckel-Konzept»

Benno Zehnder, Mit-Investor und VR-Mitglied der Verenahof AG, äussert sich zu einem «Bagno Popolare» differenziert. Von einem improvisierten Becken hält Zehnder, der bereits einige Millionen Franken in die Projektierung des Botta-Bades gesteckt hat, nicht allzu viel.

Und doch spricht auch er sich für ein Gratis-Angebot aus und denkt dabei in erster Linie an das ehemalige St. Verenabad. «Das wäre eine absolute Bereicherung für das gesamte Bäderquartier; ich predige das seit Jahren», so Zehnder.

Mit dem von der Stadt angedachten «Schachtdeckel-Konzept», wie es Zehnder nennt, sei es nicht getan. «Wer kommt schon wegen ein paar Schachtdeckeln, die auf ehemalige Bäder hinweisen, extra in Bäderquartier?» Zehnder liefert die Antwort gleich selbst: «Niemand. Wenn man zusätzlich zum Botta-Bad Gäste ins Bäderquartier locken will, braucht es etwas Authentisches.»

Und das wäre aus seiner Sicht ein wieder ins Leben gerufene St. Verenabad. Das ehemalige Bad liegt heute rund 1,8 Meter unter dem Kurplatz. «Ich stelle mir ein kleines Bad vor, in welchem man zumindest die Füsse baden könnte, eventuell aber auch ganz mit Badehosen reinsitzen könnte.» Ob sich dieses Projekt überhaupt realisieren liesse, wisse er auch nicht. «Ich glaube aber, die Chancen stünden nicht schlecht. Die Stadt sollte es wenigstens prüfen.»
Wer würde das Gratis-Bad finanzieren?

Stephan Güntensperger von der Mitinvestorin «Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach+Baden» kann der Idee eines «Bagno Popolare» nicht viel abgewinnen. Dabei führt er drei Gegenargumente ins Feld. «Das ehemalige St. Verenabad wieder in Betrieb zu nehmen, ist schon nur deshalb nicht möglich, weil der Kurplatz als Knotenpunkt passierbar bleiben muss – zum Beispiel auch für die Feuerwehr», so Güntensperger.

Abgesehen davon sei nicht die Verenahof AG, bei der die Stiftung Mehrheitsaktionärin ist, für die Gestaltung des Kurplatzes zuständig, sondern die Stadt Baden. «Wir sind hier quasi nur Zuschauer.» Güntensperger kann sich auch nicht vorstellen, wo es sonst Platz für ein solches Bagno Popolare haben sollte.

Doch Güntensperger ist auch ganz generell gegen eine solche Idee und geht anders als etwa Marc Angst davon aus, dass ein solches Gratis-Bad das Botta-Bad konkurrenzieren würde. «Das wäre doch ein klassisches Eigengoal und in der Schweiz ein absolutes Novum.»

Dass dieses «Novum» auch dazu beitragen könnte, dass das Bäderquartier mehr Gäste anlockt, glaubt Güntensperger nicht: «Damit das Botta-Bad, das erhebliche Investitionen erfordert, auch rentiert, sind wir auf hohe Frequenzen angewiesen. Da macht es doch überhaupt keinen Sinn, daneben noch ein Gratis-Becken zur Verfügung zu stellen.»

Güntensperger: «Wir werden die Eintrittspreise so gestalten, dass das neue Thermalbad für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich sein wird.» Er gibt auch zu bedenken, dass selbst ein verhältnismässig kleines Bad Kosten nach sich ziehen würde. «Ich frage mich, wer das finanzieren soll in Zeiten, in denen bei der Stadt Baden gespart werden muss.»

Selbst wenn das Thermalwasser vorhanden wäre – die Verenahof AG stellte übrigens während des «Fantoche» das Thermalwasser für das Bagno Popolare gratis zur Verfügung – würden Kosten für Sicherheit, Aufsicht und Hygiene anfallen. «Beim Bagno Popolare hat man diesbezüglich wohl in Anbetracht der kurzen Betriebsdauer beide Augen zugedrückt», so Güntensperger.

Grundsätzlich zeigt sich die Stadt offen für solche Ideen, wie Projektleiterin Katrin Reimann im «Badener Tagblatt» letzte Woche signalisierte. Jedoch besitze die Stadt nur einen kleinen Teil des gesamten Badener Quellwassers.

Mit anderen Worten: Um eine solche Idee zu realisieren, müssten weitere Quellenbesitzer ihr Thermalwasser zur Verfügung stellen. Auch da sieht Zehnder kein Problem: «Es gibt verschiedene Private, die etwas von ihrem Quellwasser an ein solches öffentliches Bad geben könnten.»