Aufenthaltsgenehmigung
Bundesgericht: Frauenbetrüger muss nach Haft zurück in die Türkei

Ein 30-jähriger Türke ist mit einer Beschwerde vor dem Bundesgericht abgeblitzt. Nach einer Haftstrafe muss er damit die Schweiz verlassen. Er hatte mehreren Frauen die grosse Liebe versprochen und sie um 125'000 Franken betrogen.

Philipp Zimmermann
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Der Türke, als er im September 2013 zur Verhandlung ins Bezirksgericht Baden gebracht wird. (Archiv)

Der Türke, als er im September 2013 zur Verhandlung ins Bezirksgericht Baden gebracht wird. (Archiv)

Tele M1

Der heute 30-jährige Türke sorgte im September 2013 für viel Aufsehen. Er hatte fünf einsamen Frauen die grosse Liebe versprochen. Diese liessen sich blenden und schenkten ihm ihr Herz. Er gaukelte ihnen vor, Geld für Investitionen in die gemeinsame Zukunft zu brauchen – und erleichterte sie um insgesamt 125‘000 Franken.

Teilweise gaben sie ihm die Vollmacht über ihr Konto oder nahmen Kleinkredite auf. Und obwohl er wusste, dass er sich als Teenager mit Hepatitis C angesteckt hatte, schlief er mit den Frauen. Die Gefahr einer Übertragung beim Geschlechtsverkehr ist zwar selten, die Viruskrankheit kann aber zu schweren Leberschäden, in seltenen Fällen sogar zum Tod führen.

Schauspiel vor Gericht

Aus dem Prozess im September 2013 am Bezirksgericht Baden hatte der Türke er ein «grosses Schauspiel» gemacht, wie die az damals berichtete. So sagte der «Frauenbetrüger» beispielsweise zu Beginn: «Herr Gerichtspräsident, ich stehe unschuldig vor Ihnen und werde das heute aufzeigen.»

Dabei gab er den Menschenfreund, den Held und Kämpfer für Gerechtigkeit, las seitenlange Reden vor und wendete sich gern an die Zuhörer im Saal – so als stehe er auf einer Theaterbühne. Eines der Opfer sagte vor Gericht: «Am Anfang war alles schön.» Sie hatte ihn im Internet auf einer Dating-Plattform kennengelernt.

Das Bezirksgericht Baden sprach ihn schuldig des gewerbsmässigen Betrugs und der mehrfachen Verbreitung menschlicher Krankheiten. Es verurteilte ihn zu fünf Jahren Gefängnis und wiederrief eine bedingte Strafe von 21 Monaten, so dass er für 63⁄4 Jahre ins Gefängnis musste.

Vom Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung sprach es ihn «Im Zweifel für den Angeklagten» frei. Der Mann zog mit einer Beschwerde bis vor das Bundesgericht, dessen Entscheid noch aussteht. Deshalb ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Seither sass er aber die längste Zeit in Untersuchungshaft.

Das kantonale Amt für Migration und Integration lehnte es nichtsdestotrotz ab, seine Aufenthaltsgenehmigung zu verlängern, was es bei Freiheitsstrafen von über einem Jahr in der Regel tut. Er legte zwar auch dagegen Beschwerde ein. Doch das Bundesgericht hat diese nun abgeschmettert.

Seit 25 Jahren in der Schweiz

Es folgt der Argumentation der Vorinstanz, dem Aargauer Verwaltungsgericht. Dem ledigen und kinderlosen Türken half es nicht, dass er schon im Alter von fünf Jahren in die Schweiz gekommen war und wie seine Eltern und Geschwister seit 25 Jahren hier wohnt. Denn seine Deliktliste ist lang: Er wurde bereits im Februar 2003 von der Jugendanwaltschaft wegen versuchtem Diebstahl und Hausfriedensbruch verurteilt.

Es folgten Verurteilungen wegen Drogendelikten, Diebstahl und Tätlichkeiten, wegen versuchter schwerer Körperverletzung, grober Verletzungen von Verkehrsregeln und mehr, begangen zwischen 2006 bis 2008. Und jene damit verbundene Gefängnisstrafe von 21 Monaten bedingt, die das Bezirksgericht Baden schliesslich widerrief.

Dazu kommt, dass laut einem Gutachten eine Rückfallgefahr besteht. Auch hat er sich in beruflich nicht integrieren können. So hat er keine Ausbildung abgeschlossen, war immer wieder arbeitslos und hat zeitweise Fürsorgeleistungen bezogen.

(Urteil: 2C_403/2014)