Gratulation
Carl August Zehnder sorgte dafür, dass Informatik zum Schulfach wurde – jetzt wird er 80

Carl August Zehnder feiert Geburtstag – der emeritierte Professor setzte sich dafür ein, dass Informatik zum Schulfach wurde.

Christoph Bopp
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Carl August Zehnder, hier in seinem Haus in Würenlos, Schlüsselfigur an der Schnittstelle von der Informatik zu Wirtschaft und Gesellschaft.

Carl August Zehnder, hier in seinem Haus in Würenlos, Schlüsselfigur an der Schnittstelle von der Informatik zu Wirtschaft und Gesellschaft.

Raphael Hünerfauth

Die Informatik ist die Wissenschaft, die sich mit ihrem Gerät, dem Computer, entwickelt hat. Sie hat nicht nur eine Grundlagen- und eine Ingenieurskomponente, von denen das Publikum nicht unbedingt etwas verstehen muss. Aber Computer sind aus der modernen Gesellschaft nicht wegzudenken. Sie gestalten, bereichern, dirigieren, organisieren – ja, sie ermöglichen unseren Alltag. Und wenn man unter «Bildung» etwa versteht, dass man dem eigenen Alltag nicht ganz verständnislos gegenübersteht, dann gehört Informatik unbedingt zur Allgemeinbildung. Der emeritierte Professor der ETH, Carl August Zehnder, der heute in Würenlos seinen 80. Geburtstag feiern kann, hat das früh erkannt. Und sich stark dafür eingesetzt, dass das Fach Informatik auf allen Stufen unserer Schulbildung seinen Platz bekommt.

Er programmierte Fahrpläne

Zehnder hatte sich 1957 an der ETH als Mathematik-Student immatrikuliert. Aber er arbeitete bereits mit der Elektronischen Rechenmaschine, dem ersten in der Schweiz gebauten Grossrechner der ETH. Zehnder schrieb bei Professor Eduard Stiefel eine Dissertation, in der er sich mit der Berechnung von Stunden- und Transportplänen beschäftigte. 1966 ging er in die USA und programmierte am MIT unter anderem Fahrpläne für die Santa-Fé-Railroad-Company. 1967 kehrte er an die ETH zurück und wurde stellvertretender Direktor mit Lehrauftrag am neu gegründeten Institut für Operations Research.

1969 schloss er sich der Fachgruppe Computerwissenschaften an der ETH an. Dort wirkten die Professoren Heinz Rutishauser und Peter Läuchli sowie der spätere Turing-Preisträger, Niklaus Wirth, der unter anderem die Programmiersprache Pascal erfand. 1970 wurde er Assistenzprofessor, 1979 ordentlicher Professor. Carl August Zehnder erkannte, dass Daten immer wichtiger wurden, und begann sich nicht nur mit Datensicherheit, sondern auch Datenschutz und anderen rechtlichen Aspekten der Informatik zu beschäftigen. 1981 erhielt die ETH eine eigene Abteilung für Informatik. Zehnder, mittlerweile zuständig für die Studienorganisation im Rektorat, war massgeblich daran beteiligt. Er wurde Gründungsvorsteher der neuen Abteilung.

Dabei bei Supercomputer-Projekt

1987 wurde er Vizepräsident der ETH-Verwaltung. In dieser Funktion leitete er auch das Projekt des Supercomputerzentrums in Manno bei Lugano, das 1991 eröffnet wurde. Danach lehrte er weiter an der Abteilung Informatik, vorwiegend über sein Spezialgebiet, «Die Gestaltung grosser Informationssysteme». Diese sind mittlerweile das Herzstück aller grossen Konzerne, nicht nur der Banken oder Versicherungen, und der staatlichen Verwaltung. Carl August Zehnder war eine Schlüsselfigur an der Schnittstelle von der Informatik zu Wirtschaft und Gesellschaft. 2003 wurde Zehnder an der ETH schliesslich emeritiert.

Neben und vor allem nach seiner Lehrtätigkeit an der ETH war Zehnder in den Informatik-Fachverbänden aktiv und setzte sich dafür ein, dass die Informatik Eingang fand in die Lehrpläne der Mittelschulen. Informatikunterricht war und ist für Zehnder aber nicht die Beherrschung und Anwendung von Programmen. Sondern Konzeptwissen und Reflexion auf das, was heute oft «Computational Thinking» genannt wird. Wenn die Welt sich aufspaltet in Daten und Algorithmen, dann ist das wahrscheinlich so bedeutsam wie Galileis rollende Kugeln und Newtons fallende Äpfel. Oder Darwins Finken.

Das Projekt «Informatik am Gymnasium» ist auf gutem Weg. Und das ist nicht zuletzt das Verdienst von Carl August Zehnder. Er verstand sich zeitlebens nicht nur als Wissenschafter, nicht nur als Lehrer oder als Offizier, sondern auch als einen Diener an der Gesellschaft. Und das ist nicht eine Sache der Karriere, sondern eine von Charakter und Lebensauffassung.

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