Kommentar
Chaotische Szenen in Baden: Die Stadtpolizei war machtlos

Kommentar Roman Huber, az-Autor Baden, über die unschönen Szenen auf dem Badener Schulhausplatz nach dem WM-Sieg der Schweiz gegen Honduras. Und über die Frage, ob die Polizei richtig gehandelt hat.

Roman Huber
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Über 500 Fussballfans feierten ausgelassen und überschwänglich
8 Bilder
Im Übermut steigen Personen auf die Busse
Die Situation droht zu eskalieren
Kein Durchkommen durch Fans und Rauchwolken
Feuerwerk mit Pyros auf dem Schulhausplatz
Feuerlöscher werden entleert und sorgen für chaotische Momente
Nach Schweizer 3:0-Sieg: Tumultartige Szenen auf dem Schulhausplatz
Die teils überbordende Siegesfeier auf dem Badener Schulhausplatz dauerte bis 2 Uhr morgens.

Über 500 Fussballfans feierten ausgelassen und überschwänglich

Zur Verfügung gestellt

Irgendwie ist das grotesk: Vor zehn Tagen fuhr ein einzelner Schweizer Fussballfan in seiner Siegesfreude auf dem Velo mit bescheidenen 0,7 Promille über den Schulhausplatz und wurde fast wie ein Verbrecher von der Polizei zu Boden gebracht.

Gestern, nachdem die Schweiz erneut gewonnen hatte, legten über 500 siegestrunkene Menschen während zweier Stunden den Verkehr auf dem Schulhausplatz lahm. Einige davon bewarfen die Polizei mit Flaschen, zündeten Pyros, entleerten geklaute Feuerlöscher und bestiegen blockierte Busse.

Die Stadtpolizei hat nur zugeschaut und dennoch richtig gehandelt, wenn auch einzelne Szenen um einiges gefährlicher waren als die Velofahrt nach dem Sieg gegen Ecuador. Ein Einschreiten hätte ein Desaster losgetreten. Ausserdem wäre die Polizei in Mannschaftsstärke gar nicht in der Lage gewesen, Ordnung herzustellen. Doch die Frage drängt sich auf: Was wird auf dem Schulhausplatz, offenbar zum Ort kollektiven Siegestaumels geworden, los sein, wenn die Schweizer Fussballnati am 1. Juli gegen Argentinien gewinnt? Und was erst, wenn sie am 13. Juli den WM-Titel holen würde?

Sich über etwas freuen, für sich allein oder öffentlich im Kollektiv, das muss heute drinliegen. Doch auch überschwängliche Freude hat ihre Grenzen. Im Siegesrausch – zweifellos durch Alkohol unterstützt – sind nach dem Honduras-Spiel auf dem Schulhausplatz nun Grenzen überschritten worden. Wenn nicht die Polizei, dann sind die Vernünftigen angehalten, ihre Kollegen in ungebremster Freude vor solchem Unfug zu schützen, wenn es gefährlich wird.