Im grellen Scheinwerferlicht, die Augen fix auf das Papier gerichtet, sitzen sie da. Drei bewegungslose Gestalten füllen mit ihren Worten den Raum. Der Schweizer Drehbuchautor und Schriftsteller Charles Lewinsky liest am Samstagabend aus seinem neusten Werk «Schweizen». Zusammen mit den Wortakrobaten Judith Stadlin und Michael van Orsouw präsentiert Lewinsky eine satirische Lesung im katholischen Pfarreizentrum. Auf 24 unterschiedliche Textarten beschreibt der Autor die Zukunft der Schweiz. Dabei trifft Lewinsky mit satirischem Humor auf die Schweizer Gegenwart.

Satire im familiären Rahmen

Organisiert wird das Ganze von der Kulturkommission Neuenhof.  Lewinsky, Stadlin und van Orsouw mussten ganz spontan für eine kurzfristige Absage einspringen. «Wir sind sehr dankbar, dass das Trio so schnell zugesagt hat», sagt Marianne Schwager, Mitglied der Kulturkommission. So spitzt das wortgewandte Trio mit viel Witz die Befindlichkeiten der Schweiz an diesem Abend zu.

Vom Drehbuch über den Ferienstau am Gotthard über die Fabel zur Zersiedlung im Kaninchenbau bis zum Schüleraufsatz über den Ausflug ins zukünftige Blocher-Mausoleum bietet das Buch «Schweizen» unterhaltsame Zukunftsvisionen der Schweiz. Lewinsky gibt seinen Lesern und Zuhörern satirische Antworten auf die Frage «Wo soll das alles enden?». Ob Erzählung oder Dialog, auf jede Art und Weise nimmt Lewinsky die Zukunft der Schweiz auf die Schippe und bringt seine nicht so zahlreichen, dafür aber interessierten Zuhörer zum Lachen.

«Es ist schade, sind nur so wenige Leute gekomment», sagt eine Zuhörerin. «Vielleicht liegt es daran, dass Samstagabend ist.» Mit nur knapp 50 Zuhörern bietet die Lesung den Anwesenden einen fast familiären Abend.

Während der Lesung kommt aber auch etwas Theatralik zum Einsatz. Um der Erzählung etwas Pep zu verleihen, fängt Judith Stadlin zu jodeln an, und Michael van Orsouw stellt mit seiner Stimme allerlei Geräusche nach. Lewinsky selbst hält sich im Laufe der Lesung eher zurück, der Blick auf das Blatt gerichtet, sieht er selten ins Publikum. Trotzdem versteht er es mit seiner Stimme, dem Geschriebenen Nachdruck zu verleihen. «Mir gefällt es sehr», sagt eine Zuhörerin während der kurzen Pause.

Einige der Kapitel verstecken hinter ihrem satirischen Humor viel Kritik, während andere eher an der Oberfläche kratzen und nicht mehr als zur reinen Unterhaltung taugen.