Die jetzigen Drittklässler an der Kantonsschule Wettingen sind die Letzten, die in ihrem Abschlussjahr in der Woche vor den Herbstferien mit ihren Klassenkameraden und zwei Lehrern in eine fremde Stadt reisen dürfen.

Doch ganz so schlimm sei es nicht, sagt Kurt Wiedemeier, Rektor der Kanti Wettingen: «Wir haben lediglich eine Umwertung vorgenommen.» In Zukunft soll die Woche vor den Ferien für Schwerpunktfach-Themen und -Reisen genutzt werden. «Die Aktivitäten mit den Schwerpunktfächern haben in letzter Zeit immer mehr zugenommen. In einigen Fächern wie Französisch oder Italienisch liegt eine Reise auch auf der Hand.»

Entscheid gegen Vergnügungsreise

Beide Reisen beizubehalten, sei nicht möglich, da Schüler und Lehrer zu oft während der Unterrichtszeit fehlen. Die Maturreise und die vielen anderen Reisen und Exkursionen seien für Schule und Eltern ausserdem eine zusätzliche finanzielle Belastung: «Heute arbeiten nur wenige unserer 120 Lehrpersonen Vollzeit. Gehen sie auf Maturreise, haben sie für diese Woche aber Anspruch auf den Lohn für ein volles Pensum.»

Die Schulleitung habe eine vernünftige Regelung für das Problem gesucht. Gemeinsam mit der Mehrheit der Lehrpersonen habe sie sich für die Reise mit dem höheren Bildungsanspruch und gegen die Vergnügungsreise entschieden. «Manchmal braucht es den Mut, alte Muster aufzugeben, damit neue Ideen Platz haben. Wir können nicht immer mehr Aktivitäten anbieten, ohne dass der Unterricht darunter leidet.»

Schüler zweifeln an neuer Lösung

Die Klassen können in den Ferien oder nach den Maturitätsprüfungen eine Reise unternehmen, die sie selber organisieren. Diese ist jedoch kein offizieller Schulanlass mehr. «Wenn die Klasse eine Lehrperson als Begleitung mitnehmen will, muss diese ihre Ferien daran geben. Die Schule übernimmt aber ihre Spesen», sagt Wiedemeier.

Florian Walter, Präsident der Schülerorganisation, versteht den Entscheid: «Es ist ein Verlust, dass es die Maturreise nicht mehr gibt. Gewisse Argumente zur Abschaffung kann ich aber nachvollziehen.»

Er ist sich jedoch nicht sicher, ob sich die Alternative mit der Reise in den Ferien bewähren wird. «Ich habe von einigen Lehrern erfahren, dass sie zwar gerne mit ihrer Klasse auf die Reise gehen würden, dafür aber nicht ihre Ferien hergeben wollen.»