BT-Kolumne
Das Leben ist ein Suppenlöffeln

Unser Kolumnist Hans Oldani alias Jean zu einer Wanderung voller Fettnäpfchen.

Hans Oldani*
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Pius Amrein/Archiv

Es wäre ja überraschend, wenn meine Wanderung mit den Sportsfreunden Carlo und Romano zur SAC-Hütte ohne Aufregung über die Alpenbühne gegangen wäre. Bei uns dreien seien Fettnäpfchen garantiert, sagt der Volksmund, respektive Gianna. Was natürlich masslos übertrieben ist.

Okay, nach der ersten Etappe mit der Gondelbahn, beim Kaffee auf der Sonnenterrasse, wo sich am Nebentisch eine attraktive Brünette mit Gipfeli und Verveinetee verlustierte, sahen wir alt aus.

Wer sie angesprochen hat, weiss ich nicht mehr, wahrscheinlich fragten wir sie nach erfolgreichem Anfangsgeplänkel im Chor: «Wandern Sie auch zur Hütte?» «Ja, habe ich vor.» «Wollen Sie sich uns anschliessen?» «Danke, aber ich warte auf meinen Mann, der noch zu Fuss unterwegs ist.» Worauf wir zügig losmarschierten.

Die Wanderung zur Hütte war durchaus schweisstreibend. Im obersten Teil lag noch etwas Schnee, es hatte vereiste und morastige Passagen, die zum Ausrutschen einluden. Oben angekommen, stolz und fidel, entledigten wir uns bald der verschwitzten T-Shirts.

Da standen wir nun, oben ohne, die nackte Offenbarung. Und wer erschien just strammen Schrittes? Genau, die Terrassen-Brünette mit ihrem Mann. Gross, sportlich, muskulös, bodygebildet. Noch nie kam mir mein Bauch so dick vor.

Tja, das Leben ist kein Zuckerschlecken, aber immerhin ein Suppenlöffeln. Auf dem besonnten Esstisch breitete ich das verschwitzte T-Shirt zwischen Suppenteller und Brotkörbchen gepflegt zum Trocknen aus. Was wiederum den Hüttenwart auf den Plan rief. Den Dialog mit diesem ebenfalls imposanten Mannsbild erspare ich an dieser Stelle der sensiblen Leserschaft.

Nach dem emotionalen folgte der physische Abstieg auf dem steilen, glitschigen Wanderweg. Carlo und Romano, obwohl erfahrene Wandervögel, hatten im Gegensatz zu mir (bravo!) keine Stöcke dabei. Und es folgte, was die geneigte Leserschaft schon längst geahnt hat: Carlos Ausrutscher im braunen Morast und sein Fall auf den Allerwertesten. Zum Glück ohne ernsthafte Folgen, wenn man davon absieht, dass er abends mit verdreckten Klamotten im feinen Speiserestaurant Platz nehmen musste.

Was noch anzufügen bleibt: Bei der Rückkehr zum Auto entdeckte Carlo seine Wanderstöcke. Seine treubesorgte Ehefrau hatte sie morgens in den Kofferraum gelegt, sicher ist sicher. Carlo, so sagt er jedenfalls, hatte nichts davon mitbekommen.

Jean

*Hans Oldani alias Jean wohnt in Wohlenschwil. Er ist Autor des Buchs «Haben wir schon angestossen?» mit fast 50 Kolumnen.

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