Watt d'Or
Bund ehrt Umweltpionier Walter Schmid für sein Lebenswerk

Mit dem Preis Watt d’Or prämiert das Bundesamt für Energie exzellente Energieprojekte. Gestern wurde Walter Schmid, Bauherr der Umwelt Arena in Spreitenbach, für sein Lebenswerk geehrt.

Dieter Minder
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Umweltpionier und Unternehmer Walter SchmidWal/AZ Archiv

Umweltpionier und Unternehmer Walter SchmidWal/AZ Archiv

«Die Jury Watt d’Or ist von diesem Mann, der im wahrsten Sinne des Wortes Gas gibt, sehr beeindruckt», sagte Marianne Schmid, Mitglied der Geschäftsleitung des Bundesamtes für Energie (BFE). Und dann bat sie Walter Schmid auf die Bühne im Berner Messezentrum: Walter Schmid, den Erfinder von Kompogas, den Bauherren der Umwelt Arena in Spreitenbach.

Vor rund 400 Gästen überreichte ihm Max Nötzli, Jurymitglied von Watt d’Or (Box rechts), den Spezialpreis der Jury: «Es ist eine Anerkennung für sein Lebenswerk», denn: «Schmid ist alles andere als ein verträumter Öko-Fundi.» An der Preisverleihung wurden neben Schmid noch 5 weitere Projekte ausgezeichnet (Artikel unten)

Der Weg zum Energiepionier

«Ursprünglich wollte Walter Schmid Rennfahrer werden», sagte Zünd. Weil dies eine teure Sache war, verlegte er sich vorerst aufs Geld verdienen und wurde Bauunternehmer. Er gründete in Glattbrugg die W. Schmid & Partner. In den 1970er-Jahren baute er die ersten Häuser in der Schweiz mit Sonnenkollektoren, Holzschnitzelheizungen und Wärmepumpen. Eine Tiefbohrung erlaubte, eine Überbauung mit 330 Wohnungen mit Geothermie zu heizen, wodurch sich 70 Prozent des Energieverbrauches einsparen liessen.

Auch das erste Bürogebäude mit Solarfassade und das erste Minergie-Mehrfamilienhaus entstanden unter seiner Führung. Der Traum vom Autofahren verfolgte ihn weiter: Er entwickelte einen Elektrobus, der alle begeisterte, den aber niemand kaufen wollte. «Ihm wurde klar, dass erfolgreiche Produkte nicht nur umweltfreundlich, sondern auch wirtschaftlich sein müssen.»

Gas aus Grüngut

Als es bei seinen Fermentierungsexperimenten mit Küchenabfällen auf dem Balkon knallte, war dies der Startschuss für eine geniale Idee. Diese Kraft, die in einer verfaulten Bananenschale steckt, müsste man doch in einen Tank bringen und damit günstig und CO2-frei Auto fahren können. Der Grundstein zu seinem weltweit beachteten Kompogasverfahren war damit gelegt. Damit wird aus Grüngut Gas hergestellt, das in die Gasleitungsnetze eingespiesen wird.

Heute sind im In- und Ausland Kompogasanlagen in Betrieb, eine steht in Otelfingen. Zahlreiche Gemeinden der Region liefern Grüngut dorthin. Sein neustes Projekt ist die Umwelt Arena in Spreitenbach. Der energetisch konsequent optimierte Bau wird im Sommer 2012 eröffnet. Bundesrätin Doris Leuthard hat ihre Teilnahme bereits angekündigt.

Die Umwelt Arena soll eine Plattform für Anbieter und Käufer sein, sie soll allen zeigen, was es heute an wirtschaftlich und energetisch sinnvollen Lösungen gibt und wie und mit wem man diese verwirklichen kann. Die Vorstellung bei der Preisverleihung schloss Marianne Zünd mit den Worten ab: «Walter Schmid ist doch noch Rennfahrer geworden und hat sich 1996 den Europameistertitel im Auto-Cross geholt.»

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