Die geplante Neubebauung des Brisgi-Areals im Badener Kappelerhof ist einen Schritt weiter: Für das Projekt der städtischen Wohnbaustiftung Baden liegt zurzeit der vom Brugger Raumplanungsbüro Metron ausgearbeitete Sondernutzungsplan öffentlich auf. Bis zum 4. Juni sind die Unterlagen bei der Abteilung Planung und Bau im Roten Turm sowie auf der Website der Stadt einsehbar.

Beim Gebiet Brisgi handelt es sich um ein Schlüsselgebiet der Badener Bauentwicklung: Rund 570 zusätzliche Einwohnerinnen und Einwohner könnten hier in 190 Wohnungen einziehen. Hier lebten einst bis zu 1500 Gastarbeiter in der Barackensiedlung der Brown, Boveri & Cie. Die städtische Wohnbaustiftung Baden wurde vor sieben Jahren mit einem Kapital von 10 Millionen Franken gegründet. Sie hat zum Ziel, preisgünstigen Wohnraum anzubieten. Im Herbst 2016 wählte eine Jury das Projekt «Kandalama» auf den ersten Platz des Architekturwettbewerbs. Es wurde vom Badener Büro Meier Leder Architekten gemeinsam mit dem Zürcher Büro Müller Sigrist entworfen.

Zu viel Verkehrslärm?

Im Juni 2018 lief das Mitwirkungsverfahren zum Gestaltungsplan. Dabei gab es zwei Eingaben, die nun in den Sondernutzungsplan eingeflossen sind: Eine Eingabe mit zahlreichen Aspekten hat der gemeinnützige Verein Casarta eingereicht, der in den bestehenden «Punkthäusern» an der Brisgistrasse günstige Wohnungen anbietet. Die beiden Häuser erstellte die BBC 1961 für ihre Arbeiter neben der Barackensiedlung.

Später verkaufte die BBC die Häuser an den «Verein für billiges Wohnen», den heutigen Verein Casarta. Die Grundstücke, auf denen die beiden «Punkthäuser» und auch das Brisgi-Hochhaus von 1964 stehen, gehören der Einwohnergemeinde Baden, die das Land im Baurecht bis 2092 abgegeben hat. Sie sind auch Bestandteil des Sondernutzungsplans.

Der Verein Casarta forderte in seiner Eingabe unter anderem, dass der Verkehrslärm im Brisgi nicht zunimmt und keine Fussgänger und Kinder gefährdet werden. Der Mehrverkehr auf der Brisgistrasse zu den neuen Häusern werde die Wohnqualität beeinträchtigen. Auch die zweite, private Eingabe forderte eine bessere Lösung der Strassensituation. Die bestehende Brisgistrasse führt bisher rund um die ganze Siedlung herum am Waldrand entlang. Daran hält das Neubauprojekt fest, unterirdisch entsteht eine neue Tiefgarage.

Neues Mobilitätskonzept

Die Stadt Baden hält dagegen, eine neue Verkehrsführung würde unverhältnismässig hohe Kosten verursachen. Deshalb wolle man an der bestehenden Brisgistrasse festhalten. Unter anderem mit einem reduzierten Parkplatzbedarf und einem Mobilitätskonzept wolle man sicherstellen, dass der Mehrverkehr für die bereits ansässigen Bewohner verträglich werde. Die Brisgistrasse solle ausserdem dereinst im Sinne des Mischverkehrs umgebaut werden. Ein Zeitplan für das Strassenprojekt stehe noch nicht fest.

Die bestehenden Garagen am Waldrand sollen abgebrochen werden, dafür soll es ein umfassendes Parkplatz-Konzept geben. Im Gestaltungsplan wird auch die Förderung des Langsamverkehrs im Brisgi festgehalten. Dem werde Rechnung getragen, indem der Plan ein dichtes, öffentliches Fusswegnetz vorschreibt, wie es von der Stadt heisst. Weitere Punkte, die im Mitwirkungsverfahren kritisiert wurden, sind der fehlende Bezug zum restlichen Quartier Kappelerhof, zum Limmatraum und auch zum nahen Bäderquartier. Der Gestaltunsplan hält allerdings explizit fest, dass es einen verbesserten Zugang vom Brisgi zum Kraftwerk Kappelerhof und zum Limmatraum geben soll. Das beinhaltet auch den Fuss- und Velosteg Richtung Nussbaumen und eine Freizeitanlage mit Aussichtsplattform an der Limmatböschung.

Quartierplatz und Kapelle

Im Brisgi soll es einen zentralen Quartierplatz geben. Zudem wird auch die Brisgi-Kapelle im Sondernutzungsplan ausgewiesen. Die kleine Kapelle an der Limmatböschung wurde 1959 von der Familie Gaiffi errichtet, die das Brisgi-Areal lange Zeit für die BBC verwaltet hat. Letztmals wurde die Kapelle von der Familie im Jahr 2005 renoviert. Die Kapelle ist inzwischen das einzige Zeugnis aus der Zeit der Barackensiedlung und soll mit der Aufnahme in den Gestaltungsplan für die Zukunft gesichert werden.

Damit das Projekt der Wohnbaustiftung weiterentwickelt werden kann, muss nun noch der Sondernutzungsplan bewilligt werden. Wenn alles nach Plan läuft, könnten in den neuen Häusern im Brisgi frühestens ab 2022 die ersten Bewohner einziehen. Das kantonale Departement Bau, Verkehr und Umwelt hat die Vorlage geprüft und ihr mit wenigen Anmerkungen zugestimmt.