Baden
Carol Nater: «Ich will aus dem Museum keine Eventhalle machen»

Carol Nater leitet das historische Museum seit 100 Tagen. Nachdem zuletzt das20. Jahrhundert im Fokus stand, will sie den Besuchern nun auch die ältere Geschichte schmackhaft machen.

Pirmin Kramer
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«Eine Rückkehr nach Hause»: Carol Nater Cartier im Landvogteischloss.

«Eine Rückkehr nach Hause»: Carol Nater Cartier im Landvogteischloss.

Annika Bütschi

Carol Nater Cartier (35) hat bei ihrem Amtsantritt am 1. Mai eine Aufgabe erhalten, um die sie wohl kaum ein Museumsleiter beneidet. Sie soll zum Frieden von Baden im Jahr 1714 eine Ausstellung organisieren. «Das Thema scheint auf den ersten Blick tatsächlich wenig Zeigenswertes herzugeben und eher trocken und papierig zu sein», sagt Nater Cartier.

Sie aber sei begeistert vom Thema und überzeugt, dass die Ausstellung «Frieden verhandeln» den Besuchern gefallen werde. «Denn wir werden die Besucher in die damalige Zeit zurückführen und ihnen Frauen und Männer vorstellen, die Krieg geführt und Frieden verhandelt haben.»

Viele Eidgenossen standen auf den Schlachtfeldern des Spanischen Erbfolgekrieges, der dem Frieden von Baden vorausging. Daran erinnere in der Ausstellung etwa das Feldbett des eidgenössischen Generals Werdmüller.

In ihren ersten hundert Tagen im Amt habe sie sich einige Gedanken über die Positionierung des Museums gemacht, sagt Nater Cartier. Sie wolle das Historische Museum Baden grundsätzlich in seiner Tradition weiterführen. Im Zentrum sollen also weiterhin sozial- und gesellschaftspolitische Themen stehen.

«Während aber in letzter Zeit die Geschichte des 20. Jahrhunderts im Zentrum stand, soll im Museum künftig auch wieder ältere Geschichte thematisiert werden.» Ziel soll sein, dass Geschichte attraktiv für ein breites Publikum zugänglich gemacht wird – unabhängig davon, wie alt sie ist. «Ich will aus dem Museum aber keine Eventhalle machen, es geht nicht nur darum, möglichst viele Besucher anzulocken.»

Entscheidend sei vielmehr, dass sich das historische Museum von den anderen Museen in Kanton abgrenzen könne. «Wir möchten einen Gegenpol bilden zu den Museen, in denen Geschichte beispielsweise mit Schauspielern nachgestellt wird.»

Als sie im Mai ihre neue Stelle antrat, habe sich das angefühlt wie eine Rückkehr nach Hause. In Baden hatte die promovierte Historikerin aus Zürich bereits ein Praktikum absolviert und die Sonderausstellung «Frau Papa Moll» organisieren können. Als sie während des Studiums zum ersten Mal den «Melonenschnitz» und das Landvogteilschloss gesehen habe – die beiden Teile des Museums – da habe sie gewusst: «Hier möchte ich einmal arbeiten.»

Neue Dauerausstellung ab 2015

Vier Jahre leitete sie zuletzt in Solothurn das kantonale Museum Altes Zeughaus, ehe sie diesen Frühling das Badener Museum als Nachfolgerin von Barbara Welter übernahm. «Weil das Team hier gut funktioniert, konnte ich mich sofort auf die konkreten Aufgaben stürzen», sagt sie. Unter anderem plant sie eine neue Dauerausstellung, die ab 2015 gezeigt werden soll.

Die Voraussetzungen für spannende Ausstellungen seien in Baden einzigartig, sagt Nater Cartier. «Erstens ist Badener Geschichte häufig von nationalem Interesse – etwa wegen der Tagsatzung, den Bädern oder eben des Friedens von 1714.» Und zweitens seien allein die schönen Museumsgebäude, das Landvogteischloss und der Melonenschnitz, ein Besuch wert.