Nieder-/Oberrohrdorf

CO2-neutral: Der Rohrdorferberg steht vor der Energiewende

Der Wärmeverbund soll Kunden aus Nieder- und Oberrohrdorf ansprechen: Hauptsächlich Liegenschaftsbesitzer mit grösserem Energiebedarf.

Der Wärmeverbund soll Kunden aus Nieder- und Oberrohrdorf ansprechen: Hauptsächlich Liegenschaftsbesitzer mit grösserem Energiebedarf.

Wer will, soll künftig CO2-neutrale Wärmeenergie beziehen können. Auf dem Rohrdorferberg soll ein Wärmeverbund entstehen.

Über 70 gibt es im Aargau, nun soll auch auf dem Rohrdorferberg einer entstehen: ein Wärmeverbund. Die AEW Energie AG plant, Nieder- und Oberrohrdorf mit CO2-neutraler Wärmeenergie zu versorgen. Als potenzielle Kunden sieht das Unternehmen Liegenschaftsbesitzer mit grösserem Energiebedarf vor. Für die Verbundheizung will die AEW 8,4 Millionen Franken investieren.

Die Gemeinderäte von Nieder- und Oberrohrdorf unterstützen die Projektidee. «Auch im Hinblick auf die Energiestrategie des Bundes und insbesondere des Kantons Aargau», sagt die Gemeinderätin von Oberrohrdorf, Monika Locher. Denn bei Letzterer im Zentrum stehen die Steigerung der Energieeffizienz und der Ausbau der erneuerbaren Energien, etwa durch die Verwendung von Holz zur Energiegewinnung.

Und genau das sieht der Wärmeverbund Rohrdorf (WVRO) vor: Die Heizzentrale soll zu 85 Prozent mit Holzschnitzeln betrieben werden, die aus den beiden Forstrevieren Heitersberg und Reusstal stammen. «Die restlichen 15 Prozent Wärme erzeugt ein Reserve- und Spitzenlastkessel mit Öl», erklärt Jürg Frutiger von der AEW.

Dadurch, dass der Wärmeverbund die Holzschnitzel aus der unmittelbaren Umgebung bezieht, «können einerseits lange Transportwege vermieden werden, und andererseits erhalten die Waldbesitzer eine gesicherte Einnahmequelle», sagt Gemeinderätin Locher. Dies sei wichtig: «Die Forstreviere sind auf weitere Einnahmen angewiesen, denn der Verkauf von Wertholz ist kaum mehr kostendeckend.» Das bestätigt auch Gregor Naef, Gemeindeammann von Niederrohrdorf: «Die Ortsbürger spüren den finanziellen Druck, der durch den tiefen Holzpreis entsteht.»

Erste Verträge bereits unterzeichnet

Die Holzschnitzelanlage soll auf dem Gemeindegebiet von Niederrohrdorf zu stehen kommen – wo genau, ist noch nicht definiert. Infrage kommen verschiedene Standorte, die zurzeit konkret evaluiert werden. Doch einmal installiert, gelangt die Wärme von der zentralen Wärmeerzeugungsanlage via Fernleitungsnetz zu den verschiedenen Übergabestationen in den Liegenschaften der Kunden. Die Tiefbauarbeiten der Fernwärme werden mit den geplanten Werkleitungssanierungen der Gemeinden koordiniert.

Bisher gebe es rund 110 Interessenten. Zudem würden für über 700kW Anschlussleistung bereits unterzeichnete Verträge vorliegen, sagt der AEW-Projektverantwortliche. «Unser Ziel ist es, rund 60 Verträge – 80 Prozent der gesamten Anschlussleistung von 3800kW – abzuschliessen. Nur so können wir den Wärmeverbund überhaupt realisieren und wirtschaftlich betreiben.» Doch genau dort liegt der Punkt: Weil zurzeit der Ölpreis tief sei, würden viele Hausbesitzer zögern, erneuerbare Energien für die Wärmeerzeugung in Betracht zu ziehen, erklärt Frutiger.

Ölheizung in die Jahre gekommen

Für die beiden Dörfer ist die Anlage nicht nur wegen der Holzschnitzel interessant, die aus den gemeindeeigenen Wäldern für die Wärmegewinnung bezogen werden. «Die Ölheizung der Schulanlage Hinterbächli ist seit 1971 in Betrieb und muss mittelfristig saniert oder ersetzt werden», sagt Monika Locher. Deshalb sei die Gemeinde an einem Anschluss des Schulhauses am Wärmeverbund interessiert.

Zudem prüft die AEW in Niederrohrdorf, den Holzschnitzelofen im Schulhaus Rüsler zu übernehmen und in das Konzept einzubinden. «Das könnte im Hinblick auf eine Schulhauserweiterung durchaus Sinn ergeben», sagt der Gemeindeammann. Gregor Naef könnte es sich auch vorstellen, weitere gemeindeeigene Liegenschaften an den Wärmeverbund anzuschliessen. «Letztlich entscheidet aber die AEW, ob und in welchem Umfang das Projekt realisiert werden kann.»

Infoveranstaltung zum WVRO: 15. März um 19.30 Uhr im Gemeindesaal in Niederrohrdorf, 17. März um 20 Uhr in der Zähnteschüür in Oberrohrdorf.

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