Seit den Sommerferien wird der Kindergarten Clemenz an der alten Bremgartenstrasse in Niederrohrdorf mit einem Anbau erweitert. Die Kindergartenkinder werden während der Bauarbeiten in ihren gewohnten Räumen unterrichtet.

Für Geraldine Rohner, deren Kinder die Abteilung Clemenz II besuchen, ist die Situation nicht tragbar. «Die Kindergartenkinder sind täglich dem Baulärm ausgesetzt.» Zu Beginn hätten ihre Kinder noch Freude gehabt, doch nun seien sie langsam müde ob des ganzen Trubels. «Es kann nicht sein, dass die Bauerei Oberhand gewinnt und den Unterricht beeinträchtigt», sagt sie. «Dadurch könnten gewisse Kinder den Anschluss verlieren.»

Rohner fände es zwar eine gute Sache, dass der Kindergarten erweitert werde. Doch: «Die Lösung ist nicht akzeptabel.» Zumal die Kinder neben dem Baulärm auch mit anderen Immissionen wie beispielsweise Zigarettenrauch zu kämpfen hätten. Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche hätten sie den Raum wechseln müssen. Komme hinzu: Damit gewisse Erweiterungsarbeiten ungestört ausgeführt werden könnten, würden die Kinder im November für eine Woche im Wald unterrichtet. «Ich kann nicht verstehen, weshalb der Unterricht unter diesen Umständen weiterhin im ‹Clemenz› stattfindet.» Man könne doch als Ausweichort den neuen Kindergarten Allegro benutzen.

Warum nicht in ein Provisorium?

Zur Erinnerung: Die Gemeinde hat aufgrund des Bevölkerungswachstums in der neuen «Allegro»-Überbauung am Parkweg 1 eine Gewerbefläche gemietet und zu einem Kindergarten ausgebaut. Sobald die Anzahl Kinder eine weitere Kindergartenabteilung erfordert – es wäre die insgesamt siebte in Niederrohrdorf – ist die Eröffnung eines Tageskindergartens geplant.

«Wenn die Gemeinde schon über einen neuen Kindergarten verfügt, kann man diesen doch auch nutzen», kritisiert Rohner. Ausserdem würden die Kinder des Kindergartens Mülirai am Johanna-Walz-Weg, der voraussichtlich im Januar 2018 erweitert wird (AZ vom 7. Juli), während der Bauzeit auch in einem Provisorium unterrichtet. «Warum werden die ‹Mülirai›-Kinder versetzt und die Kinder vom ‹Clemenz› nicht?», fragt sich die Mutter.

Mit der Kritik konfrontiert sagt Bauverwalter Sandro Fischer: «Die Bauvorhaben von ‹Clemenz› und ‹Mülirai› sind nicht vergleichbar.» So werde bei Letzterem das Giebeldach 1,30 Meter angehoben, um Platz für zwei neue Gruppenräume zu schaffen. «Abklärungen im Vorfeld der Bauarbeiten haben gezeigt, dass es im Gegensatz zum ‹Mülirai› zumutbar ist, den Kindergarten Clemenz während der Bauphase weiterzubetreiben.» Man habe den Bauplan den Bedürfnissen des Kindergartens angepasst: Lärmintensive Arbeiten werden in die Ferien oder auf unterrichtsfreie Zeit verlegt. Bisher habe die Bauverwaltung weder von den Lehrpersonen noch von der Schule Reklamationen erhalten.

Schulpflegepräsident Adrian Bacher bestätigt: «Mit Ausnahme der genannten Familie haben sich weder Eltern noch Lehrpersonen über die Bauarbeiten beschwert.» Man stehe ständig im Austausch mit Bauarbeitern, Architekten und Lehrpersonen. «Würde Handlungsbedarf bestehen, hätten wir längst eingegriffen», sagt Bacher in Absprache mit den Lehrpersonen. Bacher und Fischer geben aber zu, dass die Situation einiges an Verständnis verlange, zumal in der Nähe weitere Bauprojekte am Laufen sind: «Es ist unbestritten, es kann zu Lärm- und Geruchsimmissionen kommen.»

Und warum werden die Kinder vom «Clemenz» während der Bauphase nicht einfach im neuen «Allegro» unterrichtet? «Die Räume wurden erst Anfang Oktober fertiggestellt und werden seither von den Tagesstrukturen belegt», sagt Bauverwalter Fischer. Wenn schon müsste man die Kinder in den Pavillons bei der Primarschule unterbringen. Dafür hätte man aber die ganze Einrichtung zügeln müssen. Zudem hätten sich die Kinder an eine neue Umgebung gewöhnen müssen, was zu Unsicherheit führen könne, gibt er zu bedenken. «Die Bauarbeiter sind gebrieft und sich der Situation bewusst.» Man sei bestrebt, die Bauarbeiten schnellstmöglich durchzuführen, damit der Kindergarten wieder zum normalen Betrieb übergehen kann, sagt Fischer. Die Bauarbeiten dauern voraussichtlich bis Ende Sportferien 2018.