Prozess in Baden

Buben in Aargauer Kita sexuell missbraucht: Der Lehrling muss ins Gefängnis

Lehrling vor Gericht: Kita-Betreuer soll drei kleine Knaben sexuell missbraucht haben

Lehrling vor Gericht: So berichtete TeleM1 vom ersten Prozesstag.

Das Badener Bezirksgericht hat einen 28-Jährigen in zwei Fällen wegen sexuellem Missbrauch an Kleinkindern zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe verurteilt. In einem dritten Fall sprach es ihn im Zweifel für den Angeklagten frei.

Der Angeklagte sorgt an der Verhandlung vom Dienstag vor dem Badener Bezirksgericht für eine Überraschung: Nach den Plädoyers nutzt er die Gelegenheit zum Schlusswort. Er dreht sich um, blickt zu den Eltern eines Buben, den er sexuell missbraucht hat, und sagt mit brüchiger Stimme: «Ich möchte mich bei Ihnen von ganzem Herzen entschuldigen. Ich wünschte, ich könnte es rückgängig
machen.»

Vor einiger Zeit hatte der 28-Jährige den Eltern schon einen Brief geschrieben. 
Der Mann gab am ersten Verhandlungstag zu, sich im Mai 2018 an einem Vierjährigen vergangen zu haben. Er absolvierte damals in einer Kita in der Region Baden eine Lehre als Kleinkinderzieher. In der Mittagspause ging er in den Gruppenraum, in dem die Kinder schliefen, und nahm das Geschlechtsteil des Buben in den Mund. Als dieser erwachte, liess der Betreuer von ihm ab.

Übergriffe an schlafenden Buben in Mittagspause

Angeklagt war der Mann auch wegen des sexuellen Missbrauchs und der Schändung von zwei weiteren zwei- bis dreijährigen Buben von Oktober 2016 bis Mai 2018. An jenem Tag erzählte der Bub seinem Vater, der Betreuer habe «mein Schnäbi in den Mund» genommen. Der Lehrling verlor seine Stelle. Nachdem die Kita die Eltern informierte, meldeten sich zwei weitere Ehepaare mit ähnlichen Vorwürfen an den Lehrling.  Auch an ihren Buben soll er sich mehrfach in der Mittagspause vergangen haben. Diese Vorwürfe stritt der Mann ab.

Die Parteien beurteilten die Aussagen der Kleinkinder aus früheren Einvernahmen und ihrer Eltern vor Gericht sehr unterschiedlich. Die Strafanträge an der Verhandlungen gingen dementsprechend weit auseinander.

Verteidigung fordert Geldstrafe

Der Staatsanwalt forderte einen Schuldspruch für alle drei Fälle und eine zu vollziehende einjährige Gefängnisstrafe plus zwei Jahre bedingt bei einer Probezeit von drei Jahren. Ausserdem ein lebenslängliches Tätigkeits- und Berufsverbot mit Minderjährigen sowie – wegen der Rückfallgefahr – eine Psychotherapie.

Der Verteidiger dagegen forderte einen Freispruch in den zwei umstrittenen Fällen sowie im Anklagepunkt der Schändung. «Zweifel gibt es in diesem Fall sehr viele», sagte er. Er forderte für seinen nicht vorbestraften Mandanten eine bedingte Geldstrafe von 160 Tagessätzen à 60 Franken.

Schuldig in zwei der drei Fälle

Das Gericht unter dem Vorsitz von Christian Bolleter sprach den ehemaligen Kita-Lehrling schuldig in zwei Fällen. Beim umstrittenen Fall hielt es dem Beschuldigten widersprüchliche Aussagen vor und stützte sich auf die glaubwürdigen Aussagen der Eltern, des Buben und seine posttraumatische Belastungsreaktion ab. Beim dritten Fall entschied es sich im Zweifel für den Angeklagten zu einem Freispruch. «Die Aussagen bleiben zu vage», sagte Bolleter. «Wie bei einem Puzzle, bei dem zu viele Teile fehlen, um ein klares Bild zu geben.»

Das Gericht verurteilte den 28-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr sowie zu 20 Monaten bedingt bei einer Probezeit von 3 Jahren. Christian Bolleter sagte:

Das Gericht sprach ein Tätigkeits- und Berufsverbot für 10 Jahre und Genugtuungen von insgesamt 21'000 Franken aus. Zudem ordnete es eine Psychotherapie an.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der 28-Jährige hatte am ersten Verhandlungstag am Montag bereits angekündigt, bei einer unbedingten Freiheitsstrafe in Berufung gehen zu wollen.

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