BT-Kolumne
Warum Pfarrer Welti nach Baden kam

Unser Kolumnist Hans Oldani alias Jean über die grosse Bedeutung von Wohlenschwil.

Hans Oldani*
Hans Oldani*
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Peter Welti in einem zeitgenössischen Stich.

Peter Welti in einem zeitgenössischen Stich.

CH-000051-7 GP/W-0055. Titel: Welti, Peter (Lithographie)

Sachen gibt’s! Fragte mich doch kürzlich ein Sportsfreund, ob die Gemeinde Wohlenschwil überhaupt noch im Bezirk Baden liege. Mensch Meier, diese Frage! (Exgüsi an alle Meiers.) Wieder einer, dachte ich, der seinerzeit einen Fensterplatz im Heimatkundeunterricht gehabt hatte.

Mit Verlaub – bisher war ich der Meinung, dass jede und jeder im Einzugsgebiet des «Badener Tagblatts» Wohlenschwil kennt. Schon aus politischen Gründen: Wir haben seit 1998 den gleichen Gemeindeammann. Was heisst hier «Ammann»? Eine Frau Gemeindeammann! Da können andere noch lange von Gleichberechtigung predigen, wir haben sie seit fast einem Vierteljahrhundert!

Wohlenschwil sollte auch aus andern Gründen bekannt sein. Wir haben die schönste Aussicht auf die neue Mellinger Umfahrungsstrasse, haben bei weitem nicht den höchsten Steuerfuss im Kanton und seit dem Bauernkrieg im Jahre 1653 auch mehr oder weniger Ruhe im Dorf. (Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.)

Und natürlich: von den zahlreichen «Alten Kirchen» im Bezirk haben wir bei aller Bescheidenheit die schönste. Vielleicht auch die bekannteste, schon wegen des Wohlenschwiler Pfarrers Welti, der 1834 beim Landvogteischloss in Baden vor Tausenden von Zuschauern durch das Schwert hingerichtet wurde. Was ihm vorgeworfen wurde? Postkutschenraub, Brandstiftungen, Schwängerung der Haushälterin. Zu seinen «Ehren» wird das Freilichtspiel «Schwertstreich» im September in Wohlenschwil aufgeführt.

Voilà, liebe Sportsfreunde, soweit der Werbespot, der nicht vollständig ist. Ich könnte noch vom einladenden Erholungsgebiet an der Endmoräne des Reussgletschers erzählen. Oder von den legendären Volksfesten (das nächste ist soeben auf 2022 verschoben worden).

Was ich noch loswerden muss, ist ein provinzieller Ratschlag ins städtische Baden: In Sachen Fusion mit Turgi sollten sich die Verantwortlichen vertrauensvoll in Wohlenschwil erkundigen, auf welche Weise man einen Zusammenschluss anpacken könnte. Der Ortsteil Büblikon war nämlich bis 1905 selbstständig und fusionierte dann mit Wohlenschwil. Gegen den Willen des Volkes, durch einen Beschluss des Grossen Rates. Nichts leichter als das.

*Hans Oldani alias Jean wohnt in Wohlenschwil. Er ist Autor des Buchs «Haben wir schon angestossen?» mit fast 50 Kolumnen.

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