Fabian Rimann lehnt am Degustations-Tresen seiner Chocolaterie, faltet seine mächtigen Hände und überlegt: «Ein guter Schoggi-Osterhase muss gluschtig machen, er muss einen guten Knack haben.» Die Schokolade im Osterhasen sei ja dieselbe wie in den Tafeln. Der Geschmack alleine sei nicht entscheidend.

«Ein guter Schoggi-Hase muss vor allem auch schön sein. Er muss Erinnerungen wachrufen.» Erinnerungen an gute Schoggi: Davon hat der 32-jährige Ennetbadener eine ganze Menge. An die Schoggi-Tannzapfen am Christbaum seiner Grosseltern, zum Beispiel. Das war noch lange vor seiner Ausbildung zum Konditor-Confiseur, lange bevor er wusste, dass er mit seiner Schoggi eine steile Karriere machen würde.

Rimann arbeitete in der Konditorei Himmel in Baden, bei Vollenweider in Winterthur, wurde als 25-jähriger Jungspund Chefpâtissier im Zürcher Nobelhotel Baur Au Lac und führte schliesslich die Luzerner Max Chocolaterie. Doch irgendwie wurde er nie ganz glücklich. «Ich bin ein kreativer Mensch. Irgendwann hatte ich genug davon, für jede neue Idee meine Chefs um Erlaubnis zu fragen. Ich wollte mein eigener Chef sein», sagt Rimann.

Er machte sich selbstständig und eröffnete an der Wettinger Landstrasse eine Chocolaterie. Genusswerkstatt nennt er sie liebevoll. Die Kunden kommen aus dem halben Land. «Ich will Wettingen zum Pilgerort für Schoggi-Liebhaber machen», sagt Rimann und schiebt lachend nach, dass er das natürlich nicht so ernst meine.

Ganz glauben will man ihm nicht, denn der einstige Koch-Weltmeister, europaweite Bäcker-Champion und Chocolatier-Olympia-Sieger ist nicht zufrieden mit der helvetischen Schoggi-Szene. «Die Schweiz hinkt Ländern wie Frankreich, den USA, Belgien oder Holland in Sachen Kreativität hinterher.» Die Chocolatiers hierzulande seien eher konservativ. Auf den guten Ruf der Schweizer Schokolade zu vertrauen, reiche nicht. «Wir müssen anpacken, innovativ werden.»

Mit seiner Wettinger Chocolaterie will Rimann vormachen, wie das geht. In seinem kleinen Laden stehen Dutzende Hasen-Formationen und Osternester, farbige Schoggi-Eier, Pralinen-Schachteln und Gelée-Figürchen. Rimann und sein Team haben sie alle selber entworfen, in teils historische Gussformen gegossen und aufwendig von Hand geschminkt. «Ich sehe die Welt in Schoggi», sagt Rimann und lacht. «Inspiration gibts für mich überall.» Schon als Lehrling kreierte er aus Schokolade die verrücktesten Dinge, baute eine Kügeli-Bahn ganz aus Schoggi und experimentierte mit Farben und Formen.

Wirkstätte des Schoggi-Grossmeisters ist die Schokoladen-Stube hinter dem Verkaufstresen. Schoggibrunnen mit je rund 60 Litern flüssiger Schokolade liefern ihm die Grundmasse für seine Kreationen. Rimann weiss, wie viel Freude er mit seiner Schoggi machen kann: «Vor ein paar Jahren hatte eine Frau direkt vor dem Ladeneingang eine Autopanne. Sie verzweifelte fast. Ich ging hinaus, half ihr und schenkte ihr eine Tafel Schoggi. Sie freute sich riesig.» Heute ist die Dame Stammkundin.

Und, was macht der Schoggi-Profi, wenn Ostern vorbei ist? «Keine Sorge, es gibt keine Schoggi-Flaute!» Bald kommen die Maikäfer. Und dann sind da all die Vorträge und Events, um die Kollegen anzuspornen und dazu beizutragen, dass die Schweiz ihre Schoggi-Pole-Position behält – und Wettingen zum neuen helvetischen Kakao-Mekka wird.