Integration

«Co-Piloten»: Ein Projekt der Caritas hilft Flüchtlingen im Alltag

Brigitte Bader (3. v. r.) und ihr Partner Philppe Dätwyler (l.) mit Familie Azizi im Zoo Zürich.

Brigitte Bader (3. v. r.) und ihr Partner Philppe Dätwyler (l.) mit Familie Azizi im Zoo Zürich.

Das neue Integrationsprojekt der Caritas Aargau unterstützt Flüchtlinge bei alltäglichen Dingen.

«Zu den Elefanten!», ruft der fünfjährige Yusof. Der Ausflug in den Zürcher Zoo ist für den Jungen und seine Schwester Melissa etwas ganz Besonderes. Mutter Manizheh Azizi, Vater Safa Azizi, Brigitte Bader und deren Partner Philippe Dätwyler sind auch mit dabei.

Seit über einem Jahr begleitet das Paar aus der Region als sogenannte «Co-Piloten» der Caritas die junge Familie. Bei diesem Integrationsprojekt unterstützen Freiwillige Flüchtlinge bei alltäglichen Dingen wie der Wohnungssuche.

Von Anfang an verstanden sich die beiden Helfer mit der Familie Azizi. Angst vor Berührung gab es nie. Während dieses Projektjahres wurden viele Ziele verfolgt und umgesetzt. «Es war ein intensives Jahr», sagt Brigitte Bader, die im gleichen Atemzug ihrem Partner dankt: «Philippe hat auch viel gemacht und mich unterstützt».

Der ehemalige Beauftragte für interreligiösen Dialog der Zürcher Landeskirche kümmerte sich primär um die administrativen Belange der aus Afghanistan geflüchteten Familie. «Deren Dankbarkeit ist die schöne Seite», so Dätwyler.

Weniger schön sei die Erkenntnis, wie schwer es für solche Menschen sei, hier in der Schweiz Fuss zu fassen. Der «Dschungel der Gesetze und Formalitäten» mache dies nicht leichter. Drei Themengebiete würden immer wieder auftauchen: Arbeit, Wohnen und Verträge für TV, Handy und Internet.

Integration steht für Bader an oberster Stelle

Doch Einsatz, Hartnäckigkeit und Flexibilität haben sich offenbar gelohnt. So gelang es, für Safa Azizi eine Integrationsvorlehre zu finden. Der ehrgeizige Familienvater hat nun eine zweijährige Ausbildung zum Logistiker begonnen. Nach deren Abschluss bietet sich der Familie die Perspektive auf eine bessere Zukunft.

Neben dem «Papierkram» sei es im Projektjahr unter anderem auch um die Suche nach einem Kindergartenplatz für Sohn Yusof gegangen. Dabei half Brigitte Bader. Sie lebt noch nicht lange in der Region und sei zu Beginn des Projektjahres auf der Suche nach Kontakten gewesen. Deshalb habe das Projekt der Caritas Aargau die Heilpraktikerin sofort angesprochen.

Ein Kindergartenplatz ist nicht nur eine Entlastung für die Mutter – auch besonders für Yusof, der eher introvertiert ist, ein erster Schritt zur Integration. Nicht zuletzt auch, weil sie so lernen: «Ohne Sprachkenntnisse und Kontakte ist die Gefahr der Vereinsamung gross», weiss Bader. Sie unterstützt Manizhe Azizi darum auch beim Deutschlernen und sucht einen Nähkurs.

Kontakt zur Familie bleibt erhalten

Immer wieder berühren würde Bader und ihren Partner die Herzlichkeit der Familie, die im Laufe der Zeit auch ein wenig zu ihrer eigenen geworden sei. Die Verbindung der Familien bleibe über das Projektjahr hinaus bestehen, sagen die Azizis: «Sie sind immer für uns da, Frau Brigitte und Herr Philippe».

Zückblickend ist Bader der Meinung, ihr Einsatz als Co-Pilotin habe sich gelohnt: «Ich liebe es, in Kontakt zu Menschen zu sein und sie dort zu unterstützen, wo sie Hilfe brauchen». Und gebe es ja noch viel zu tun, sagt Bader.

Zum Beispiel würden noch ein grosses Bett und neue Kontaktmöglichkeiten für Manizhe Azizi fehlen. Doch das alles scheint am Ausflugstag im Zoo Zürich weit entfernt: Jetzt geht es erst einmal zu den Elefanten. (az)

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